<< Schrörs, Johann Heinrich
Schröter >>
Schroers, Rolf Bernhard (Pseudonym Georg Plaaten, Guido Polino, Bernhard Girmes, Z. O. Gellmann)
Schriftsteller, politischer Publizist,
* 10.10.1919 Neuß (Rheinland),
† 8.5.1981 Altenberge (Westfalen). (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johannes (Hans) (1885–1960,
kath., später
ev.),
preuß. Polizeioffz., zuletzt Gen.major d. Schutzpolizei,
Polizeipräs. v. Bremen, 26. - 30.4.1945
Reg. Bgm. v. Bremen (s.
Brem. Biogr.),
S d. Wilhelm (1840–1922), aus Mönchengladbach-Hardt, Postmeister, später Rechnungsrat in Langenberg (
Kr. Düsseldorf-Mettmann), u. d. Bernhardine Kuby (1846–1928), aus Remscheid-Lennep;
M Margarete (1895–1946),
T d. Friedrich Girmes (
* 1860), Landwirt, u. d. Helena Bongardt (
* 1860), aus Krefeld;
B Hans (1915–44
⚔). Maler in Bremen; –
⚭ 1942 Ilse (
* 1920),
T d. Heinrich Plate (1887–1940), Kon
|ditor, u. d. Maria Christina Winterberg (1887–1962); 3
S Volker (1942–68), Wolfram (
* 1945), Tilmann (
* 1947), 1
T Cornelia (
* 1950).
Leben ↑
S. legte 1937 das Abitur in Berlin ab, studierte in München und Berlin Germanistik, Geschichte und Philosophie (ohne Abschluß), wurde zu Arbeits- und Militärdienst eingezogen, mehrfach verwundet und war zuletzt Oberleutnant bei der Kavallerie. Nach dem Krieg arbeitete er als Schriftsteller und freier Mitarbeiter bei Zeitungen (
u. a. FAZ), Zeitschriften (
u. a. Merkur, Frankfurter
Hh.), Rundfunk und Fernsehen; für letzteres produzierte er Dokumentarfilme über Schriftsteller in Deutschland, Armut in Deutschland und die
dt.-dt. Grenze. 1955-57 war er Lektor bei Kiepenheuer und Witsch. Viel gehört war seine Sendereihe „Klopfzeichen“ (1962/63) im Deutschlandfunk; die Beiträge erschienen 1964 unter dem Titel „Im Laufe eines Jahres, Aufzeichnungen eines Schriftstellers“.
S., Mitglied der „Gruppe 47“ und seit 1964 Mitglied des
PEN-Zentrums der Bundesrepublik, galt nach dem Krieg als einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation. Seine Erzählungen, Romane und Hörspiele behandeln Krieg und Nachkriegszeit und die Fragen von Schuld und Verstrickung. Für seinen stark autobiographisch geprägten Roman „Jakob und die Sehnsucht“ (1953,
franz. Übers,
u. d. T. La Pierre et le triangle, 1956) erhielt
S. 1956 den Förderpreis des Immermann-Preises der Stadt Düsseldorf. 1957 erhielt er ein Stipendium der
Dt. Akademie in Rom (Villa Massimo) und schrieb dort in Form von Briefen an seine Frau den Reisebericht „Herbst in Apulien“ (1958). 1959 erhielt er für die Erzählung „In fremder Sache“ (1957) den Bremer Literaturpreis.
S.s Sprache ist präzise und bisweilen lakonisch. Angesichts der Zerstörung von Menschen, Städten und moralischen Verbindlichkeiten durch Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg stellte sich für ihn die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz neu. In der biographischen Studie „T. E. Lawrence, Schicksal und Gestalt“ (1949) beschäftigt sich
S. mit der Gestalt des Einzelgängers, der kompromißlos seinen Weg geht. In diesem Sinne Einzelgänger war für
S. auch Ernst Jünger (1895–1998), mit dem er ebenso in Briefwechsel stand wie mit Carl Schmitt (1888–1985). Der „große Einzelgänger“ ist schließlich das Thema in „Der Partisan, Ein Beitrag zur politischen Anthropologie“ (1961). Archetyp des Partisanen ist für
