Name
Schrörs, Heinrich
Namensvarianten
Schrörs, Johann Heinrich
Lebensdaten
1852 bis 1928
Geburtsort
Krefeld
Sterbeort
Bonn
Beruf/Lebensstellung
katholischer Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Autor NDB
Stefan Jordan
Autor ADB
-
GND
117097179

Schrörs, Johann Heinrich

katholischer Kirchenhistoriker, * 26.11.1852 Krefeld, 6.11.1928 Bonn, Bonn, Südfriedhof.

  • Genealogie

    V Johann ( 1885), Seidenweber, später Spezereihändler in K.; M Henriette Schlösser; 2 B Richard (1858–84), Aloys (* 1860, Louise Ganser, aus Stolberg), Inh. d. Wischermühle (später „Walzenmühle Baumeister u. Schrörs“) in Haaren b. Aachen; 1 Schw Maria (1855–1904), führte S.s Haushalt.

  • Leben

    S. besuchte das Progymnasium in Krefeld und das Apostelgymnasium in Köln. Seit 1871 studierte er kath. Theologie in Bonn, seit 1873 in Würzburg und seit 1876 in Innsbruck, wo der Germaniker Joseph Jungmann (1830–85) zu seinen Lehrern zählte. 1877 in Innsbruck zum Priester geweiht, wurde er 1880 in Würzburg bei Joseph Kard. Hergenröther (1824–90) mit einer Arbeit über|„Hinkmar, Erzbischof von Reims“ (1884, Nachdr. 1967) zum Dr. theol. promoviert. Anschließend ging er nach München, hörte hier juristische Vorlesungen, nahm Kontakt zu Ignaz v. Döllinger (1799–1890) auf und schloß enge Freundschaft mit →Victor Gramich (1854–85). Ohne die in dieser Zeit begonnene Habilitationsschrift beendet zu haben, wurde S. 1885 als Privatdozent für Kirchenrecht nach Freiburg (Br.) berufen. 1886 erhielt er auf Vorschlag von Friedrich Althoff (1839–1908) ein Ordinariat für Kirchengeschichte in Bonn (Dekan 1891/92, 1900/01, 1902/03, 1906/07, 1914/15, Rektor 1904/05, em. 1916).

    S.s Berufung nach Bonn erfolgte im Rahmen der Erneuerung der Kath.-Theol. Fakultät nach der Abspaltung der Altkatholiken im Gefolge des I. Vaticanums. S. errichtete 1887 eines der ersten kirchengeschichtlichen Seminare in Deutschland und baute die Seminarbibliothek als eine der am besten ausgestatteten ihrer Art neu auf (1944 zerstört). Sein Engagement für hochschulpolitische Belange, v. a. sein Beharren auf dem Grundsatz der wissenschaftlichen Ausbildung kath. Theologen, führte in den 1890er Jahren zu Konflikten mit der Erzdiözese Köln. Der Streit eskalierte 1907, als S. die zunehmende Einflußnahme der Bischöfe auf die kath. Fakultäten in seiner Denkschrift „Kirche und Wissenschaft, Zustände an einer kath.-theol. Fakultät“ anprangerte. Das daraufhin vom Kölner Ebf. Anton Kard. Fischer (1840–1912) für S.s Vorlesungen verhängte Besuchsverbot wurde nach kurzer Zeit auf Drängen der preuß. Kultusbehörden wieder aufgehoben. Während des 1. Weltkriegs betonte S. in mehreren Veröffentlichungen die nationale Loyalität dt. Katholiken. Wissenschaftlich trat er mit Untersuchungen zur rhein. Kirchengeschichte hervor, von denen v. a. seine von der Erfahrung des Kulturkampfs geprägte Studie über Ursachen und Verlauf des Kölner Kirchenstreits (Die Kölner Wirren 1837, 1927, Microfiche 1992) bis heute einschlägig ist. Zu S.s Schülern zählen u. a. Joseph Greving, Wilhelm Neuß, Heinrich Linssen und Wilhelm Jacobs.

