Name
Rabl, Carl
Namensvarianten
Rabl, Carl Borromäus; Rabl, Karl
Lebensdaten
1853 bis 1917
Geburtsort
Wels (Oberösterreich)
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Lebensstellung
Anatom; Orthopäde
Konfession
katholisch
Autor NDB
Christa Riedl-Dorn
Autor ADB
-
GND
118743392

Rabl, Carl

Anatom, * 2.5.1853 Wels (Oberösterreich), 24.12.1917 Leipzig. (katholisch)

  • Genealogie

    Aus bayer. Ärztefam., d. zu Beginn d. 18. Jh. nach Oberösterr. auswanderte; V Karl (1787–1850), Mag. chir. u. Mag. obstet., Wundarzt in Pichl, St. Marienkirchen u. W., 1806-20 Vf. v. kulturhist. interessanten Tagebüchern (s. ÖBL; Biogr. Lex. Böhmen); M N. N.; 1891 Marie (s. W), T d. Rudolf Virchow (1821–1902), o. Prof. d. pathol. Anatomie 1849-56 in Würzburg, 1856-1902 in Berlin (s. BLÄ; DBE; W); 2 S; Vt Hans (1868–1936), 1901-11 ao. Prof. f. Histol. in Wien, 1911-13 o. Prof. f. Histol. u. Embryol. in Innsbruck, seit 1913 in Graz (1917/18 u. 1921/22 Dekan, 1924/25 u. 1934/35 Rektor), korr. Mitgl. d. Österr. Ak. d. Wiss. (s. ÖBL).

  • Leben

    Nach Absolvierung des Stiftsgymnasiums in Kremsmünster, wo er großes Interesse an Anatomie und Zoologie zeigte, studierte R. seit 1871 an der Univ. Wien u. a. bei Karl Langer v. Edenberg, Joseph Hyrtl, Albert Braune, Ernst v. Brücke und Johann Chiari Medizin und Zoologie; Studienaufenthalte führten ihn 1873/74 nach Leipzig, 1874/75 nach Jena. Seine ersten beiden Arbeiten (Die Ontogenie d. Süßwasserpulmonaten, 1875; Über d. Entwicklung d. Malermuschel, 1876) standen ganz unter dem Einfluß Haeckels und erschienen in Jena. 1881 wurde R. Demonstrator am Pathologisch-Anatom. Lehrstuhl in Wien. Nach der Promotion 1882 trat er eine Stelle als Assistent von Langer am Anatom. Institut in Wien an. Bereits im folgenden Jahr habilitierte er sich (Über d. Entwicklung d. Tellerschnecke) und lehrte als Privatdozent für deskriptive Anatomie. 1885 zum ao. Professor der Anatomie an der Univ. Wien ernannt, folgte R. 1886 einem Ruf als o. Professor für Anatomie an der dt. Karl-Ferdinand-Univ. in Prag. In seinen Vorlesungen behandelte er die systematische, topographische und vergleichende Anatomie sowie die Entwicklungsgeschichte (1890/91 Dekan, 1903/04 Rektor). Für die anatomische Sammlung des Instituts verfertigte er Präparate und zeichnete nahezu alle Illustrationen zu seinen Werken selbst, wobei das 1902 entstandene Tafelwerk „Die Entwicklung des Gesichtes“ mit seinen Zeichnungen zur Entwicklungsgeschichte der äußeren Körperformen der Wirbeltiere besonders hervorzuheben ist.

    1904 trat R. die Nachfolge von Wilhelm His als Professor für Anatomie in Leipzig an (Antrittsvorlesung „Organbildende Substanzen u. ihre Bedeutung f. d. Vererbung“). Neben der Reorganisation des Anatomieunterrichtes erweiterte er die Leipziger Präparatesammlung durch eine vergleichende menschlich-anatomische Sammlung. R. befaßte sich besonders mit der Entwicklungsgeschichte und lieferte grundlegende Beiträge zur Zellforschung (Chromosomenlehre, Bau der Eizelle) und der vergleichenden Anatomie. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen jene über die Entwicklung des Mesoderms (mittleren Keimblattes). R. stellte 1885 in der Abhandlung „Über Zellteilung“ die Hypothese der Chromosomen-Individualität auf, die Theodor Boveri (1862–1915) 1902 im Experiment bestätigen konnte. – Mitgl. d. Öster. Ak. d. Wiss. (korr. 1893, o. 1899) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (korr. 1906); GR (Sachsen, 1908); Dr. h. c. (Christiania 1911); österr. Hofrat (1902),

    • Werke

      Weitere Werke Theorie d. Mesoderms, 1897; Gesch. d. Anatomie, 1899; Über „organbildende Substanzen“ u. ihre Bedeutung f. d. Vererbung, 1906; Gesch. d. Anatomie an d. Univ. Leipzig, 1909; Bausteine zu e. Theorie d. Extremitäten d. Wirbeltiere, 1910; Die Ontogenie d. Süßwasser-Pulmonaten, in: Jenaische Zs. f. Naturwiss. 9, 1875, S. 195-240; Über Zelltheilung, in: Morpholog. Jb. 10, 1885, S. 214-330; Über Zelltheilung, in: Anatom. Anz. 4,: 1889, S. 21-30; Über d. Bau u. d. Entwicklung d. I Linse, in: Zs. f. wiss. Zool. 63, 1898, S. 496-572, 65, 1899, S. 257-367, 67, 1900, S. 1-138; Edouard v. Beneden u. d. gegenwärtige Stand d. wichtigsten behandelten Probleme, in: Archiv f. mikroskop. Anatomie 88, 1915, S. 1-470. – Zu Marie: Rudolf Virchow, Briefe an seine Eltern, 1839–1864, 1906.

    • Literatur

      Alm. d. Ak. d. Wiss. in Wien 69, 1918, S. 260-74; A. Fischel, in: Anatom. Anz. 51, 1918, S. 54-79 (Werkverzeichnis); H. Held, in: Ben. über d. Verhh. d. Sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig, math.-physikal. Kl., 60, 1918, S. 363-80; F. Hochstetter, in: Wiener klin. Wschr. 7, 1918, S. 196-200; G. Uschmann, Gesch. d. Zool. u. d. zoolog. Anstalten in Jena 1779-1919, 1959, S. 130-33, 137; H. Lommatzsch, Personalbibliogrr. d. Professoren u. Dozenten d. Anatomie […] d. med. Fak. d. dt. Karl-Ferdinand Univ. Prag, Diss. Erlangen-Nürnberg, 1968, S. 12-17; I. Jahn (Hg.), Gesch. d. Biol., 1998, S. 932; BLÄ (Porträt); DSB; ÖBL; L. Hlavácková u. P. Svobodný, Biogr. Lex. d. Dt. Med. Fak. in Prag 1883-1945, 1998; – zur Familie:  R. Rabl, Die oberösterr. Ärztefam. R. 1620-1970, o. J.; |

    • Quellen

      Qu: Univ.archiv Wien.

  • Autor

    Christa Riedl-Dorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Riedl-Dorn, Christa, "Rabl, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 73-74 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118743392.html
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Rabl, Carl