<< Schnitzler, Arthur
Schnitzler, Theodor Simon >>
Schnitzler, Hermann
Kunsthistoriker,
* 13.1.1905 Monschau (Eifel),
† 15.12.1976 Köln,
⚰ Köln-Melaten. (katholisch)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus Monschauer
Tuchmacherfam.;
V Joseph (1876–1945),
Textilfabr. in
M.,
S d. Wilhelm (1849–1917),
Tuchfabr. in
M., u. d. Katharina Reith, aus Olef b. Schleiden;
M Maria Elisabeth (1881–1905),
T d. Wilhelm Breuer (1837–1906),
Textilfabr. in Forst (Lausitz), u. d. Therese Berghoff (1839–1922), aus Meschede;
⚭ 1) 1938 Agnes (1902–62), stand in enger Verbindung mit d. um e. Erneuerung d.
Christl. Kunst in modernen Formen bemühten Kunstkreis um d. Architekten Dominikus Böhm (1880–1955), als Nachfolgerin
v. Ferdinand Nigg (1865–1949), 1931-38 Leiterin d. Paramentenklasse d. Kölner Werkschulen,
T d. Heinrich Renard (1868–1928), Architekt in
K., 1898 Diözesanbaumeister in
K., 1910 Diözesanbaurat (s.
ThB), u. d. Ursula Johaentges (um 1875–1965), 2) 1965 Liselotte (1914–78,
⚭ 1) 1939-17 Günther
v. Diergard,
* 1884),
T d. Paul Lafrenz,
Lt., u. d. Ludovica (Vica)
v. Issendorff (
* 1894,
⚭ 2) Paul Seligmann, Dr.,
Hptm.); 1
S aus 1) Heinrich (
* 1940),
Dr. rer. nat.,
Studiendir. in Trier;
Gvv d. 1. Ehefrau Edmund Renard (1830–1905), Bildhauer (s.
ThB);
Ov d. 1. Ehefrau Edmund Renard (1871–1932),
Dir. d. Denkmalarchivs d.
preuß. Rheinprovinz. 1911-26 Provinzialkonservator (s.
Wi. 1928;
Kürschner, Gel.-Kal. 1931).
Leben ↑
S. studierte nach dem Abitur am Karls-Gymnasium in Aachen 1924 zunächst Musik in Stuttgart, dann Kunstgeschichte in Berlin bei Adolph Goldschmidt (1863–1944) und – nach einem Italienaufenthalt – in Bonn; dort promovierte er 1930 bei Paul Clemen (1866–1947) mit einer Arbeit über „Die Goldschmiedeplastik der Aachener Schreinswerkstatt“. Nach einem kurzen Aufenthalt in den USA als Assistent bei Wilhelm Koehler (1884–1959) an der Harvard University und am Fogg Art Museum in Cambridge war er 1934-35 bei der
rhein. Kunstdenkmäler-Inventarisation tätig. Dabei gelang ihm die aufsehenerregende Entdeckung des Bassenheimer Reiters als eines Frühwerks des Naumburger Meisters.
Seit Anfang 1936 Assistent am Schnütgen-Museum in Köln, wurde
S. 1937 dort Kustos, 1953 Museumsdirektor (bis 1970). Jahrelang fast ausschließlich mit der Bergung und Sicherung der ihm anvertrauten Bestände und offenbar auch der Kunstschätze Kölner Kirchen befaßt, konnte er die Sammlung, die er nahezu ohne Verluste über den Krieg gebracht hatte, im Mai 1956 in einer modern konzipierten Aufstellung in der romanischen Cäcilienkirche in Köln präsentieren. Nach ersten Ausstellungen mittelalterlicher sakraler Kunst 1947 und 1948 war
S. 1956 maßgeblich an der großen Ausstellung „Werdendes Abendland an Rhein und Ruhr“ in Essen beteiligt.
Nach 1945 beteiligte sich
S. engagiert an den großen kulturellen Diskussionen der Zeit. Berühmt wurden seine Vorträge in der Donnerstaggesellschaft auf Schloß Alfter 1947 „Abschied von Rilke" und auf dem „Tag der abstrakten Kunst“ am 20. Juli desselben Jahres „Picassso in uns selbst“ (auch mehrfach im Rundfunk gesendet). Freundschaft verband ihn mit den Kölner Malern Josef Fassbender (1903–74), Hubert Berke (1908–79) und Hann Trier (1915–99), anregende und beratende Unterstützung lieferte er den Sammlern mittelalterlicher und moderner Kunst Wilhelm Hack, Ernst Kofler, Peter und Irene Ludwig, Heinrich und Walter Neuerburg sowie Herrmann und Maria Schwartz. Für die zeitgenössische Kunst und die moderne Musik hatte
S. zeitlebens ein ausgeprägtes Interesse; er übte engagierte Kritik an Hans Sedlmayrs „Verlust der Mitte“ von 1948 (
Jb. f. Ästhetik u.
