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NDB-Artikel

<< Döteber, Franz Julius     Dohm. >>

Doflein, Franz

Theodor, Zoologe, * 5.4.1873 Paris, 24.8.1924 Obernigk bei Breslau. (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Franz (1839–78, kath.), Kaufm. in Paris u. Zweibrücken, S des Theodor, Graphiker u. Maler in Mainz, u. der Josepha Brentano; M Jane Cooper (1847–86, ev.) aus Newcastle/Tyne (England); 1899 Leonie (* 1878), T des Fabrikdirektors Heinr. Rössle in Augsburg; Schwager Robert Rössle (1876–1956), Prof. der Pathologie in Berlin (s. Fischer); 1 S, 2 T, u. a. Erich (1900-77), Prof. an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg (Breisgau).

Leben  
Doflein wollte zunächst Maler werden, studierte aber (beeinflußt durch R. Hertwig) ab 1893 in München Zoologie und Medizin. Er arbeitete 1895-96 bei A. Goette in Straßburg als Hilfsassistent, erhielt dort von L. Döderlein weitere Anregungen und promovierte 1897 unter R. Hertwig in München („Karyogenese des Spermakerns“). 1897/98 war Doflein Assistent von B. Hofer an der Münchener Biologischen Anstalt zur Untersuchung der Fischkrankheiten, bereiste 1898 im Auftrage der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Antillen, Mexiko und Kalifornien, wurde anschließend Assistent an der Zoologischen Staatssammlung München, 1901 Kustos, 1902 Konservator und habilitierte sich 1903 mit der Arbeit „Die Augen der Tiefseekrabben“. 1904/05 unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach Japan und Ceylon, wurde 1907 außerordentlicher Professor für zoologische Systematik und Biologie in München und rückte 1910 zum 2. Direktor der Zoologischen Staatssammlung auf. 1912 übernahm Doflein den Lehrstuhl von A. Weismann in Freiburg (Breisgau) und folgte 1918 im Anschluß an eine Reise durch Mazedonien einem Ruf nach Breslau, wo er 1923 infolge Erkrankung in den Ruhestand trat.
Doflein war vielseitig, besonders künstlerisch begabt und ist auch als Verfasser von Novellen hervorgetreten. Er zeichnete sich durch große Leistungsfähigkeit und Fleiß aus und verfügte über eine „schnelle Auffassung und mitreißende Lebhaftigkeit, glänzende Gabe der Naturbeobachtung, ungewöhnliche Gestaltungskraft“ (Hesse). Diese Fähigkeiten wirkten sich stark auf seine wissenschaftlichen Arbeiten aus, in denen Doflein eine ganzheitliche Betrachtungsweise anstrebte und deshalb besonders die Ökologie der Tiere studierte. – Ab 1897 arbeitete Doflein hauptsächlich über Protozoen, die er 1901 „als Parasiten und Krankheitsüberträger“ erstmalig zusammenfassend behandelte, woraus das erfolgreiche „Lehrbuch der Protozoenkunde“ (1906) entstand, das von der 5. Auflage ab (1927-29) E. Reichenow betreute. Die Protozoenstudien brachten unter anderem 1916 die Entdeckung der „Zuckerflagellaten“, deren saprophytische Ernährungsweise Doflein untersuchte. – Zahlreiche ökologisch-biologische Beobachtungen fanden 1914 ihren Niederschlag in dem zusammen mit R. Hesse herausgegebenen Werk „Tierbau und Tierleben“, dessen 2. Band „Das Tier als Glied des Naturganzen“ Doflein schrieb und damit die erste moderne Darstellung der gesamten Erscheinungen des Tierlebens gab. Musterhaft ist ferner die biologische, tierpsychologische und reflexbiologische Studie „Der Ameisenlöwe“ (1916). Weiterhin hat Doflein über Termiten und Ameisen gearbeitet sowie Abhandlungen zur Systematik der Dekapoden veröffentlicht; gelegentlich hat er sich auch mit der Abstammungslehre, mit Vererbungsfragen und dem Unsterblichkeitsproblem befaßt. Hervorragend sind die Reisebeschreibungen „Ostasienfahrt“ (1906) und „Mazedonien“ (1921), denen eigene Aquarelle und Zeichnungen beigegeben sind.

Werke  
Weitere W u. a. Stud. z. Naturgesch. d. Protozoen, 10 T., 1897-1918; Die pathogenen Protozoen (mit Ausnahme der Hämosporidien) (mit S. v. Prowazek), in: W. Kolle u. A. Wassermann, Hdb. d. pathogenen Mikroorganismen I, 1903; Überblick üb. d. Stamm d. Protozoen (mit O. Koehler), ebd. VII, 21912; Brachyura, in: Wiss. Ergebnisse d. Dt. Tiefsee-Exped. VI, 1904; – Hrsg.: Btrr. z. Naturgesch. Ostasiens, = Bayer. Ak. d. Wiss., Abhh. d. math.-phys. Kl., 1.-4. Suppl.bd., 1906 ff.

Literatur  
. R. Hertwig, in: Münchner Neueste Nachrr. v. 4.9.1924; Nature 114, London 1924, S. 831 f.; A. Pratje, in: Münchener med. Wschr. 71, 1924, S. 1543 f. (P); K. v. Frisch, in: Ostdt. Naturwart, 1925, S. 3-7 (W, P); R. Hesse, in: Zool. Jbb., Abt. f. Anatomie u. Ontogenie d. Tiere 47, 1926, S. 191-211 (W-Verz., P).

Autor  
Georg Uschmann
Empfohlene Zitierweise  

Uschmann, Georg, „Doflein, Franz“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 40 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116170719.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 4 (1959), S. 40
Erwähnungen: 
NDB 6 (1964), S. 431*

PND: 116170719
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Index

Doflein, Franz

Name: Doflein, Franz
Namensvariante: Doflein, Franz Theodor
Lebensdaten: 1873 bis 1924
Geburtsort: Paris
Sterbeort: Obernigk bei Breslau
Beruf/Lebensstellung: Zoologe
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Uschmann, Georg
PND: 116170719

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Doflein, Franz

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116170719

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