<< Augspurg, Anita Johanna Theodora Sophie
August Wilhelm >>
August der Jüngere
Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel,
* 10.4.1579 Dannenberg,
† 17.9.1666 Wolfenbüttel. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Herzog Heinrich von Braunschweig;
M Ursula, Prinzessin von Sachsen-Lauenburg;
Gvv Ernst der Bekenner;
⚭ 1) Clara Marie,
T Herzog Bogislavs von Pommern, Witwe Herzog Sigismund Augusts von Mecklenburg, 2) 1623 Dorothea,
T Fürst Rudolfs von Anhalt-Zerbst, 3) 1634 Sophie Elisabeth,
T Herzog Johann Albrechts von Mecklenburg;
S Rudolf August, Anton Ulrich, Ferdinand Albrecht zu Bevern;
T Sibylle Ursula (
⚭ Herzog Christian von Holstein-Glücksburg), Clara Augusta (
⚭ Herzog Friedrich von Württemberg), Maria Elisabeth (
⚭ 1) Herzog Adolf Wilhelm von Eisenach, 2) Herzog Albrecht von Sachsen-Coburg).
Leben ↑
Augusts Name lebt durch die von ihm begründete Wolfenbütteler Bibliothek, deren bedeutenden Grundstock er selbst zusammengetragen hat. Er gehörte zu den großen Sammlernaturen seiner Zeit, kaufte mit Hilfe eines ausgebreiteten Netzes von Agenten von Jugend auf Bücher und Kunstgegenstände. Auf seinem Hofe zu Hitzacker an der Elbe widmete der schreibfrohe Prinz seine Muße dem Briefwechsel mit gelehrten Freunden, darunter der Tübinger mystische Theologe J. V. Andreae, der Reisende und Sammler Ph. Hainhofer. Doch behielt er das offene Auge des Gutsherrn, was sich bewährte, als er 1635 Herzog wurde. Nach dem Friedensschluß mit dem Kaiser 1642 begann er von der bis dahin durch kaiserliche Truppen besetzten Festung Wolfenbüttel aus den Aufbau des verwahrlosten Landes. Er regierte als Landesvater mit wacher Sorge um Einzeldinge, gab dem Kirchen- und Schulwesen Gesetze, verfaßte eine Evangelienharmonie zum Ge
|brauch seiner Landeskirche. Er schrieb ein Schachbuch 1616, ein Buch über Geheimschrift (Kryptographie) 1624. Sein Kanzler J. Schwartzkopf betrieb den Zusammenschluß des Welfenhauses im Hildesheimer Bund (1652).
Literatur ↑
ADB I;
F. Koldewey, Die Schulgesetzgebung
Hzg. A.s
d. J., 1887;
O.
v. Heinemann, Die
hzgl. Bibl. z. Wolfenbüttel, 1894
(P);
P. Zimmermann (nach L. C. Bethmann),
Hzg. A. d. J., in: W. Görges, Vaterländ. Geschichten u. Denkwürdigkeiten I,
31925, S. 131-37;
ders., in:
Zbl. f.
Bibl.-wesen 45, 1928, S. 665-79.
Portraits ↑
Mehrere
P in Wolfenbüttel (
Hzg. A.-
Bibl.),
u. a. Brustbild
v. 1666, Studierstubenbild,
Gem. v. A. v. Freyse, der auch d. Vorbilder f. eine Reihe
v. Stichen lieferte; Reiterbild (Darmstadt).
Autor ↑
Hans ButzmannEmpfohlene Zitierweise ↑
Butzmann, Hans, „August der Jüngere“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
445-446
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118505076.html
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August der Jüngere
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
August der Jüngere,
Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, von seinen Zeitgenossen
ein Wunder unter den Fürsten seiner Zeit genannt, unter den
frommen Fürsten der gelehrteste, unter den gelehrtesten der
frömmste, wurde geb. 10. April 1579
zu Dannenberg, † 17. Sept. 1666. Sein Vater war Herzog
Heinrich von Braunschweig, dritter Sohn Ernst des Bekenners.
