<< Armbruster, Johann Michael
Arn >>
Arminius der Cherusker
* 17 oder 16
v. Chr.,
† 21
n. Chr.
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Segimer;
⚭ Thusnelda,
T des Segest;
S Thumelicus.
Leben ↑
Arminius entstammte einem der vornehmsten cheruskischen Adelsgeschlechter. Wahrscheinlich nahm er an den Orientfeldzügen der Jahre 1-3 im römischen Heer teil. Er erhielt das römische Bürgerrecht, wurde römischer Ritter und Offizier. Als römischer Bürger trug Arminius den Namen Gaius Julius Arminius; Gaius Julius war der Vor- und Familienname des Kaisers Augustus; die Bedeutung des Zunamens Arminius ist bis heute noch nicht ermittelt, mit dem Germanischen hängt er kaum, mit Hermann bestimmt nicht zusammen, auch eine Beziehung der römischen Gens Arminia oder zu den Feldzügen des Arminius in Armenien ist umstritten. - Arminius diente im Heer des Tiberius, der im Jahre 4 und 5 die römische Grenze in Deutschland bis zur Elbe vorschob. Der zum Statthalter ernannte P.
Qu. Varus führte hier römisches Steuerwesen und Recht ein; dies erbitterte die Germanen, doch gab es unter ihnen auch Römerfreunde; einer der eifrigsten war der Cherusker Segest. Arminius stand an der Spitze der cheruskischen Hilfstruppen im römischen Heer. Im Jahre 9 lockte er Varus mit drei Legionen in einen Hinterhalt und vernichtete das römische Heer fast ganz. Die Ortsbestimmung der „Schlacht im Teutoburger Wald“ ist bis heute nicht geglückt. Die Germanen vertrieben die römischen Besatzungen aus den Kastellen am rechten Rheinufer. Erst nach dem Tod des Augustus griffen römische Truppen unter Germanicus, dem Neffen des Kaisers Tiberius, wieder das freie Germanien an. Arminius hatte Segests Tochter Thusnelda mit ihrer Einwilligung dem Vater entführt und geehelicht. Segest bekam sie im Jahre 15 wieder
|in seine Gewalt und rief, als ihn in seiner Burg (wohl die spätere Eresburg/Diemel) Arminius belagerte, Germanicus zu Hilfe. Die Belagerer wurden zersprengt, Thusnelda, die ein Kind erwartete, fiel in römische Hände und wurde in die Gefangenschaft nach Italien geführt, in der sie später mit ihrem Sohn Thumelicus starb. Der erbitterte Arminius organisierte erneut den Widerstand gegen die Römer und schlug sich im Jahre 15 und 16 in verschiedenen Schlachten mit ihnen ohne Entscheidung, doch beschränkte sich von da ab Tiberius auf die Sicherung der Rheingrenze. 17 kam es zu Kämpfen zwischen einem unter Führung des Arminius stehenden Bund und dem Markomannenkönig Marbod, der sich nach einer unentschiedenen Schlacht nach Böhmen zurückzog. Arminius wurde 21
n. Chr., angeblich weil er die Königsherrschaft erstrebte, von Angehörigen der eigenen Sippe ermordet. Von den bei Tacitus erwähnten Arminiusliedern ist nichts bekannt, wahrscheinlich handelte es sich um genealogische Merklieder mit knapper Lebens- und Tatenskizze oder um Preislieder. - Die Feldherrnkunst des Arminius hatte den Römern die Kriegführung in Germanien derart erschwert, daß sie die Eroberung des als arm und unwirtlich verrufenen Landes aufgaben. In diesem Sinne ist er der „Befreier Germaniens“, wie Tacitus ihn nennt, geworden und hat damit weltgeschichtliche Bedeutung erlangt.
