<< Arminius der Cherusker
Arn >>
Arn (Arno, Aquila)
erster Erzbischof von Salzburg,
* (nach Hauck) spätestens 746,
† 24.1.821.
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Leben ↑
Aus vornehmer bayerischer Familie, wahrscheinlich der Prisingen (Preysing) stammend und damit dem alten Adelsgeschlecht der Fagana nahestehend, wurde Arn in der Diözese Freising geboren und erzogen. In Freisinger Urkunden 765 als Diakon, 776 als Presbyter genannt, verließ er bald darauf Bayern und ging in das belgische Kloster Elnon (
St. Amand), dessen Abt er 782 wurde und dessen Leitung er beibehielt, als er 785 zum Bischof von Salzburg erhoben wurde. In
St. Amand gewann er Fühlung mit den Hofkreisen um Karl, besonders mit Alcuin und Angilbert, aber auch mit Karl selbst, dessen Einfluß er wohl die Erhebung auf den Salzburger Stuhl verdankte. Gerade wegen seiner fränkischen Beziehungen und Sympathien dürfte Herzog Tassilo ihn und Abt Hunrich von Mondsee 787 beauftragt haben, in Rom die Vermittlung des Papstes zu Verhandlungen mit dem damals in Rom weilenden Karl zu erbitten. Seine Mission verlief erfolglos, weil Tassilo ihn nicht bevollmächtigt hatte, bindende Abmachungen einzugehen. Nach dem Sturz Tassilos (788) wirkte er, seit 798 Erzbischof der neu geschaffenen Salzburger Kirchenprovinz, für die reibungslose Eingliederung Bayerns und der bayerischen Kirche in das fränkische Reich, trug auf mehreren Synoden Sorge für die Durchführung der Kirchenpolitik Karls in Bayern,
d. h. Vereinheitlichung von Liturgie und kirchlichem Recht nach römischen Muster und für sittliche und geistige Bildung des Klerus. Nach der Niederwerfung des Avarenreiches dehnte er die Salzburger Missionstätigkeit im Südosten auf das Gebiet zwischen Drau, Donau und Raab aus, während Passau und Aquileja nördlich und südlich davon wirkten. Dabei bewährte sich seine Freundschaft mit Alcuin, dessen Richtlinien für die Missionsmethode Arn wie Paulinus von Aquileja als maßgebend anerkannten. Die in der Sachsenmission so häufigen Gewaltsamkeiten wurden daher im Südosten im wesentlichen vermieden. Für Schule und Bibliothek in Salzburg sorgte er, indem er Schüler Alcuins (Wizo) als Lehrer heranzog und mehr als 150 Bücher herstellen ließ. Auf seinen Befehl wurde die Notitia Arnonis, ein Besitzverzeichnis der Salzburger Kirche, angelegt, das später durch historische Notizen erweitert wurde (Breves notitiae), dazu eine Sammlung von Briefen Alcuins und ein Annalenwerk, das leider nur in späteren Ableitungen erhalten ist. Gegen Ende seiner Regierung hatte er im Auftrag Ludwigs des Frommen die Aachener Kanonissenregel von 817 in Bayern durchzuführen. Politisch diente er Karl dem Großen als Königsbote in Bayern, aber auch in auswärtigen Missionen. So gehörte er zu der Kommission, die 799 die gegen den Papst Leo III. erhobenen Anklagen in Rom zu untersuchen hatte, und auch während des Abschlusses des Papstprozesses und der Kaiserkrönung im Jahr 800 war er in Rom an
|wesend. 811 unterschrieb er an dritter Stelle das Testament Karls des Großen. Eine allseitig veranlagte Natur, von Alcuin gelobt wegen seiner geistigen Regsamkeit, dabei ein Mann von selbständigem Denken und großen Verdiensten um die geistige und religiöse Entwicklung seiner Kirche, war er doch in weit höherem Maße als Alcuin ein Staatsmann, der die beherrschenden Tendenzen seiner Zeit auf allen Lebensgebieten verkörperte. Seine besonderen Leistungen liegen in der Südostmission und seiner Mitarbeit an der Überführung Bayerns in die größere Gemeinschaft des karolingischen Reiches, die er jedoch so zu gestalten wußte, daß die innere Geschlossenheit des bayerischen Stammes und seiner kirchlichen Organisation bewahrt blieb.
Literatur ↑
ADB I;
A. Huber, Üb. d. Vorleben
A.s, ersten
EB v. Salzburg, in:
AOeG 47, 1871; R. Schröder,
A.,
EB v. Salzburg u. d. Urkundenwesen seiner Zeit, in: Neue Heidelberger
Jbb., 1892; H. Widmann,
Gesch. Salzburgs I, 1907;
Hauck II; E. Klebel, Eine neu aufgefundene Salzburger Gesch.qu., in:
Mitt. d.
Ges. f. Salzburger
Landeskde. 61, 1921; H. Breßlau, Die ältere Salzburger Annalistik, in:
Abhh. d.