allg. Kunstwiss. 1, 1951, S. 217-22). Seit 1948 war er als Lehrbeauftragter, seit 1954 als Honorarprofessor an der
Univ. Bonn tätig.
S.s wissenschaftliches Hauptarbeitsgebiet bildete die früh- und hochmittelalterliche Schatzkunst des Rhein-Maas-Gebietes. In zahlreichen Katalogbeiträgen befaßte er sich mit Entwicklungen in der Goldschmiedekunst des 12. und 13.
Jh., mit Problemen der Elfenbeinschnitzerei und der Buchmalerei. Dabei ging es ihm dezidiert auch um die Vermittlung der ästhetischen Qualitäten dieser frühen Werke. Beispielhaft dafür stehen die
|beiden Tafelbände „Rheinische Schatzkammer“ von 1957 und 1959 mit prägnanten Texten und großen, die künstlerische Qualität veranschaulichenden Serien von Photographien (von Ann Bredol-Lepper). Zusammen mit Peter Bloch publizierte er als Quintessenz jahrelanger Forschungen das Corpus „Die ottonische Kölner Malerschule“ (2
Bde., 1967/70).
Werke ↑
Weitere W
Die Goldschmiedeplastik d. Aachener Schreinswerkstatt,
Btrr. z. Entwicklung d. Goldschmiedekunst d. Rhein-Maas-Gebietes in d.
roman. Zeit, 1934;
Ein
unbek. Reiterrelief aus d. Kreise d. Naumburger Meisters, in:
Zs. d. Dt. Ver. f. Kunstwiss. 2, 1935, S. 398-423;
Die Kunstdenkmäler d.
Lkr. Koblenz,
bearb. v. H. E. Kubach, F. Michel, H.
S., 1944,
Nachdr. 1981;
Der Dom zu Aachen, 1950;
Die Komposition d. Lorscher Elfenbeintafeln, in: Münchner
Jb. d. bild. Kunst, 3. F. 1, 1950, S. 26-42;
Alte Kunst im Schnütgen-
Mus., 1956,
41968;
Fulda oder Reichenau?, in: Wallraf-Richartz-
Jb. 19, 1957, S. 39-132;
Gr. Kunst d.
MA aus
Privatbes.,
Ausst.kat. Köln 1960;
Das Kuppelmosaik d. Aachener Pfalzkapelle, in: Aachener Kunstbll. 29, 1964, S. 17-14;
Slg. E. u. M. Kofler-Truniger, Luzern, I: Skulpturen: Elfenbein, Perlmutter, Stein, Holz, II: Email, Goldschmiede- u. Metallarbeiten, 1964 u. 1965 (mit P. Bloch
u. a.): Ma. Kunst, in: Weltkunst aus
Privatbes.,
Ausst.kat. Köln 1968, S. 1-90, 100 J. Schenkung Schnütgen, Eine Chronik,
hg. v. H. Westermann-Angerhausen u. M. Beer, 2006, S. 22-40
(P).Literatur ↑
Miscellanea pro arte, H.
S. zur Vollendung d. 60. Lebensj. am 13.
Jan. 1965,
hg. v. P. Bloch u. J. Hoster, 1965
(Bibliogr., P);
P. Bloch, Nachruf, in: Kunstchronik 30, 1977, S. 220-23;
Reden auf d. Gedächtnisfeier … zu Ehren von H.
S., in: Wallraf-Richartz-
Jb. 40, 1978, S. 7-12.
Portraits ↑
Zeichnung
v. Georg Meistermann, 1958,
Abb. in: 100 J. Schenkung Schnütgen (s.
L), S. 4 u.
v. Hubert Berke, 1965,
Abb. in: Miscellanea (s.
L), S. 4 (beide Köln.
Mus. Schnütgen).
Autor ↑
Rainer KahsnitzEmpfohlene Zitierweise ↑
Kahsnitz, Rainer, „Schnitzler, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
23
(2007), S.
337-338
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118758764.html