Literatur ↑
ADB I;
A. Pauly-G. Wissowa, Realenc. d.
klass. Altertumswiss. II, 1896;
F. Koepp.
F z. Varusschlacht, in: Detmolder
Festschr., 1925, S. 180 ff.;
ders., Die Römer in
Dtld.,
31926, S. 22 f.;
W. Capelle, Das alte Germanien,
Nachrr. d.
griech. u.
röm. Schriftsteller, 1929;
H. Aubin,
A., in:
Gr. Deutsche I, 1935;
E. Kornemann, Gestalten u. Reiche, 1943, S. 274-303;
E. Hohl, Zur
Lebensgesch. d. Siegers im Teutoburger Wald, in:
HZ 167, 1943, H. 1, S. 457 ff.;
ders., Neues
v. A., in: Antike, alte Sprachen u.
dt. Bildung, 1943, H. 2, S. 49 ff.;
ders., Ein
unbek. Kapitel aus d.
Biogr. d.
A., in:
FF,
Jg. 20, 1944,
Nr. 25;
gegen Hohls Hypothesen: W. Enßlin, Arminius-Armenius?, in: Das Gymnasium, 1943/44, H. 1/2, S. 64 ff.;
E. Bickel, Arminiusbiogr. u. Sagensigfrid, 1949;
F. Langewiesche, Teutoburg-F auf neuer Grundlage, in: Germania 28, 1949/50, S. 50 bis 54;
W. John, Die Örtlichkeit d. Varusschlacht bei Tacitus, 1950.
Autor ↑
Johannes BühlerEmpfohlene Zitierweise ↑
Bühler, Johannes, „Arminius der Cherusker“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
354-355
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118504037.html
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Arminensis >>
Arminius
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Arminius stammte aus dem königlichen d. h.
dem vornehmsten Hause der Cherusker, aus dem die Führer (duces) gewählt zu werden pflegten. Die
Cherusker hatten jedoch damals keinen König, bildeten auch keinen
einheitlichen Staat, die einzelnen pagi
gingen auch zu Armin's Zeit wiederholt verschiedene Wege.
Armin's Vater hieß Segimer, ein Bruder Flavius, ein Onkel
Inguiomer. Seine Gattin war Thusnelda, die Tochter des Segest,
eines Cheruskerfürsten wie Armin's Vater. Segest hatte sie einem
anderen verlobt, aber
A.
entführte sie. Segest war eifriger Freund der Römer,
doch ist nicht zu sagen, ob der politische Gegensatz den
Familienzwist oder umgekehrt der Familienzwist den Politischen
Gegensatz veranlaßte. Noch ehe Thusnelda ihren ersten Sohn
Thumelicus geboren hatte, lieferte sie ihr Vater 15 n. Chr. in die
Gewalt der Römer. Der Sohn wurde in der Gefangenschaft geboren, in
Ravenna erzogen und 26. Mai 17 als zweijähriger Knabe bei dem
Triumphzuge des Germanicus durch die Straßen Roms geschleppt.
Ueber seine späteren Schicksale hatte Tacitus in den verlorenen
Büchern der Annalen berichtet, jetzt bleibt uns nur eine frühere
Andeutung über schimpfliche Behandlung, die er erlitt. Dies hat
die Veranlassung gegeben zu Halm's "Fechter von Ravenna" (der
übrigens völlig freie Dichtung ist). Daß
A.
in früher Jugend nach Rom kam, ist unbegründete
Vermuthung, doch gewann er das römische Bürgerrecht und die
römische Ritterwürde, Ehrenbezeugungen, die er wol hervorragender
Tapferkeit im römischen Dienst, wahrscheinlich auf dem Feldzuge
des Tiberius zur Unterdrückung des pannonischen Aufstandes dankte
und durch die man vielleicht den angesehenen, viel versprechenden
Jüngling an Rom zu fesseln hoffte. Wie dem auch sei, jedenfalls
hatte
A.
im römischen Heere gefochten, kannte römische
Kriegskunst und führte im Jahre 9 n. Chr. eine Schaar germanischer
Hülfstruppen im Heere des Varus. Was ihn auch abhielt, gleich so
manchen anderen in diesem Dienste aufzugehen, waren es zufällige
Erfahrungen, persönliche Wünsche, war es ein besonders tiefes
Gefühl von dem Segen der herabströmt auf den Menschen aus der
treuen Bewahrung vaterländischer Art, war es ein besonders
scharfer Blick für die schlimmen Schäden römischen Wesens, welche
der Glanz einer ungleich höheren Cultur nicht heilen sondern nur
verdecken konnte — genug
A.
faßte den Plan, sein Vaterland von der Herrschaft der
Römer zu befreien und führte ihn aus durch den Sieg über Varus und
die Kämpfe gegen Germanicus. Bald nach der Schlacht im Teutoburger
Walde erschienen zahlreiche Werke (Vell. Pat.
