<< Ackermann, Rudolf
Ackermann, Hans >>
Ackermann, Wilhelm Heinrich
Pädagoge,
* 25.6.1789 Auerbach (Vogtland),
† 27.3.1848 Frankfurt/Main (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Wilhelm Ackermann (1758–1825), 1787-1825 Oberpfarrer in Auerbach, als Schulinspektor auf pädagogischem und sozialem Gebiet verdient;
M Christiane Henriette,
T des Ratsmaurermeisters Döring in Leipzig;
Gvv Barthel Ackermann, Sattlermeister in Stollberg, dann Gutspächter in Bärenstein (s. Genealogie 1);
Ov Rudolf Ackermann (s. 1); - ledig;
N Karl Gustav Ackermann (
* 10.4.1820 Elsterberg im Vogtland,
† 1.3.1901 Dresden), Rechtsanwalt, sächsischer Geheimrat, 2. Vizepräsident des Reichstags 1880–83, Präsident der Zweiten Ständekammer 1891–98, Albin Ackermann (1826–1903) Mitinhaber des Verlags B. G. Teubner, Mitbegründer des Deutschen Buchdruckervereins.
Leben ↑
Mit einigen seiner Erziehung anvertrauten jungen Engländern hielt sich Ackermann von Oktober 1811 bis März 1813 bei Pestalozzi in Iferten auf und vertauschte daraufhin das theologische Studium mit dem pädagogischen. An den Freiheitskriegen nahm er als Lützower Jäger teil. Nach Friedensschluß war er zunächst für seinen Onkel Rudolf Ackermann in London kaufmännisch tätig. Auseinandersetzungen mit dem englischen Pädagogen A. Bell (mit J. Lancaster der Begründer des so genannten wechselseitigen Unterrichts) veranlaßten Ackermann zu einem zweiten Aufenthalt bei Pestalozzi vom Sommer 1815 bis September 1817. Fortan widmete er sich der Verbreitung der Pestalozzischen Methode („Erinnerungen aus meinem Leben bei Pestalozzi“, 1846). In der Schule von de Laspée in Wiesbaden, seit 1819 am neugegründeten Institut von Bunsen in Frankfurt, seit Sommer 1820 als ordentlicher Lehrer an der Musterschule zu Frankfurt/Main, entfaltete Ackermann eine äußerst erfolgreiche Lehrtätigkeit. Von ihm stammen die Nachrichten über Th. Körners Tod („Erinnerungen eines Lützower Jägers aus der Lüneburger Heide an die Befreiungskriege 1813/14“, 1847).
|Literatur ↑
ADB I;
H. Grosse, W. H.
A., in:
Dt. Bll. f. erziehenden Unterricht 10, 1883, u. in: Pestalozzi-
Stud. 8, 1903;
G. K. Barth, Der Lützower u. Pestalozzianer W. H.
A. aus Auerbach
i. V., 1913
(P);
Pestalozzi u. Frankfurt,
Gedenkschr., 1927;
A. Schönebaum, Pestalozzi, Ernte u. Ausklang, 1942;
zum V Wilhelm A.: E. R. Freitag,
Mag. W.
A., in:
Mitt. d.
Altertumsver. Plauen 24, 1913, S. 117-34.
Autor ↑
Josef DolchEmpfohlene Zitierweise ↑
Dolch, Josef, „Ackermann, Wilhelm Heinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
36-37
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116006102.html
<< Ackermann, Hans
Ackermann, Jacob Fidelis >>
Ackermann, Wilhelm Heinrich
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Ackermann: Wilhelm
Heinrich
A.
, Schulmann; zu Auerbach im sächs. Voigtland, wo
sein Vater Oberpfarrer war, geb. 25. Juni
1789, † 27. März 1848. Von
seinen zwei Brüdern ward der eine Appellationsrath in Dresden, der
andere Pfarrer in Syrau. Erst vom Vater, dann auf dem Gothaer
Gymnasium vorbereitet, studirte er seit 1807 zu Leipzig Theologie.
Indem er zugleich Unterricht ertheilte, erkannte er darin so sehr
seinen Beruf, daß er 1811 durch seinen zu London als Kaufmann
ansässigen Vaterbruder Rudolph
A.
bewogen, die Erziehung einiger jungen Engländer
übernahm und sich mit ihnen 2 Jahre bei Pestalozzi zu Ifferten
aufhielt, lehrend und "vom genialen, an Geistesblicken
unerschöpflichen Alten täglich lernend". 1813 trieb ihn die
Begeisterung für die Befreiung des Vaterlandes in das Lützow'sche
Corps. Er zeichnete sich durch Umsicht aus, ward Oberjäger und am
26. Aug. Officier. Am selben Tage fiel Theod. Körner;
A.
