<< Boveri, Johann Walter David
Bovet, Arnold >>
Boveri, Theodor Heinrich
Zoologe und Anatom,
* 12.10.1862 Bamberg,
† 15.10.1915 Würzburg. (katholisch)
Genealogie
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| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
B Walter s. (1);
⚭ 1897 Marcella Imelda O'Grady aus Boston (USA); 1
T Antonie Margarete (Margret) (1900–75),Professorin der Biologie, Schriftstellerin, Journalistin.
Leben ↑
Boveri studierte als Stipendiat des Maximilianeums in München zuerst Geschichte, sehr bald Naturwissenschaften und Medizin. Er arbeitete im Laboratorium von C.
v. Kupffer und promovierte 1885 mit der Arbeit „Beiträge zur Kenntnis der Nervenfaser“ (Abhandlungen d. Bayerischen Akademie d. Wissenschaften, Klasse II, Band 15, Abteilung 2, 1885); bei R. Hertwig habilitierte er sich 1887 für Zoologie und vergleichende Anatomie. In seiner Habilitationsschrift sind die ersten ausführlichen Veröffentlichungen über seine Zellenstudien bei Ascaris megalocephala und Ascaris lumbricoides vereinigt. Ab 1891 war er Assistent am Zoologischen Institut der Universität München und wurde als Nachfolger K. Sempers 1893 Professor in Würzburg. Seine zytologischen Untersuchungen am Seeigelei führten Boveri häufig zu A. Dohrn an die Zoologische Station in Neapel. Er war
u. a. Mitglied der Akademien in München, Berlin, Kopenhagen, Petersburg, Philadelphia und New York, sowie
Dr. med. h. c. der Universität Marburg.
Boveri war einer der bedeutendsten Biologen, der Schöpfer der experimentellen Zellforschung. Als Morphologe lieferte er wesentliche Beiträge zum Problem der Chromosomen als Vererbungsträger. Das Gesetz von der Zellkonstanz der Chromosomen sowie die Theorie der Chromosomenindividualität - heute ein Grundpfeiler der Vererbungslehre - wurden von ihm begründet. Ferner stellte er die Theorie der qualitativen Verschiedenheit der Chromosomen und die der qualitativen Verschiedenheit im einzelnen Chromosom auf. Entgegen unserer heutigen Erkenntnis sprach er dem Plasma eine Bedeutung für die Vererbung ab. Besonders hervorzuheben ist, daß Boveri die Entstehung maligner Tumoren auf Grund atypischer Chromosomenverhältnisse erklärte. Weiterhin beschäftigte er sich mit der Physiologie der Kern- und Zellteilung und mit Fragen der Geschlechtsbestimmung. Verschiedene seiner Untersuchungen waren
|dem Problem der Befruchtung gewidmet. Hierbei konnte er, unabhängig von van Beneden, nachweisen, daß das Centrosom bei der Befruchtung vom Sperma in das Ei hineingebracht wird. Wir verdanken Boveri auch die Entdeckung des Excretionsorganes des Amphioxus lanceolatus (Lanzettfischchen). Schließlich ist noch seine theoretische Betrachtung über die Bedeutung der Sehzellen des Amphioxus lanceolatus für die Phylogenie des Wirbeltierauges zu erwähnen.
Werke ↑
Weitere W Zellen-
Stud. I-VI, 1887–1907; Problem d. Befruchtung, 1902.
Literatur ↑
F. Baltzer, in: Die
Naturwiss., 1916, S. 69;
ders., in:
Fränkische Lebensbilder II, S. 40-56
(W, L);
R. Hertwig, in: Münchener
Med. Wschr., 1916;
ders., in:
Jb. d.
Bayer. Ak. d. Wiss., 1916, S. 118-35;
H. Nachtsheim, in:
Naturwiss. Wschr.,
NF 15, 1916
(vollst. Bibliogr., P);
H. Spemann, in: Archiv f. Entwicklungsmechanik 42, 1916, S. 243-60;
Verhh. d. phys.-
med. Ges. Würzburg 44, 1917, S. 160-65;
O. Kuhn, Th.
B., Ein Pionier d. modernen
Biol., in: Fränk.
Bll.,
Beil. z. fränk. Tag, Bamberg 4, 1952,
Nr. 20, S. 77-80;
DBJ I (Totenliste 1915,
W, L);
Fischer I, 1932;
J. W. Harms, in:
Hdwb. d.
Naturwiss.,
21933, S. 188
(W).Portraits ↑
in: K. Escherich, Leben u. Forschen, 1949, Tafel IV.
Autor ↑
Walter RühmEmpfohlene Zitierweise ↑
Rühm, Walter, „Boveri, Theodor Heinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
493-494
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118662449.html
Boveri, Theodor
Name: Boveri, Theodor
Namensvariante: Boveri, Theodor Heinrich
Lebensdaten: 1862 bis 1915
Geburtsort: Bamberg
Sterbeort: Würzburg
Beruf/Lebensstellung: Zoologe; Anatom
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Rühm, WalterPND: 118662449