II. 119), welche den Römern ausführlich schilderten, wie es
hergegangen war bei Varus Tod — doch scheinen sie sich mehr
|bemüht zu haben, den Unfall auf die grenzenlose Thorheit
des Varus zurückzuführen, damit der Ruhm der römischen
Unbesiegbarkeit möglichst wenig gemindert werde, und packende
Bilder von der trunkenen Grausamkeit der Germanen nach dem Siege
zu geben, als eine wirklich zusammenhängende Darstellung.
Wenigstens lassen die Angaben, welche in die zusammenfassenden
Geschichtswerke übergegangen und uns erhalten sind, tiefes Dunkel
über die wichtigsten Punkte. Es wird erzählt, daß Varus die
Deutschen durch vorschnelle Einführung römischer Rechts- und
Verwaltungsformen reizte, doch bleiben wir völlig ungewiß, wie
stark die Wirkung solcher Verstimmung war: ungewiß bleiben wir
auch über die Vorbereitungen, die
A.
traf, über die Weite und Bestimmtheit seiner Pläne, ja
endlich selbst über die Stellung, die der erst 25jährige Mann den
am Aufstand betheiligten Völkerschaften und ihren Fürsten
gegenüber einnahm.
Das aber ist sicher, daß nur einige Völkerschaften, etwa die,
welche später unter dem Gesammtnamen der Sachsen erscheinen, an
dem Aufstande Theil hatten. Die Friesen im Nordwesten, die Sueben
und Marcomannen im Süden und Osten hielten sich fern und auch
unter den Cheruskern, selbst unter den Verwandten Armin's waren
mehrere römisch gesinnt. Vielleicht schon damals der Bruder
Armin's, der wenigstens 5 Jahre später im Heere des Germanicus
gegen
A.
stritt. Der Vater Armin's, Segimer, wird von Strabo
als einer der vorzüglichsten Leiter des Aufstandes genannt,
dagegen ist es zweifelhaft, ob der angesehene Oheim Armin's,
Inguiomer, Theil nahm, da Tacitus (I. 60)
bei den späteren Kämpfen ausdrücklich bemerkt, daß er, der seit
lange bei den Römern in Ansehen stand, von
A.
zum Kampf mit fortgerissen sei. Segest endlich
versuchte die äußersten Mittel, um den Aufstand unmöglich zu
machen. Er machte dem Varus Anzeige und forderte ihn auf,
sämmtliche Fürsten der Germanen, ihn selbst eingeschlossen,
gefangen zu setzen. Varus glaubte der Anzeige nicht und als er
auszog, um einige Völkerschaften an der Weser zu züchtigen, welche
sich auf Armin's Anstiften gegen die Römer erhoben hatten, ließ er
den
A.
, welcher vorgab, Hülfstruppen herbeiführen zu wollen,
ruhig zu den Aufständischen abgehen. Die Bewegung der Deutschen
wurde übermächtig, selbst Segest scheint gezwungen zu sein, ihr zu
folgen und gegen die Römer zu schlagen (Tac. I. 58). So wurde im Teutoburger Walde im Jahre
9 n. Chr. das ganze römische Heer von 3 Legionen (ca. 16000 Mann)
und gewiß ebensoviel Hülfstruppen vernichtet. Man hat mit
unermüdlichem Fleiße den Ort der Niederlage näher zu bestimmen
gesucht, doch ist eine sichere Entscheidung nicht gewonnen.
Die Deutschen besetzten nach dem Kampf die zahlreichen
Castelle, welche die Römer am rechten Rheinufer angelegt hatten.