    • Auszeichnungen

      Mitgl. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhoin (1888, Vors. 1904–26).

    • Werke

      Weitere W KGesch. u. nicht Rel.gesch., 1905 (Rektoratsrede);  Gedanken über zeitgemäße Erziehung u. Bildung d. Geistlichen. 1+21910;  Ignaz Döllingers Briefe an e. junge Freundin, 1914 (Hg.);  Der Krieg u. d. Katholizismus, 1915;  Das christl. Gewissen im Weltkriege, 1916;  Kriegsziele u. Moral, 1917;  Dt. u. franz. Katholizismus in d. letzten J.zehnten, 1917;  Kath. Staatsauffassung, 1919;  Gesch. d. Kath.-Theol. Fak. d. Univ. Bonn 1818-1831, 1922; Ein vergessener Führer aus d. rhein. Geistesgesch. d. 19. Jh., Johann Joseph Wilhelm Braun 1801-1863, 1925 (Microfiche 1992);  Johann Heinrich Floß (1819–1881), in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 117, 1930, S. 3-150;  – Korr.: A. Ph. Brück, Briefe d. Bonner Kirchenhist. H. S. an d. Mainzer Prälaten Friedrich Schneider, ebd. 174, 1972, S. 162-97;  M. Kraft, Briefwechsel zw. Cornelius Krieg (1838–1911) u. H. S. (1852-1928), Ein Btr. z. Freiburger Diözesan- u. Univ.gesch., in: Freiburger Diözesan-Archiv 112, 1992, S. 133-254;  – Autobiogr., in: Rel.wiss. Selbstdarst., hg. v. E. Stange, III, 1927, S. 193-234 (W-Verz., S. 235-39);  |

    • Literatur

      E. Commer, H. S.s „Gedanken über zeitgemäße Erziehung u. Bildung d. Geistlichen“ im Lichte d. kirchl. Lehre u. Gesetzgebung, 1911;  H. Jedin, in: Seelsorgshilfe 5, 1953, S. 49-59, wieder in: ders., Kirche d. Glaubens, Kirche d. Gesch., I, 1966, S. 107-17;  ders., Die Vertretung d. KGesch. in d. Kath.-Theol. Fak. Bonn 1823-1929, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 155/56, 1954, S. 411-53;  ders., in: Bonner Gel., 1968, S. 67-77 (P);  N. Trippen, Fak. u. Ebf., Der Konflikt um d. Bonner Kirchenhist. H. S. im J. 1907, in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 177, 1975, S. 232-62 (P), erweiterter Wiederabdr. in: Im Spannungsfeld zw. Staat u. Kirche, 100 J. Priesterausbildung im Collegium Albertinum, hg. v. W. Evertz, 1992, S. 171-203 (P)ders., in: Rhein. Lb. X, 1985, S. 179-98 (Qu, L, P)ders., Das Ebm. Köln als Brennpunkt d. Spannungen zw. preuß. Staat u. kath. Kirche, in: Jb. d. Köln. Gesch.ver. 72, 2001, S. 143-57;  E. Hegel, Von Joseph Hubert Mooren bis Max Braubach, Fünf Vors. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein u. ihr Btr. z. rhein. Gesch., in: Ann. d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein 182, 1979, S. 9-23;  W. Höller, in: Sie kamen aus Krefeld, hg. v. dems. u. E. Köppen, 1982, S. 135-37 (P);  R. Besouw, in: Kath. Krefeld, hg. v. A. Düppengießer, II, 1988, S. 385-410;  H. H. Schwedt, in: Christen zw. Niederrhein u. Eifel, hg. v. K. Schein, III, 1993, S. 31-52, 209-11 (W, L)DBJ X, Tl.Kosch, Lit.-Lex.3LThK1-3RGG2+3BBKL 15 (W, L).

    • Portraits

      Ölgem. v. G. Lambert, 1931 (Univ. Bonn, Dekanat d. Kath.-Theol. Fak.).

  • Autor

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Schrörs, Johann Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 582-583 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn117097179.html
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Schrörs, Heinrich