S. Antigone.
Das eigene Handeln intellektuell und existentiell zu verantworten, hieß für
S. seit Ende der 50er Jahre, sich auch politisch zu engagieren. 1958 wurde er in den Vorstand der Bewegung „Kampf dem Atomtod" gewählt. 1958-60 war er Redakteur des „Informationsdienstes des Clubs republikanischer Publizisten“ und 1959/60 Herausgeber der Zeitschrift „Atomzeitalter, Informationen aus Politik, Wissenschaft und Technik“. 1965 wurde
S. verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift „liberal“ (
FDP) und 1968 Direktor der Theodor-Heuss-Akademie, einer Einrichtung der
FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung; beide Ämter hatte
S. bis zu seinem Tod inne. 1972 und 1976 kandidierte er erfolglos für die
FDP bei den Bundestagswahlen.
S. schrieb in dieser Zeit eine Reihe von Essays und Artikeln
v. a. zu deutschland- und kulturpolitischen Fragen (gesammelt in: Meine
dt. Frage,
Pol. u.
lit. Vermessungen, 1979). Mit „liberal“ nahm er Einfluß auf die Entwicklung der
FDP zu einer linksliberalen Partei („Freiburger Thesen“) und auf die Ostpolitik der sozialliberalen Koalition. Als Direktor der Theodor-Heuss-Akademie formulierte er Prinzipien einer liberalen politischen Bildung, die „dem Menschen die Entscheidungsgrundlagen für seine Selbstbestimmung zu vermitteln“ habe (Faßbender/Hansen).
Auszeichnungen ↑
BVK II.
Kl. (1977) u. I.
Kl. (1979).
Werke ↑
Weitere W
Die Feuerschwelle, 1952;
Der Trödler mit d. Drahtfiguren, 1953;
Auswahl d. Opfer, 1962;
Kreuzverhör, 1963, Aus gegebenem Anlaß, 1964;
Nordrhein Westfalen im Farbbild,
Einl. v. R.
S., 1968;
Lib.
Pol., 1975 (
ital. u.
span. Überss.);
Der
Hptm. verläßt Venedig, 1980;
–
Hörspiele, Dok.fi-me, zahlr. Essays u. Art. in
Zss. u. Anthologien;
Kurzgeschichten v. S. wurden in Anthologien
dt. Lit. in viele Sprachen übersetzt;
ausfiihrl.
W-Verz in: Faßbender/Hansen (
Hg.), Feuilleton u.
Realpol., 1988 (s.
L);
–
Übers.: Guido Ballo, Ital. Malerei
v. Futurismus bis heute, 1957;
|Nachlass ↑
Nachlaß: StA Münster;
Archiv d. Liberalismus, Gummersbach.
Literatur ↑
A. Zanlucchi, R.
S., Una figura di scrittore e critico dell epoca attuale,
Diss. Padua 1971
(ungedr.);
M. Faßbender u. K. Hansen (
Hg.), Feuilleton u.
Realpol., R.
S.,
Schriftst., Intellektueller, Liberaler, 1988
(W-Verz.);
D. Koerfer, Die
FDP in d. Identitätskrise, Die J. 1966-1969 im Spiegel d.
Zs. „liberal“, 1981;
Das Pari.
v. 23.5.1981
(P) u. 20.4.1985;
U. Josten, Für e. erneuerten Liberalismus, Die
Zs. „liberal“ u. d.
FDP bis 1969, 2001;
E. Horn, Partisan, Siedler, Asylant, Zur
politol. Anthropol. d. Grenzgängers, in: Ästhetik u. Kommunikation, H. 102, 1998, S. 39-46;
G.
v. Wilpert, Literatur in Bildern,
Dt. Dichterlex., 1963;
Munzinger;
Killy.
Autor ↑
Monika FaßbenderEmpfohlene Zitierweise ↑
Faßbender, Monika, „Schroers, Rolf Bernhard“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
583-584
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118761927.html