Ak. Berlin,
phil.-
hist. Klasse, 1923,
Nr. 2; S. Riezler,
Gesch. Baierns I/1,
21927;
A. Jaksch,
Gesch. Kärntens bis 1335,
Bd. 1, 1928; J. Sturm, Die Anfänge d. Hauses Preysing, 1931; H. Löwe, Die
karoling. Reichsgründung u. d.
dt. Südosten, 1937; R. Bauerreiß,
Kirchengesch. Bayerns I, 1949; G. Demmelbauer,
A., der erste
EB v. Salzburg,
Diss. Wien 1950
(ungedr.).
Autor ↑
Heinz LöweEmpfohlene Zitierweise ↑
Löwe, Heinz, „Arn“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
355 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100936768.html
<< Arnisaeus, Henning
Arno >>
Arno von Salzburg
Leben
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Leben ↑
Arno von
Salzburg,
Erzbischof (785—821). Wahrscheinlich im Sprengel des Bisthums
Freising geboren, wo er im J. 765 Diaconus, 776 Presbyter war,
empfing er am 26. Mai 782 die Weihe als Abt von Elnon im Hennegau
und trat während seines dortigen Aufenthaltes in engen
freundschaftlichen Verkehr mit Alkuin, dessen Leitung eben damals
zwei andere fränkische Klöster übertragen wurden. Nach dem im J.
784 erfolgten Tode des Bischofs Virgilius von Salzburg, der sich
stets als geborner Schotte im Gegensatze zur römischkatholischen
und fränkischen Kirchenordnung gehalten hatte, wurde
A.
dessen Nachfolger und am 11. Juni 785 als solcher
geweiht. Sein Landesherzog Tassilo, dessen Stellung zu Karl dem
Großen sich damals immer übler gestaltete, machte Gewicht darauf
legen, einen mit den fränkischen Verhältnissen so vertrauten
Baiern auf diesem Posten zu sehen. Er entsendete ihn mit dem Abte
von Monsre nach Rom (Ostern 787), als offener Krieg mit dem
Frankenreiche drohte. Daß
A.
hier das Interesse seines Herzogs genügend gewahrt
habe, wird von Neueren (Giesebrecht, "Fränkische Königsannalen
15") bezweifelt. Gewiß ist, daß die Gesandten sich nicht für
befugt hielten, auf Grund der von Karl in Rom aufgestellten
Unterwerfungsbedingungen für Tassilo anzunehmen; vergeblich suchte
auch Papst Hadrian I. von dem Herzoge die
Annahme durch den Kirchenbann zu erzwingen. Die Gesandten nahmen
jedoch von dem Papste den
feinlichen Auftrag an, Tassilo zu beschwören, daß er nichts
Anderes thun, als dem Herrn König Karl und dessen Söhnen und dem
Volke der Franken in Allem zu gehorsamen, damit es nicht zu
Blutvergießen komme. Da nun trotzdem Tassilo sich erst unterwarf,
als die Frankenheere an seinen Landesgrenzen standen, dann aber,
wegen Bruches des eben geleisteten Huldigungseides durch Berufung
der Avaren, auf dem Ingelheimer Reichstage abgesetzt wurde (788),
so schloß sich
A.
der fränkischen Regierung nur inniger an und gewann
deren Förderung für seine Kirche.
Sofort (noch 788 oder 789) ließ er mit Erlaubniß "des frömmsten
Königs, Herrn Karl", nach Zeugenaussagen aufzeichnen, was von
herzoglichem Gute oder unter herzoglicher Genehmigung an dieselbe
gekommen war ("Indiculus Arnonis ed.
Keinz", München 1869, ergänzt von Wattenbach, Heidelberger
Jahrb. 1870, S. 20 ff.) Wahrscheinlich veranlaßte er auch die
gleich jener Aufzeichnung nur in jüngeren Abschriften erhaltene
Sammlung aller bis auf seine Zeit an die Salzburger Kirche
gemachten Schenkungen ("Breves notitiae",
von Keinz a. a. O. ebenfalls neu edirt). An litterarischer
Thätigkeit fand er überhaupt Gefallen, obwol der einzige von ihm
erhaltene Brief in durchaus barbarischem Latein geschrieben ist;
doch bezeugt seinen litterarischen Sinn auch ein von ihm
veranlaßtes Formelbuch, welches Rockinger ("Quellen und
Erörterungen zur bair. und deutschen Geschichte, Bd. VII. ") herausgegeben hat. Wichtig würde aber
sein, wenn die von Giesebrecht (a. a. O. 13) aufgestellte
Vermuthung sich bestätigte, daß er der Verfasser des ältesten
Theiles der fränkischen Königsannalen sei. welcher vom Tode Karl
Martell's (741) bis zum Ausgange der Macht Tassilo's reicht; in
dem Werke findet sich innerhalb dieser bedeutsamen Grenzen
besonders Baiern berücksichtigt, warme Bewunderung Karls des
Großen und Erbitterung gegen die Herzogin Liutberga, welche
Tassilo's Mißachtung versöhnlicher Rath schläge und dadurch seinen
Sturz veranlaßt hatte. Wenn
A.
wirklich der Verfasser ist, so hat man in ihm auch den
ersten zu ehren, welcher unserer Sprache und damit unserm Volte
den entscheidenden Namen deutsch gegeben hat (theodisca lingua); es findet sich dieses Wort
im Gegensatze zur lateinischen Amtssprache angewendet, um
Tassilo's Verbrechen (Herislitz) gegen das Frankenreich technisch
zu bezeichnen.