A.
war das siebente und jüngste Kind seiner Ehe mit
Ursula, Prinzessin von Sachsen-Engern. Er erhielt seinen Namen
nach seinem Oheim, dem Kurfürsten August von Sachsen; bei seiner
Geburt ahnte wol Niemand, daß er einst diesen verheißungsvollen
Namen als Begründer der jüngeren wolfenbüttelschen Linie des
braunschweigischen Hauses in der That führen sollte. Die Erziehung
des jungen Prinzen war nach der Sitte seiner Zeit, mehr noch nach
eigener Neigung, eine gelehrte. Seine noch erhaltenen Schulhefte
bezeugen, wie er zu lernen und zu arbeiten bemüht war. An seinem
sechszehnten Geburtstage konnte er 1594 die Universität zu Rostock
beziehen und das ihm übertragene Rectorat am 30. April mit einer
selbst gearbeiteten lateinischen Rede über Strenge und Milde
antreten. Später bei Niederlegung des Rectorats hielt er eine Rede
über die Frage: ob der Mensch aus freier Wahl böse sei? Von
Rostock ging er nach Tübingen, woselbst er zwei Jahre studirte und
ebenfalls zum Rector gewählt wurde. Nach dem Tode seines Vaters
verließ er, zwanzig Jahre alt, die Universität und begab sich auf
Reisen durch Italien und Sicilien bis nach Malta, durch Frankreich
und England und kehrte dann nach seiner Heimath zurück, wo er
zufolge eines mit seinem ältesten Bruder Julius Ernst
abgeschlossenen Vergleiches seine Residenz in dem Städtchen
Hitzacker (seinem Ithaka, wie er es nannte) aufschlug, um ganz
seinen gelehrten Neigungen zu leben. Hier füllte er dreißig Jahre
glücklicher Muße aus mit dem Studium der Wissenschaften, einem
ausgebreiteten gelehrten und politischen Briefwechsel, der in mehr
als 30 Foliobänden noch vorhanden ist, und mit größeren und
kleineren Reisen, über welche er ein eigenhändiges genaues
Tagebuch führte, welches auf der Wolfenbütteler Bibliothek
aufbewahrt wird. Besonders beschäftigte ihn das Ansammeln seines
Bücherschatzes, aus welchem die Wolfenbütteler Bibliothek
hervorgegangen ist. Hier schrieb
A.
unter dem Namen Gustavus
Selenus (d. h. Augustus von Lunaeburg) sein großes Werk über
"Das Schach- oder Königsspiel", diesem ist zu Ende angefügt ein
sehr altes Spiel, genannt "Rythmomachia", Leipzig 1616, Fol., welches länger als ein Jahrhundert
hindurch als ein Hauptwerk in diesem Fache galt und Uebersetzungen
in das Italienische und Französische erlebte; ferner: "Cryptomenyticae et Cryptographiae libri IX."
Lunaeb. 1624. — Am 11. Aug. 1634 war das mittlere Haus
Braunschweig-Wolfenbüttel mit Herzog Friedrich Ulrich
ausgestorben. Nach längeren Unterhandlungen fiel ihm aus der
Erbschaft das Fürstenthum Wolfenbüttel zu, indem sein älterer
Bruder Julius Ernst zu seinen Gunsten auf dasselbe verzichtet
hatte. Im J. 1635 trat er die Regierung an, welche er, obschon
damals bereits 55 Jahre alt, noch 32 Jahre hindurch mit
kraftvoller Hand segensreich geführt hat. Die ersten acht Jahre
mußte er in der Burg zu Braunschweig residiren, weil Wolfenbüttel
erst im
|J. 1643 von den Kaiserlichen geräumt wurde,
auf welches Ereigniß er die bekannten Glockenthaler prägen ließ.