, Förster, Thümmel und Nostiz gruben dem Freunde unter
der Eiche bei Wöbbelin das Grab; der spätere Geh. Medicinalrath
Stiebel zu Frankfurt a. M. führte den Trauerzug. Im Kampf an der
Göhrde, 16. Sept., eroberte
A.
eine Kanone und erhielt dafür das eiserne Kreuz. Er
begleitete das Corps bis Paris. Nach geschlossenem Frieden führte
er bei seinem Oheim Rudolf
A.
(s. d.) in London die Correspondenz zweier
Hülfsgesellschaften, für die er im Winter 1814 nach Deutschland
reiste. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch das Körner'sche
Haus in Dresden, wo Theodor's kurz hernach gestorbene Schwester
durch ihre hohe Begabung und ihr begeistertes Wesen einen tiefen
Eindruck auf ihn machte. In London verkehrte
A.
mit dem bekannten Dr. Bell,
dessen Mechanismus und passives Gedächtnißwerk sich ihm im
schroffsten Gegensatze zu Pestalozzi's Entwickeln des jungen
Geistes darstellte. 1815 zog
A.
abermals mit fünf Zöglingen nach Ifferten. Dr. Bell kam nachgereist; aber der von sich
eingenommene Mann blieb trotz aller Beweise Pestalozzi's und
Ackermann's bei seinem System. Von 1817 an ist
A.
mit seinen Zöglingen theils auf Reisen, theils an
befreundeten Erziehungsinstituten; 1819 kam er nach Frankfurt a.
M.; von seinen alten Kampfgenossen aufs Herzlichste empfangen,
entschloß er sich daselbst zur Annahme einer ordentl. Lehrerstelle
an der Musterschule (4. Juli 1820), deren Zierde er auf lange Zeit
ward. Von hohem Wuchse, schlank, fast hager, trug er das Gepräge
von Ernst und Liebe, einfach in seiner ganzen Lebensweise, ein
abgesagter Feind alles äußern Schein-Glanzes. Der Umgang mit der
Jugend war ihm Freude und Bedürfniß. Mit seltenem Geschick wußte
er aus seinem reichen Wissensschatz das jedesmal Zweckmäßige
herauszufinden. Mit seinem, von klangvoller Stimme getragenen
würde- und liebevollen Lehrton, mit seinem edlen Charakter, der
den Schülern überall als Muster vorleuchtete, war er ein echter
Jünger Pestalozzi's. Eine ganze Generation führte er vom Eintritt
in die Schule bis zum Abgang von derselben und blieb dann,
vorzugsweise mit Geschichte und deutscher Sprache beschäftigt, in
den oberen Classen der Knaben- und Mädchenschule. —
A.
blieb unverheirathet, "die Schule blieb seine Braut
und mit der Liebe eines Bräutigams hing er an ihr, lebte nur für
sie". — Als durch die Bundesbeschlüsse vom 28. Juni 1832 die
religiöse und politische Freiheit in hohem Grade beschränkt
|ward, trat
A.
mannhaft für sie ein. Bis zu Ende des Jahres 1847
blieb er, obwol schon seit Jahren mit heftigen und zunehmenden
Brustbeschwerden behaftet, in seinem Beruf; dann ward er, kurz vor
seinem Tode, pensionirt. Den Sterbenden erreichte noch die Kunde
von der Erhebung des deutschen Volkes; noch sah er die Stadt im
Festschmuck der schwarz-roth-goldenen Fahnen. Der unabsehbare
Trauerzug, welcher ihn in den Tagen des Vorparlaments zum Grabe
geleitete, wo der treue Jugendfreund Stiebel ihm die Grabrede
hielt, bekundete die hohe und allseitige Verehrung der Stadt. —
Geschrieben hat er: "Erinnerungen aus meinem Leben bei Pestalozzi"
und "Erinnerungen aus den Freiheitskriegen"; ein ungedrucktes
Tagebuch soll sich in der Pfarre in Syrau befinden.
Autor ↑
Wiederhold.
Empfohlene Zitierweise ↑
Wiederhold, „Ackermann, Wilhelm Heinrich“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
35-36
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116006102.html?anchor=adb
Ackermann, Heinrich
Name: Ackermann, Heinrich
Namensvariante: Ackermann, Wilhelm Heinrich
Lebensdaten: 1789 bis 1848
Geburtsort: Auerbach (Vogtland)
Sterbeort: Frankfurt/Main
Beruf/Lebensstellung: Pädagoge
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Dolch, JosefAutor ADB:
WiederholdPND: 116006102