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August Friedrich >>
August Wilhelm
Herzog von Braunschweig und Lüneburg (Bevern), preußischer General,
* 10.10.1715 Braunschweig,
† 2.8.1781 Stettin. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Herzog Ernst Ferdinand von Braunschweig-Bevern;
M Eleonore Charlotte,
T Herzog Friedrich Kasimirs von Kurland.
Leben ↑
August Wilhelm nahm an den Feldzügen 1740-42 und 1744/45 teil und zeichnete sich in den Schlachten von Mollwitz, Chotusitz und Hohenfriedberg aus. 1743 wurde er Generalmajor, 1746 Kommandant, 1747 Gouverneur von Stettin und 1750 Generalleutnant. An den Schlachten von 1756/57 bei Lobositz, Prag, Kolin und Breslau hatte August Wilhelm wichtigen Anteil, handelte aber nach guten Vorschlägen (Prag, Kolin) nicht tatkräftig genug. Im Anschluß an den Rückzug aus Böhmen im August 1757 erhielt er nach dem Versagen des Prinzen von Preußen August Wilhelm (Bruder des Königs) den Oberbefehl über das Heer bei Görlitz und dadurch die schwierige, undankbare und kaum lösbare Aufgabe, die Mark mit Breslau, Sachsen und Schlesien gegen das überlegene österreichische Heer zu decken. Er ging von Görlitz auf Breslau zurück und geriet nach dem Verlust von Breslau in österreichische Gefangenschaft. Während dieser Gefangenschaft spielte er im Winter 1757/58 in der Wiener Gesellschaft eine glänzende Rolle. 1758 wurde er ausgetauscht. Als General der Infanterie führte er nach Abschluß des Waffenstillstandes mit den Russen am 16.5.1762 die in Pommern stehenden preußischen Truppen nach Schlesien und siegte am 11.8.1762 über Daun bei Reichenbach. Nach dem Krieg war er bis zu seinem Tode Gouverneur von Stettin. August Wilhelm war ein trefflicher Mensch, gelehrter Offizier, bedeutender Taktiker und vorzüglicher Ausbilder des Heeres. Von großer Tapferkeit, war er als Unterführer für eine bestimmte Aufgabe, als Befehlshaber eines Treffens oder Flügels sehr gut, zum Feldherrn fehlten ihm aber nach dem Urteil Friedrichs des Großen die Selbständigkeit des Entschlusses, die Kraft des Willens und der Mut zu großen Verantwortungen.
Literatur ↑
ADB I;
Priesdorff I, 1936, S. 293
(P).
Portraits ↑
im Schloß zu Braunschweig.
Autor ↑
Friedrich Stuhlmann Empfohlene Zitierweise ↑
Stuhlmann, Friedrich, „August Wilhelm“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
446
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd108425932.html
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August Wilhelm
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
August Wilhelm,
Herzog von
Braunschweig-Bevern, geb. 1715 in Braunschweig, † 11.
Aug. 1781, Ritter des schwarzen Adlerordens, war ein Sohn
des Herzogs Ernst Ferdinand, der preußischer General gewesen war.
— Bevern trat 1731 in preußischen Dienst, wurde in demselben Jahre
Capitän, 1734, wo er den Feldzug am Rhein im Gefolge des Königs
mitmachte, Major und 1739 Oberst und Commandeur des Regiments v.
Kalkstein. Er wurde bei Molwitz verwundet, zeichnete sich bei
Hohenfriedberg aus, war 1743 Generalmajor und 1760
Generallieutenant geworden. — Bevern war für seine Zeit ein
|gelehrter Officier, galt für einen großen Taktiker,
worunter man besondere Gewandtheit in der Entwickelung der
Marschcolonnen zum Aufmarsche und in allen Evolutionen der
damaligen Gefechtsordnung verstand. — Wie überall, zeigte Bevern
besonders auch bei Lowositz, wo er am linken Flügel commandirte
und den Angriff des Dorfes leitete, seltene Tapferkeit; er führte
1757 die Colonne, die über Reichenberg in Böhmen einrückte und
siegte dort in einem Gefechte über den österreichischen General
Königsegg. — Als am Morgen der Schlacht bei Prag — 6. Mai — der
Schlachtplan abgeändert wurde und deshalb auch die
Anmarsch-Ordnung geändert werden mußte — statt des rechten Flügels
sollte der linke angreifen — gab Bevern den Rath, den linken, an
der Queue der Marschcolonne marschirenden Flügel, zugweise an die
Tete zu nehmen, eine Operation, die seitdem in der preußischen
Armee üblich wurde. Während der Schlacht commandirte er im Centrum
und ging dann mit 20000 Mann dem österreichischen Heere, das unter
Daun heranrückte, bis über Kuttenberg entgegen. Zu schwach, um
eine Schlacht wagen zu können, wurde er, in der Flanke umgangen,
über Kuttenberg wieder zurückgedrängt, vereinigte sich mit den
Verstärkungen, die Friedrich II. und
Tresckow von Prag herführten, und nahm an der unglücklichen
Schlacht bei Collin —18. Juni — Theil, wo er im Centrum des ersten
Treffens unter Fürst Moritz von Dessau commandirte. Der König
hatte ihn gedrängt, über Czaslau vorzugehen, weil er Daun für
schwächer hielt und hatte Bevern Vorwürfe gemacht, weil er nicht
energischer vorgegangen sei. Aber Daun's Offensive, die er schon
am 12. ergriff, und die Niederlage von Collin rechtfertigten
Bevern's Handlungsweise. Als der Bruder des Königs, August
Wilhelm, nach dem unglücklichen Rückzuge aus Böhmen in die Lausitz
Krankheitshalber das Commando abgegeben hatte und der König den
Franzosen in Sachsen entgegenging, erhielt Bevern am 24. Aug.,
gegen seinen Wunsch und seine Vorstellungen, das Commando der
Armee, welche bei Görlitz zurückblieb, mit dem schwierigen
Auftrage, die Mark mit Berlin, Sachsen und Schlesien gegen das
überlegene österreichische Heer zu decken. Bevern erklärte dem
König, er sei einer solchen Aufgabe nicht gewachsen, aber er wurde
zum Selbstvertrauen ermahnt, gewarnt keinen Kriegsrath zu halten,
sondern eines Mannes Rath (hier Winterfeld) zu hören und
selbständig seine Entschlüsse zu fassen. Friedrich II. hatte erwartet, Prinz Karl von Lothringen
werde ihm mit einem Theil seiner Armee folgen; da dies nicht
geschah, wurde Bevern's Lage immer schwieriger. Dem überlegenen
Feinde gegenüber sollte er gute Posten wählen und so lange
behaupten, als Lebensmittel da seien, jedes engagement général sorgfältig vermeiden, wenn
er nicht den entschiedensten Vortheil auf seiner Seite habe, und
die Armee bis Ende Septembers erhalten. Sobald die Armee das Lager
bei Bernstädtl aus Mangel an Fourage verlassen müsse, solle sie
nach Görlitz gehen und dort im Lager an der Landskrone so lange
als möglich bleiben, vor allem sich nicht von Schlesien abdrängen
lassen und verhindern, daß Streifcorps in die Mark drängen.