Bei seinem Regierungsantritte befand sich das Land in einer so
traurigen Verfassung und war durch die schwache Regierung seines
Vorgängers so heruntergekommen, daß er am Tage des
Vergleichsabschlusses an einen befreundeten Fürsten schrieb:
"Gestern ist mir das Fürstenthum Wolfenbüttel zugefallen. — Gott
stehe mir bei"! Mit kräftiger Hand, mit demselben Eifer, mit
welchem er seinen Studien obgelegen, stellte er die Ordnung im
Lande wieder her. Eingedenk des schon in seiner Antrittsrede zu
Rostock ausgesprochenen Grundsatzes: "ein guter Fürst sei wenig
oder gar nicht von einem guten Hausvater unterschieden", hatte er,
wie in seiner Bibliothek, die größte Freude daran, Alles selbst zu
ordnen und zu registriren. Er setzte eigenhändig eine Ordnung der
Frühpredigten für die Schloß- und Stadtkirche auf, ernannte den
Helmstedter Professor Christoph Schrader zum Oberinspector aller
Schulen des Landes, erließ 1651 eine vortreffliche Schulordnung,
ordnete im Vereine mit den Landständen das Consistorium und schuf
dasselbe eigentlich ganz neu, erließ 1655 die Klosterordnung und
1657 die Agenda oder Kirchenordnung, die Kanzlei- und
Hofgerichtsordnung und mehrere das Rechtswesen betreffende
Verordnungen, sorgte für Regulirung des Steuerwesens und für
Besserung der Wege. Daneben gab er das wissenschaftliche Arbeiten
nicht auf. Im J. 1640 erschien von ihm die "Geschichte des Herrn
Jesu, des Gesalbten Leyden, Sterben und Begräbnisse, aus der
Evangelisten Schriften von Neuem ordentlich zusammengetragen" und
zwar aus eigener Uebersetzung, nicht etwa nach der Lutherischen.
Im J. 1644 folgte die "Evangelische Kirchen-Harmonie d. i. der
Hochheiligen Schrift unterschiedene Texte und Worte" u. s. w.
ebenfalls nach eigener Uebersetzung des Bibeltextes mit vielen
Kupfern. Der Herzog arbeitete ein Jahr an der Schrift und
corrigirte auch selbst den Druck. Er hatte die Freude, daß das
Buch sechs Auflagen erlebte. Regiren und studiren ging bei dem
thätigen, rastlosen Fürsten Hand in Hand. Sein Briefwechsel mit
den größten Gelehrten und Staatsmännern seiner Zeit über alle
mögliche Gegenstände ist vollständig erhalten. Einst schrieb ihm
ein Pastor aus der Heide, er habe mit einem Jesuiten Streit über
die Reliquienverehrung; da habe der eine Stelle des Kirchenvaters
Chrysostomus angeführt, aber anders als er, der Pastor, sie
gelesen zu haben glaube; da er nun keinen Chrysostomus im Hause
habe, so bitte er, "obgleich Sr. Fürstlichen Gnaden ganz
unbekannt, Dieselben wollen auf Dero weltberühmten Bibliothek
einmal nachsehen lassen". Der Herzog schickte dem Pastor eine
eigenhändige, zwei Folioseiten lange Antwort, deren Entwurf noch
bei jenem Briefe liegt; darin theilt er ihm nicht allein die
Stelle nach allen Ausgaben und Handschriften mit, sondern setzt
auch seine eigene Ansicht in einer Weise auseinander, deren sich
der gelehrteste Theologe nicht zu schämen brauchte. Staunenswerth
ist, was Herzog
A.
in seinem langen Leben mit dem bereits in der Jugend
angenommenen Wahlspruch: "Expende" "Alles
mit Bedacht" ausgeführt hat. Bei allen seinen Studien fand er noch
Zeit zu ausgedehnten Reisen, er fand ganz besonderes Vergnügen an
der Jagd, am Fechten und Ritterspiel; im Armbrustschießen hatte er
es zu einer ganz besonderen Fertigkeit gebracht, kein Pferd
bestieg er, was er nicht selbst zugeritten hatte. Nur das
Kriegswesen gewährte ihm keine Lust. Sein liebster Aufenthalt war
die Bibliothek, zu der er von Jugend auf gesammelt hatte und die
bei seinem Tode bereits über 180000 Bände, nebst einem Schatze der
werthvollsten Handschriften, enthielt und den Ruhm hatte, eine der
bedeutendsten Büchersammlungen der Welt zu sein. Alle Arbeiten auf
der Bibliothek, Correspondenz, Ankauf der Bücher, Anordnung und
Aufstellung derselben besorgte er selbst. Mit eigener Hand
verfaßte er den Katalog in vier starken Bänden im größten Folio,
jeder über
|tausend Seiten, in großen Zügen, sauber
und gleichmäßig, wie aus einem Gusse, geschrieben, obgleich er
eine Arbeit von mehr als dreißig Jahren ist. Dazu kommt noch ein
fünfter Band, der den alphabetischen Katalog bildet. "Das Ganze
ist ein Werk von staunenswerther Geduld und wahrhaft ehrwürdig,
wenn man bedenkt, daß es die Frucht der Mußestunden eines
regierenden Fürsten ist, der darüber nie die Regentenpflicht
verletzt hat". In der von Fürst Ludwig von Anhalt gestifteten
"Fruchtbringenden Gesellschaft" führte er den Namen: der
Befreiende. — Mit besonderer Vorliebe sorgte
A.