Selbst das feste Aliso fiel in ihre Hände, indem die Besatzung
durch Hunger gezwungen wurde, einen Ausfall zu versuchen, durch
den sie auch an den Rhein entkamen. Die Rheingrenze selbst wurde
von den Deutschen nicht bedroht, obwol die Römer für Gallien, ja
für Italien fürchteten. Ueber Alisos. Giefers in "Forschungen zur
deutsch. Gesch." VII.
In den Jahren 14—16 n. Chr. erneuerte dann Germanicus, dessen
Feldherrnruhm Tacitus mit Vorliebe preist, den Versuch,
Deutschland zu unterwerfen. Wiederum stand
A.
an der Spitze des Widerstandes, auch sein Oheim
Inguiomer unterstützte ihn, während sein Bruder Flavius für Rom
stritt.
A.
ist von Segest, dann Segest von der Partei des Armin's
gefangen gesetzt, Segest entkam und gewann einen festen Ort. Da er
hier belagert wurde, machte Germanicus auf seinen Hülseruf einen
Streifzug in jene Gegend, befreite ihn und machte zugleich in
jenem Orte die Thusnelda zur Gefangenen. Man sieht, der Streit der
Führer zerreißt auch die Volksgemeinde, den Kampf mit Rom
begleiteten innere Fehden.
Germanicus hat Erfolge errungen, er konnte die Gebeine der
Varianischen
|Legionen auf dem Schlachtfelde
bestatten, wo sie damals schon über 5 Jahre bleichten, ja er
konnte östlich der Weser ein Siegeszeichen errichten — aber seine
Heere erlitten doch furchtbare Verluste und
A.
war immer wieder im Felde. (E. v. Wietersheim, "Der
Feldzug des Germanicus an der Weser im Jahre 16 n. Chr." in
"Abhandlungen der kgl. sächs. Gesellschaft der Wissenschaften,"
Leipzig 1850, Bd. II. p. 430—81.) Deshalb
befahl Tiberius, den Angriff aufzugeben, sich auf die
Vertheidigung der Grenzen zu beschränken und die Germanen ihren
inneren Zwistigkeiten zu überlassen. Wirklich kam es schon im
folgenden Jahre (17 n. Chr.) zum Kampf zwischen
A.
und Marbod, der unter den östlichen Deutschen eine
ähnliche, doch schon zu festeren Formen entwickelte Stellung
einnahm wie
A.
unter den Cheruskern. Armin's Oheim Inguiomer trat
dabei auf Marbod's Seite. Auf beiden Seiten wurde mit Benutzung
römischer Kriegskunde gestritten, endlich behielt
A.
den Sieg und bald darauf wurde Marbod durch einen
Aufstand in seinem Reiche zur Flucht auf römisches Gebiet
gezwungen. Auch Armin's Laufbahn erreichte bald ein jähes Ende. Er
wurde von seinen Verwandten getödtet im Jahre 21 n. Chr. 37 Jahre
alt, nachdem er 12 Jahre an der Spitze seiner Völkerschaft oder
eines weiteren Bundes gestanden hatte (Tac. II.
88.) Als Grund seiner Ermordung bezeichnet Tacitus sein
Streben nach der Königswürde, doch lassen die Worte nicht bestimmt
erkennen, welche Beschränkung seiner Befugnisse er abstreifen
wollte. Das Natürlichste scheint die Annahme, daß er nur zum Zweck
des Kriegs gewählter Heerkönig war und diese Stellung auch im
Frieden zu behaupten suchte.
Eine wirkliche Charakteristik Armin's gestatten die Nachrichten
nicht, von einzelnen Zügen tritt neben der Tapferkeit und
Verschlagenheit besonders die ruhige Besonnenheit hervor, welche
ihn z. B. auch dann nicht verließ, als seine Gefährten einst im
Siegestaumel ein römisches Lager zu stürmen verlangten. Seine
ganze Geschichte aber zeigt uns den großen Mann, und ohne Zweifel
haben wir in ihm den Befreier Deutschlands zu verehren.
Autor ↑
G. Kaufmann.
Empfohlene Zitierweise ↑
Kaufmann, G., „Arminius“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
534-536
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118504037.html?anchor=adb