Name
Richenza von Northeim
Namensvarianten
Richenza; Richenza <Imperium Romanum-Germanicum, Imperatrix>; Richenza <Impératrice>; Richenza <Kaiserin>; Richenza <von Northeim>; Richèze <Impératrice>; Richilde <Impératrice>; Richza <Königin>
Lebensdaten
um 1087 oder 1089 bis 1141
Geburtsort
-
Sterbeort
-
Beruf/Lebensstellung
Kaiserin
Konfession
katholisch
Autor NDB
Amalie Fößel
Autor ADB
-
GND
102500681

Richenza

Kaiserin, * um 1087/89, 10.6.1141, Königslutter, Klosterkirche.

  • Genealogie

    Aus d. sächs. Geschl. d. Grafen v. Northeim (s. NDB 19); V Gf. Heinrich d. Fette, seit 1099/1100 Mgf. v. Friesland ( 1101, s. Lex. MA), S d. Otto v. Northeim, Hzg. v. Bayern ( 1083, s. NDB 19); M Gertrud v. Braunschweig ( 1117), aus d. Geschl. d. Brunonen, T Mgf. Ekberts I. v. Meißen ( 1068, s. NDB II in Art. Brunonen); B Otto III., Gf. v. Northeim ( nach 1115); Schw Gertrud, Pfalzgfn. in Lothringen ( nach 1154); – um 1100 Lothar, Gf. v. Supplinburg, seit 1106 Hzg. v. Sachsen, 1125 Kg., 1133 Ks. ( 1137, s. NDB 15); 1 T Gertrud (1115–43, s. Lex. MA, 1] Heinrich X. d. Stolze, Hzg. v. Bayern, 1139, 2] Heinrich II. Jasomirgott, Mgf. v. Österr., 1177, beide s. NDB VIII); E Heinrich d. Löwe, Hzg. v. Sachsen u. Bayern (um 1129/30-95, s. NDB VIII).

  • Leben

    Aus einer mächtigen Adelsfamilie Sachsens entstammend, erbte R. 1115/17 gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrud, der lothring. Pfalzgräfin, die northeimischen Güter ihres Vaters sowie die katlenburgischen und brunonischen Besitzungen ihrer Mutter.

    Als Lothar 1125 das Königsamt antrat, wurde auch R. zur Königin gekrönt, der Praxis seit dem frühen 11. Jh. zufolge in einer eigenen Zeremonie, die Ebf. Friedrich (reg. 1100-31) in Köln vornahm. Seitdem hatte sie großen Anteil an der Königsherrschaft, war otton.-sal. Vorstellungen vom „consortium regni“ entsprechend in die Regierung des Reiches eingebunden und gehörte als Vertraute Lothars zum engeren Beraterkreis am Hof. Ein Drittel aller erhaltenen Urkunden wurde auf ihre Intervention hin ausgestellt. In Konflikten, so zwischen Lothar und den Staufern, wie auch im Verlauf des 1130 entstandenen Papstschismas wandte man sich an sie als Vermittlerin. 1135 ließ sie den sich unterwerfenden stauf. Hzg. Friedrich durch einen Kardinallegaten vom Bann lösen. 1129 erreichte sie gegen Widerstände die Wiedereinsetzung ihres 1125 seines Amtes enthobenen Kapellans Bruno zum Bischof von Straßburg. R. begleitete Lothar auf seinen beiden Italienzügen 1132/33 und 1136/37; am 4.6.1133 wurde sie an seiner Seite in der Lateranbasilika von Papst Innocenz II. zur Kaiserin gekrönt Während des 2. Italienzuges übernahm sie zeitweilig Regierungsgeschäfte und schlichtete in Oberitalien als Vorsitzende im Königsgericht mehrere Klagen. Eine der ausgefertigten Urkunden enthält das rekonstruierbare Signum R.s als „imperatrix semper augusta“. Ob sie auch ein eigenes Siegel führte, ist hingegen zweifelhaft.

    Nach dem Tod Lothars unterstützte R. wohl die Thronansprüche des seit 1127 mit ihrer Tochter Gertrud verheirateten Heinrichs d. Stolzen. Als jedoch Konrad III. gewählt wurde, erschien sie an der Spitze des sächs. Adels auf dem Hoftag zu Pfingsten 1138 in Bamberg und erkannte das Königtum des Staufers an. Trotzdem setzte sie mit ihrem Schwiegersohn den Kampf in Sachsen gegen Hzg. Albrecht d. Bären fort. Als der Welfe 1139 starb, verteidigte R. auch weiterhin die Herrschaftsansprüche, nunmehr zugunsten ihres noch minderjährigen Enkels Heinrichs d. Löwen.

    • Quellen

      Qu Die Urkk. Lothars III. u. d. Ksn. R., hg. v. E. v. Ottenthal u. H. Hirsch, 1927, Nachdr. 1980; Die Regg. d. Ks.reiches unter Lothar III. u. Konrad III., 1. T.: 1125 (1075)-1137, neubearb. v. W. Petke, 1994.

    • Literatur

      W. Bernhardi, Lothar v. Supplinburg, Jbb. d. dt. Gesch., 1879, Nachdr. 1975; K.-H. Lange, Die Stellung d. Grafen v. Northeim in d. Reichsgesch. d. 11. u. frühen 12. Jh., in: Niedersächs. Jb. f. Landesgesch. 33, 1961, S. 1-107; W. Petke, Kanzlei, Kapelle u. kgl. Kurie unter Lothar III. (1125–1137), 1985; A. Fößel, Die Königin im hochma. Reich, 2000; J. Schlick, König, Fürsten u. Reich (1056–1159), 2001, S. 113 f., 125-28; Lex. MA.

    • Portraits

      Darst. auf d. Krönungsbild Heinrichs d. Löwen u. Mathildes, Miniatur im Evangeliar Heinrichs d. Löwen, Helmarshausen, um 1188, fol. 171v, Abb. in: Das Evangeliar Heinrichs d. Löwen u. d. ma. Herrscherbild, Ausst.kat. München 1986, Tafel 29.

  • Autor

    Amalie Fößel
  • Empfohlene Zitierweise

    Fößel, Amalie, "Richenza" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 512-513 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd102500681.html
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Richenza von Northeim