für seine Residenzstadt Wolfenbüttel. Die von ihm
angelegte Vorstadt führt nach ihm den Namen Auguststadt. Er starb,
nachdem er in fünfzig Jahren keine Krankheit gehabt hatte, 87
Jahre alt. Winkelmann, der Verfasser des braunschweigischen
Regentenbaumes, rühmt von ihm, daß er "ein gottseliger,
friedfertiger, kluger und gelehrter und bei diesen gefährlichen
Zeiten ein hocherwünschter Regent war. Mit dem Geistlichen redete
er andächtig, mit dem Juristen rechtskräftig, mit den Aerzten
heilsamlich, mit den Weltweisen klug und vernünftig, mit den
Künstlern kunstmäßig und wußte sich in allerlei Discurse zu
finden". Dreimal war Herzog
A.
verheirathet; zuerst 1607 mit Clara Marie, Tochter des
Herzogs Bogislav von Pommern, Wittwe des Herzogs Sigismund August
von Mecklenburg, geb. 10. Juli 1574,
† 16. Febr. 1623, dann im J. 1623
mit Dorothea, Tochter des Herzogs Rudolf von Anhalt-Zerbst, geb.
1607, † 26. Sept.
1634 und zuletzt am 13. Juli 1635 mit Sophia Elisabeth,
Tochter des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg, geb. 20. Aug. 1613, † 12.
Juli 1676 auf ihrem Wittwensitze zu Lüchow. Diese eiferte
ihrem Gemahl nach in der Liebe zur Kunst und Wissenschaft, war
erfahren in vielen Sprachen und ist als Componistin von
Kirchenmusiken, wie als Verfasserin verschiedener "Sing- und
Freudenspiele" z. B. der "Minervä-Banquett", "Ballet der Zeit" u.
s. w. nicht unbekannt. Die geistlichen Lieder ihres Stiefsohnes
Anton Ulrich versah sie mit zum Theil gelungenen, tief empfundenen
Melodieen. — Aus den beiden letzten Ehen hinterließ Herzog
A.
drei Söhne, Rudolf August, Anton Ulrich, welche ihm in
der Regierung folgten, und Ferdinand Albrecht, so wie drei
Töchter, Sibylle Ursula, vermählt mit Herzog Christian von
Holstein-Glücksburg, Clara Augusta, Gemahlin des Herzogs Friedrich
von Würtemberg, und Maria Elisabeth, vermählt mit Herzog Adolf
Wilhelm von Sachsen-Eisenach und darauf, nach dessen Tode mit
Herzog Albrecht von Sachsen-Coburg. Es existirt von Herzog
A.
eine große Zahl, zum Theil guter Portraits und
Abbildungen.
Literatur ↑
Vgl. Martin Gosky: Vita et fama Divi
Augusti. Fol. — Apfel, Herz. August der Jüngere, Herzog zu
Braunschweig und Lüneburg als Rector der Universitäten zu Rostock
und Tübingen. Wolfenbüttel 1854. 4. — Bethmann, Herzog August der
Jüngere, der Gründer der Wolfenbütteler Bibliothek. Wolfenbüttel
1863. 8.
Autor ↑
Spehr.
Empfohlene Zitierweise ↑
Spehr, „August der Jüngere“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
660-662
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118505076.html?anchor=adb