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Apel, Nikolaus >>
Apel, Johann August
Jurist und Dichter,
* 17.9.1771 Leipzig,
† 9.8.1816 Leipzig.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Heinrich Friedrich Innozenz Apel (1732–1802), Ratsherr und Bürgermeister in Leipzig, Seidenfabrikant;
M Witwe des Kaufmanns Siegert aus Chemnitz:
Gvv Johann David;
Ur-Gvv Andreas Dietrich Apel aus Quedlinburger Ratsgeschlecht, Seidenfabrikant und Kramermeister, Schöpfer des „Apelschen Gartens“;
⚭ 8.10.1808
T des Professors von Hindenburg;
S Guido Theodor Apel (1811–1867), Dichter.
Leben ↑
Apel ließ sich nach juristischen Studien (1789–1793) in Wittenberg und Leipzig hier als Advokat nieder und wurde später in den Rat der Stadt berufen. In der Hauptsache lebte er, seit dem Tod seines Vaters (1802)
|im Besitz eines beträchtlichen Vermögens, hier sowie auf seinem mit Bücher- und Kunstschätzen von ihm reich ausgestatteten Rittergute Ermlitz bei Schkeuditz seinen äußerst vielseitigen wissenschaftlichen und künstlerischen Neigungen. An die Stelle der schon während und nach der Fachausbildung betriebenen philosophischen, chemischen und medizinischen Studien traten bei währender Neigung zur Musik später vorzugsweise literarische und kunsttheoretische Interessen und metrische Forschungen. Als Dichter, zu dessen Freundeskreis
u. a. F. Kind, F. Laun. K. B. von Miltitz und Fouqué gehörten, ist er sowohl in seinen antikisierenden, sämtlich anonym erschienenen Tragödien „Polyidos" (1805), „Die Aitolier" (1806) und „Kallirhoe" (1806) als auch in seiner mannigfaltigste Formen nachbildenden, großenteils epigrammatischen Lyrik - in der er aber auch verdeckt seinem vaterländischen Gefühl gegen die französische Unterdrückung Luft macht - sowie in seiner Prosa (Gespenster- und Wundergeschichten, Märchen) durchaus Epigone. Aus einer Schiller verwandten Geisteshaltung und von ihm nachhaltig beeinflußt, vereint er in sich antike, aufklärerische, klassische und romantische Elemente. Die Erzählung „Der Freischütz" aus dem „Gespensterbuch" gab Kind die Anregung zum Textbuch der Weberschen Oper (1817). Von nachhaltigster Wirkung waren Apels metrische Studien, die ihn schon in seiner Abhandlung „Über Rhythmus und Metrum“ (Allgemeine Musik-Zeitung, 1807–08), erst recht aber in seiner „Metrik“ (2 Bände, 1814–16) in scharfen Gegensatz zu Gottfried Hermann und seiner Theorie der Taktlosigkeit brachten. Apel erwies sich hier als ein vortrefflicher Kenner des Versbaus und führte dadurch, daß er das enge Verhältnis zwischen Rhythmus und Tonmelodie in den griechischen Gedichten entwickelte, zu einer neuen Einsicht in die antike Metrik.
Werke ↑
Weitere W Kunz
v. Kauffungen, Trauerspiel, 1809
(anonym); Cicaden, Gedichte, 3
Bde., 1810–11; Gespensterbuch,
hrsg. mit F. Laun, 4
Bde., 1810–1812,
Neuausg. in Reclams
Universialbibl., 1883; Wunderbudi,
hrsg. mit F. Laun (
Bd. 3
v. F. Laun u. Fouqué), 3
Bde., 1815–17; Zeitlosen, Erzählungen u. Gedichte, 1817.
Literatur ↑
ADB I;
Ersch-Gruber;
Goedeke VI, 1898, S. 459 f., 509, VII, 1900, S. 296, IX, 1910, S. 248, 268 f.;
H.
A. Krüger, Pseudoromantik, 1904;
O. E. Schmidt, Fouque,
A., Miltitz. 1908;
ders., Die Romantik in Sachsen, 1938;
H. Ziemke, J. A.
A., 1933
(W, L);
Frels, 1934.
Portraits ↑
in: F. Kind, Der Freischütz,
Neuausg. 1921;
Lithogr. v. Emilie Sch.;
Gem. im Besitz d. Familie.
Autor ↑
Bruno SauerEmpfohlene Zitierweise ↑
Sauer, Bruno, „Apel, Johann August“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
322 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116315865.html
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Apell, Johann David >>
Apel, Johann August
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Apel: Johann August
A.
