<< Bahnmaier, Jonathan Friedrich
Bahr. >>
Bahnsen, Julius Friedrich August
Philosoph,
* 30.3.1830 Tondern,
† 7.12.1881 Lauenburg (Pommern). (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
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| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Christian August Bahnsen (1797–1865), Professor und Seminardirektor in Tondern;
Gvv Bahne Bahnsen, Schulhalter;
Gmv Margarethe Böhen;
⚭ Juliane Maria Christine Hansen.
Leben ↑
Bahnsen begann sein Studium der Philologie und Philosophie 1848 in Kiel, siedelte nach dem Feldzug gegen Dänemark, an dem er teilgenommen hatte, nach Tübingen über, promovierte bei F. Th. Vischer und war seit 1853 Gymnasiallehrer in Lauenburg. In Umbildung der Lehre Schopenhauers, die den vernunftlosen „Willen" als Weltgrund bestimmt, schränkt Bahnsen die dynamische Substanz auf das wollende Einzelwesen ein, das damit zur Urpotenz der Wirklichkeit wird und eine Welterkenntnis unmöglich macht. Der im blinden Willen angelegte Widerstreit mit sich selbst ist die „realdialektische" Kernbestimmung des Individuums, und sie bedingt seine Unseligkeit, aus der es keine Erlösung gibt, die vielmehr in jeder Existenz wieder auflebt und von ihr ausgetragen werden muß. – Wenn durch diese pessimistische Wendung zum Willensatomismus der philosophischen Besinnung der Boden entzogen wird, so hat sie gleichwohl die Voraussetzung geschaffen für eine „phänomenologische" Betrachtung des „Willens in Individualitäten", die Bahnsen in seiner „Charakterologie" (der Name stammt von Bahnsen) als Aufgabe begründet. Wegweisend dafür ist die Unterscheidung zwischen dem „Willen“ als Handlungsimpuls und den „Motiven“ als Auslösungsfaktoren: eine Fragestellung, die seither zum Ansatzpunkt charakterologischer Menschenkunde geworden ist.
Werke ↑
u. a. Btrr. z. Charakterol. mit
bes. Berücksichtigung pädagog. Fragen, 2
Bde., 1867, neu
hrsg. v. J. Rudert, 1932; Zum Verhältnis
zw. Wille u. Motiv, 1670; Zur Philosophie d.
Gesch., 1871;
Progr. d. Realdialektik
v. 1876, veröffentlicht
v. A. Ruest in:
Bll. f.
dt. Philos.,
Bd. 4, H. 4, 1933, S. 455-74; Mosaiken u. Silhouetten, 1877, neu
hrsg. v. A. Görland, 1931; Das Tragische als Weltgesetz u. d. Humor als ästhet. Gestalt d. Metaphysik, 1877, neu
hrsg. v. A. Ruest, 1931; Der Widerspruch im Wissen u. Wesen d. Welt, 2
Bde., 1880/81; Wie ich wurde, was ich ward,
hrsg. v. R. Louis, 1905.
Literatur ↑
P. Fechter, Grundlagen d. Realdialektik, 1906;
ders., J.
B. z. seinem 100. Geburtstag, in: Kantstud.,
Bd. 35, H. 2/3, 1930, S. 195-205
(P); H. Leiste, Die
Charakterol. v. J.
B., 1928; H. Schopf, J. F. A.
B., 1930; A. Ruest, J.
B., in:
Jb. d.
Schopenhauerges. 19, 1932, S. 165-204; Th. Hein, J.
B.-
Bibliogr. 1932
(unvollst.); H. Kern, J.
B.s trag. Weltsicht, 1942; H. J. Heydorn, J.
B., 1952
(vollst. W-Verz., L, P).
Autor ↑
August VetterEmpfohlene Zitierweise ↑
Vetter, August, „Bahnsen, Julius Friedrich August“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
540
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118505947.html
Bahnsen, Julius
Name: Bahnsen, Julius
Namensvariante: Bahnsen, Julius Friedrich August
Lebensdaten: 1830 bis 1881
Geburtsort: Tondern
Sterbeort: Lauenburg (Pommern)
Beruf/Lebensstellung: Philosoph
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Vetter, AugustPND: 118505947