<< Bahder, Karl von
Bahnsen, Julius Friedrich August >>
Bahnmaier, Jonathan Friedrich
evangelischer Theologe,
* 12.7.1774 Oberstenfeld (Württemberg),
† 18.8.1841 Owen-Teck.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Christoph Bahnmaier (1738–1823), Stiftsprediger in Oberstenfeld aus Eßlinger Gastwirtsfamilie;
M Regine Gottliebin (
† 1803),
T des Georg Ludwig Neuffer, Verwalter in Weinsberg, aus alter Beamtenfamilie, und der Euphrosyne
Dor. Dentzel;
⚭ 1806 Louise Christiane,
T des Jeremias Friedrich Spittler, Pfarrer zu Stümpfelbach, und der Sibylle
Dor. Wilh. Majer,
Schw des Sekretärs der Christentumsgesellschaft und Missionsmannes in Basel Christian Friedrich Spittler (1782–1867).
Leben ↑
Bahnmaier besuchte die Klosterschulen Denkendorf und Maulbronn, dann das Stift in Tübingen, wo er schon 1797 ein Bändchen Gedichte in patriotischem Geist herausgab. Als junger Pfarrer in Ludwigsburg, der Residenz König Friedrichs, beleuchtete er in Neujahrspredigten von hoher Warte die Zeitereignisse. Nahe Freundschaft verband ihn mit dem Amtsgenossen Ch. B. Vischer, dem Vater des Ästhetikers, und mit F. Sucher, dem Bahnmaier, 1815 auf den Lehrstuhl für praktische Theologie und Pädagogik in Tübingen berufen, den Weg zur Musikalehrstelle der Universität bahnte. Ein Rektoratsbericht Bahnmaiers nach K. L. Sands Mordtat an A. Kotzebue über die Stimmung unter den Studierenden trug ihm die Ungnade König Wilhelms I. ein, der ihn seines Lehrstuhls enthob und als Dekan nach Kirchheim unter Teck versetzte. Die Universität Tübingen verdankt Bahnmaier die Begründung des Musiklehrstuhls und des homiletischen Seminars. Seine Liebe und eifrige Tätigkeit gehörten daneben der Hebung des deutschen Schulwesens der Stadt, der Weckung des Missionssinnes und der liturgischen Bereicherung des Gottesdienstes. Doch blieben seine Dichtungen, mehrfach von Sucher vertont, allermeist vergängliche Gelegenheitswerke, außer dem Missionslied „Walte nah und fern, allgewaltig Wort des Herrn“.
|Werke ↑
Vollst. Verz. b. M. Leube, in:
Bll. f.
württ. Kirchengesch., 1948, S. 55-71.
Literatur ↑
ADB I;
P. Wurster, 100 J. Predigeranstalt in Tübingen, =
Festschr. d.
ev.-
theol. Fak. Tübingen, 1917, S. 6-24;
RGG.
Portraits ↑
Ölgem. aus d. Tübinger Rektoratsjahr 1819 (Homilet. Seminar d.
ev.-
theol. Fak. d.
Univ. Tübingen).
Autor ↑
Martin LeubeEmpfohlene Zitierweise ↑
Leube, Martin, „Bahnmaier, Jonathan Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
539-540
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116039655.html
<< Baggel, Winold
Bahr, Benedict >>
Bahnmaier, Jonathan Friedrich
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Bahnmaier: Jonathan
Friedrich
B.