, geb. 17. September
1771 zu Leipzig, wo
sein Vater Bürgermeister war, † daselbst 9.
Aug. 1816, genialer Forscher auf dem Gebiete der Theorie
der poetischen Formen, vornehm lich der Rhythmik und Metrik, deren
wahres Verhältniß und Wechselwirkung auf einander er zuerst in
größerem Maßstabe erkannte. Er studirte in Leipzig und Wittenberg
die Rechte, widmete aber auch der Musik eine große Aufmerksamkeit.
1795 promovirte er als Dr. jur., später
wurde er in seiner Vaterstadt Rathsherr.
A.
war mehr zum Gelehrten, als zum Dichter geschaffen;
zwar wurde eine Reihe von Novellen ("Das Gespensterbuch") zu
seiner Zeit viel gelesen; doch besteht weder hierin noch in seinen
jetzt verschollenen Tragödien "Polyidos," "Die Aitolier" und
"Kallirrhoe," in denen er seinen Ideen über das antike Drama
Eingang zu verschaffen suchte, sein größeres und bleibendes
Verdienst.
|In der antiken Metrik dagegen bereitete er
eine neue Epoche vor. In mehreren lesenswerthen Abhandlungen
theils musikalischen theils metrischen Inhaltes in Band II—XII der Leipziger Allg. Mus-Ztg., unter
welchen diejenige "Ueber Rhythmus und Metrum" (Bd. X) bereits die Hauptsätze seiner Theorie
veranschaulicht, suchte er den modernen Takt auch in der antiken
Poesie nachzuweisen. Daraus unternahm er es, in einer
ausführlichen "Metrik" (Leipzig 1814 bis 1816) sein System
wissenschaftlich zu begründen und dasselbe auch einem Weiteren
Publikum zugänglich zu machen. Aber noch bevor der Druck des
zweiten Bandes vollendet war, raffte den Verfasser ein jäher Tod
hinweg.
A.
ging von der durchaus richtigen Anschauung aus, daß
die mus. Composition der griechischen Gedichte sich eng an die
schon dem declamirten Verse zu Grunde liegenden Rhythmen
anschlösse. In diesem Falle mußten nun auch die musikalischen
Rhythmen sich aus den Worttexten wiederfinden lassen; und
A.
nahm an, daß überall dieselben Taktarten herrschten,
als in der modernen Musik. Seine Bestimmung des sog. kyklischen
Dactylus, seine Erklärung der irrationalen Silben, und vieles
Andere ist auch in der heutigen Wissenschaft trotz heftiger
Widersprüche noch anerkannt; und erst die Consequenzen dieser
Forschungen haben eine höhere Theorie, welche der Ueberlieferung
volle Rechnung trägt und doch den hohen musikalischen Werth der
classischen Schöpfungen zu erkennen vermag, ermöglicht. Freilich
ging
A.
in der Gleichsetzung antiker und moderner Rhythmen zu
weit, z. B. in der Messung des Bacchius, des Päon, des Dochmius
etc. Eben so verfehlt sind seine Taktzerlegungen bei vielen
künstlicheren Versen; aber es war in der That von dem ersten
Bahnbrecher einer gesunderen Theorie nicht zu erwarten, daß er bis
zur Theorie der größeren Strophen und ganzer Gesänge
fortschritte.
Apel's System fand bei den strengen Philologen, an deren Spitze
G. Her mann stand, nichts als heftigen Widerspruch. Hermann konnte
doch mit philosophischen Speculationen die Grundwahrheiten jener
Anschauung nicht erschüttern. Die neueste Zeit erst hat den Werth
der Apel'schen Theorien erkannt, wenn auch unter den strengen
Philologen der Name des Urhebers noch verpönt sein mag; und ein
Forscher wie R. Westphal hat zwar seine metrischen Arbeiten mit
einem scharfen Proteste gegen die Apel'schen Theorien begonnen,
ist aber in der Folge bis zu einer Anerkennung selbst offenbarer
Fehler und Schwächen derselben fortgeschritten. — Apel's Schriften
sind am vollständigsten bei Ersch und Gruber verzeichnet.
Autor ↑
Heinrich Schmidt.
Empfohlene Zitierweise ↑
Schmidt, Heinrich, „Apel, Johann August“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
501-502
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116315865.html?anchor=adb
Apel, Johann August
Name: Apel, Johann August
Lebensdaten: 1771 bis 1816
Geburtsort: Leipzig
Sterbeort: Leipzig
Beruf/Lebensstellung: Dichter; Jurist; Poetiker
Konfession: lutherisch?
Autor NDB:
Sauer, BrunoAutor ADB:
Schmidt, HeinrichPND: 116315865