Mit der Erweiterung dieses Reiches nach Südosten durch die
Besiegung der Avaren (791 und 795) entstand für
A.
ein neues Bindemittel an die Geschicke desselben, um
so mehr als die befriedigende Ordnung der nächsten germanischen
Nachbarprovinz, eben Baierns, für Karls des Großen Politik von
dringendstem Interesse war. Nachdem die politische Organisation
wunderbar und vollständig in jeder Beziehung, mindestens nach des
Papstes Ansicht, von Karl vollbracht war, schloß Leo III. am 20. April 798 das bairische Gebiet
auch kirchlich ab durch Erhebung Salzburgs zur Metropole und
seines Bischofs zum Erzbischof. Das karantanische Land bis zur
Traumündung und das übrige alte Unterpannonien östlich von der
Raab fiel ebenfalls Arno's geistlicher Thätigkeit zu. Als Zeichen
besonderer Gnade des Papstes empfing er mit der erzbischöstichen
Würde die in späteren Zeiten als Ausstattung derselben angesehene
Auszeichnung des Palliums.
Einen unmittelbaren Anlaß seiner Begünstigung hatte aber
A.
dem Papste gegeben, indem er 797 im königlichen
Auftrage in Rom erschien, um Entscheidungen über die Stellung der
Chorbischöfe, über Untheilbarkeit des bischöflichen Besitzes und
eventuelles bischöfliches Proceßverfahren von dem Papste zu
verlangen (Roth, Feudalität 110), namentlich aber um
Mißhelligkeiten desselben mit römischen Familien zu
beseitigen.
Nach seiner Rückkehr (nach 798 oder 799) findet man ihn zum
ersten Male
|an der Seite des Statthalters (Präfecten)
von Baiern und Markgrafen Gerold kirchlich-politische Functionen
üben. Beide stellten, nachdem
A.
die Bekehrung Karantaniens eine Zeit lang selbst
weiter geführt hatte, den dortigen Großen und dem Volke als ihrem
zukünftigen geistlichen Leiter den Landbischof Deoderich vor. Die
Ideen aber, welche der Erzbischof über das Amt der Missi als
Aussichtsbeamten gewonnen hatte, theilte er Alkuin mit, der ihnen
am Hofe Eingang zu verschaffen suchte. In der That findet man
unsern
A.
unter den Ersternannten nach der Reorganisation dieses
Amtes und von 802—806 wiederholt in der entsprechenden Thätigkeit.
Die Gunst Karls des Großen, in dessen vertrautem litterarischen
Kreise er Aquila hieß, blieb ihm wol bis zu dessen Tode: an
dritter Stille erscheint er unter seinen Testamentszeugen. Von
seinen Beziehungen zu Ludwig dem Frommen kennt man nur einen, auch
ihm zugekommenen kleinlichen Befehl wegen Einführung gemeinsamen
kanonischen Lebens bei der Stiftsgeistlichkeit.
Von Arno's Wirksamkeit in seinem Kirchensprengel geben uns zum
Theile Akten von Synoden Kunde, die er in Reispach (wol 799),
Freising und Salzburg hielt, um den Gottesdienst und das Leben der
Geistlichkeit bis in alle entsprechenden Einzelheiten zu regeln,
die Würde derselben durch Fernhalten Unfreier aus ihrem Stande zu
erhalten. Mindestens in seine Zeit (Januar 807) fällt auch eine
Vereinbarung der bairischen Bischöfe und Aebte und des niedern
Klerus über den Zehnten.
Mit seinen Nachbaren scheint
A.
, der wegen seiner Zurückhaltung einmal von Alkuin
freundlich getadelt wird, immer gute Beziehungen erhalten zu
haben. Hur mit Aquileja erhob sich nach dem Tode des gefeierten
und auch ihm wie Alkuin nahe befreundeten Patriarchen Paulinus
(802) mit dessen beiden Nachfolgern ein Grenzstreit in Kärnthen,
den Karl der Große bei persönlicher Anwesenheit der beiden
Metropoliten an seinem Hofe (811) schlichtete, indem er die Trau
als Grenze bestimmte. Er starb am 24. Januar 821.
In Salzburg nannte man
A.
neben dem Gründer des Stiftes, dem heil. Rupert. Dort
wie in Elnon hielt man sein Andenken in hohen Ehren.
Literatur ↑
S. Arno's Leben von Zeißberg, in den Sitzungsberichten der
Wiener Akad. 1863. Bd. XXXXIII.
Autor ↑
Büdinger.
Empfohlene Zitierweise ↑
Büdinger, Max, „Arno von Salzburg“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
575-577 unter Arno
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd100936768.html?anchor=adb