, Doctor der Theologie, geb. zu Obristenfeld in
Würtemberg
12. Juli 1774, † zu Owen 18. Aug. 1841.
Er verdient im deutschen Volke ein bleibendes Andenken einerseits
als einer der Männer, die in der Zeit des Pestalozzismus mit
unermüdetem Eifer die Hebung der Volksbildung sich angelegen sein
ließen, ohne darum ihrer kirchlich-frommen Gesinnung irgendwie
untreu zu werden, vielmehr gerade im innigsten Zusammenhange mit
dieser; andererseits aber war er, dessen kräftigste Mannesjahre in
die Napoleonischen Zeiten sielen, ein kerndeutscher Mann, der
nicht nur bis an sein Ende den deutschen Rock trug und alte
deutsche Sitte festhielt, sondern der ein Martyrium dafür zu
erdulden hatte. Seine Erziehung war unter den Händen der Eltern
(der Vater war Prediger) eine entschieden fromme im Sinne des
älteren schwäbischen Pietismus; die dadurch genährte Richtung
seines Gemüths fand auch in den Seminarien, die er durchlief, wie
später in seiner Thätigkeit als Vicar und Repetent, ferner auf
gelehrten Reisen (auf welchen er Verbindungen mit Männern wie
Lavater und Heß in Zürich anknüpfte) stets reichliche Nahrung. Im
J. 1806 erhielt er das Diakonat in Marbach (Schiller's
Geburtsort), 1810 in Ludwigsburg und schon auf diesen Stellen
entwickelte er außer den eigentlichen Berufspflichten eine
ungemeine Thätigkeit für die Schulen, für nützliche Anstalten, für
Fortbildung der Schullehrer, für Schul- und Kinderfeste, wofür er
auch seine poetische Begabung verwerthete. Bei sehr conservativer
Gesinnung in religiösen Dingen war er in Sachen der Schule ein
Neuerer, er haßte alles, was aussah wie Schlendrian; daß etwas
davon auch in sein theologisches Bewußtsein überging, das war ihm
ebenso verborgen, wie den damaligen Supranaturalisten
|überhaupt, namentlich der Tübinger Schule. Unerwartet
wurde er dieser eingefügt, indem er 1815 als Professor der
Theologie mit dem Lehrauftrag für Homiletik und Pädagogik nach
Tübingen berufen wurde. Er las auch immer nur über diese Fächer,
übernahm daneben die Inspection städtischer Schulen, führte auch
dort die Maienfeste für die Schuljugend ein, erwarb sich aber ein
großes Verdienst dadurch, daß er zuerst dem Bedürfniß praktischer
Uebungen im Predigen, Katechisiren und im Schulunterricht durch
Veranstaltung freiwilliger Uebungen der Theologie-Studirenden
entgegen kam, und daraus ein festes Institut, ein Seminar,
bildete, das sofort der Staat als Universitätsinstitut anerkannte
und das heute noch als ein unentbehrliches Glied des akademischen
Organismus in Tübingen besteht. Er war es auch, auf dessen Betrieb
eine eigene Musikdirectorstelle an der Universität gegründet und
als erster Inhaber derselben Friedrich Silcher berufen wurde.
Allein es war ihm dort keine lange Wirksamkeit beschicken. Er
bekleidete im J. 1819 die Rectorwürde. Nach der That Sand's —
welch' letzterer einige Zeit in Tübingen studirt hatte — wurde der
Senat aufgefordert, sich über die Stimmung der Studirenden zu
äußern und
B.
, so sehr er die That verabscheute und sie den
Studirenden ins rechte Licht stellte, war doch nicht Diplomat
genug, um nicht in dem von ihm verfaßten Antwortschreiben auch
einige Mißbilligung der antideutschen Politik der Cabinette
durchblicken zu lassen. Auch vorher schon hatte er der Königin
Katharina gegenüber, die ihn kennen zu lernen gewünscht, einige
Aeußerungen ähnlicher Art übet den Minister Wangenheim gethan, die
dieser, sein vorheriger Gönner, sehr übel nahm — kurz er wurde
plötzlich seiner akademischen Lehrstelle enthoben und als Decan
nach Kirchheim unter Teck versetzt. Dort schuf er sich einen
seinem thätigen, nach seinen eignen Geständnissen fast allzu
unmüßigem Geist entsprechenden umfassenden Wirkungskreis; er nahm
zuletzt noch sehr lebhaften Antheil an der Herstellung des neuen
Gesangbuchs, wurde aber auf einer Visitationsreise in dem Amtsort
Owen vom Schlage getroffen und starb dort. — Bahnmaier's Schriften
sind theils Gedichte — "Gesänge für die Jugend" 1811, "Gesänge für
christliche Feier vaterländischer Feste" 1820 u. a. m., (vgl.
Koch, Gesch. des Kirchenliedes (3. Aufl.) Bd. VII. S. 81 f.), theils Predigten — für
wohlthätigen Zweck herausgegeben 1823, außerdem
Gelegenheitsschriften, akademische Programme, Ansprachen,
Denkschriften u. dergl.; kurze Zeit redigirte er ein Schulblatt.
Autor ↑
Palmer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Palmer, Christian, „Bahnmaier, Jonathan Friedrich“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
766-767
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116039655.html?anchor=adb
Bahnmaier, Jonathan Friedrich
Name: Bahnmaier, Jonathan Friedrich
Lebensdaten: 1774 bis 1841
Geburtsort: Oberstenfeld (Württemberg)
Sterbeort: Owen-Teck
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Schulmann; Professor für praktische Theologie und Pädagogik in Tübingen; Dekan
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Leube, MartinAutor ADB:
Palmer, ChristianPND: 116039655