Bevern's Armee war 43000 Mann stark; dennoch ging er gleich nach
Görlitz zurück und ließ Winterfeld, gegen seine bessere
Ueberzeugung, die exponirte Stellung bei Moys einnehmen.
Winterfeld wurde von Nadasdy am 7. Sept. angegriffen und blieb im
Gefechte. Daß Bevern ihn aus Rancune nicht unterstützt, in der
Hoffnung den lästigen Mentor so loszuwerden, ist eine Verläumdung
Retzow's, die dem offenen und redlichen Charakter Bevern's
widerspricht. Er selbst beklagt in seiner Rechtfertigungsschrift,
daß er von nun an Winterfeld's Rath habe entbehren müssen. Auf die
vielen Klagen Bevern's über die Schwierigkeit seiner Aufgabe und
über seine eigene Unzulänglichkeit, auf seine Bitten um nähere
Instruction, antwortete der König, er könne ihm nicht aus weiter
Ferne Vorschriften geben, er müsse selbst sehen, urtheilen,
|handeln; dagegen wurde ihm die Deckung der Mark und
Sachsens nicht mehr zur Pflicht gemacht.
Auf des Intendanten, General Golz', Rath ging Bevern aus
Verpflegungsrücksichten nach Liegnitz, statt nach Löwenberg, blieb
wieder auf Golz' Rath zu lange bei Liegnitz unthätig stehen, so
daß Prinz Karl von Lothringen sich zwischen ihn und Breslau schob.
Den trefflich ausgeführten Rückzug auf das rechte Oderufer und
durch Breslau hatte er, ohne seine Umgebung um Rath zu fragen,
beschlossen und befohlen. Im Lager an der Löhe (linkes Oderufer)
stand er wieder unthätig und erwartete die Erlaubniß zum Angriff;
als sie endlich eingetroffen, griff er doch nicht an. So fiel
Schweidnitz und Nadasdy konnte mit 25000 Mann den Prinzen Karl
unterstützen; die Möglichkeit erfolgreicher Angriffe war
vorübergegangen. Bei seiner weit ausgedehnten, dominirten Stellung
und bei der Verzettelung seiner Cavallerie mußte er geschlagen
werden, sobald der an Zahl weit überlegene Prinz Karl den Angriff
wagte. Bevern's Plan, die am 22. Nov. verlorene Schlacht bei
Breslau durch einen nächtlichen Angriff wiederherzustellen, war
unausführbar, um so mehr, da der größte Theil seines Heeres ohne
sein Wissen und Willen vom Schlachtfelde abgerückt war. Am
folgenden Morgen wurde Bevern durch eigene Unvorsichtigkeit
gefangen. Breslau capitulirte schmachvoll und auf dem Rückzuge
nach Glogau desertirte ein großer Theil der Armee. Mit Recht
trifft Bevern der Tadel, den Friedrich II.
in der Histoire de la guerre de sept ans
über ihn ausspricht; er war ein trefflicher Mensch, unterrichteter
Officier, von seltener Bravour, und ausgezeichneter Führer eines
Treffens oder Flügels, aber zum Feldherrn fehlte ihm die
Selbständigkeit des Geistes und die Kraft des Willens, und daß er
das fühlte, lähmte ihn noch mehr.
1758 wieder ausgelöst, schickte ihn der König als Commandanten
nach Stettin; er wurde 1759 General der Infanterie, schloß 16. Mai
1762 den Waffenstillstand mit den Russen, übernahm dann das
Commando der pommerschen Truppen, führte sie nach Schlesien und
siegte am 11. Aug. bei Reichenbach über Daun. Daun erhielt er den
Befehl über alle in Schlesien und der Lausitz stehende
Truppen.
Nach dem Hubertusburger Frieden ging Bevern nach Stettin
zurück, wo er gestorben ist.
Autor ↑
v. Meerheimb.
Empfohlene Zitierweise ↑
Meerheimb, von, „August Wilhelm“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
665-667
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd108425932.html?anchor=adb