<< Schey, Friedrich von
Schian, Albert Ernst Richard Martin >>
Schey, Josef Freiherr von
Jurist,
* 16.3.1853 Wien,
† 18.1.1938 Wien.
Genealogie
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| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Quellen
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| Zitierweise
Genealogie ↑
V Friedrich (s. 1);
M Hermine Landauer;
⚭ Henriette Lang (
* 1856); 3
S u. a. Friedrich (
* 1887,
⚭ Anna Caecilia Schindler,
verw. v. Lieben,
* 1887),
k. u. k. Oberlt. d. Res., Herbert
S. (
eigtl. Frhr. S. v. K.) (
* 1891,
⚭ Johanna Freiin
v. Buschmann,
* 1894),
k. u. k. Oberlt. d. Res., Bankier in
W., bis 1926 persönl. haftender Gesellschafter d.
Bankkommanditges. Schey &
Co., emigrierte 1938 nach New York, Witold
S. (
eigtl. Frhr. S. v. K.) (
* 1891,
⚭ Margarete Mayer [
eigtl. Freiin
v. Gunthoffl],
* 1897),
Dr. med., Arzt in
W., emigrierte nach London, Chirurg
ebd., 1940 Mitgründer u.
Vors. d. „Austrian League“ (beide s.
BHdE I), 2
T Gerda (
* 1886,
⚭ Hermann Goldschmidt, auf Schloß Erla
b. St. Valentin,
Niederösterr.), Irma (
* 1894,
⚭ Heinrich Simon, 1880–1941, aus Berlin,
Dr. phil.,
Journ., Ztg.
hg., 1914-34
Vors. d. Red.konferenz d. „Frankfurter
Ztg.“, emigrierte nach Palästina, seit 1936 Geschäftsführer d. Palestine Philharmonic Orchestra [s.
Wenzel;
Rhdb.;
Wi. 1935],
B d. Kurt Simon, 1881–1957,
Verl., 1907-33
Dir. d. Frankfurter Societätsdruckerei, emigrierte 1933 in d. USA, beide s.
BHdE I,
S d. Felix Simon,
* 1831,
Inh. d.
nat.lib. „Königsberger
Allg. Ztg.“);
N Hans Przibram (1874–1944),
ao. Prof. f. experimentelle
Zool. in
W. (s.
NDB 20).
Leben ↑
Nach dem Besuch des Wiener Akad. Gymnasiums (1862–70) studierte
S. an der jurid. Fakultät der
Univ. Wien (
Dr. iur. 1875) sowie in Berlin und Bonn. Nach einer kurzen Tätigkeit bei der niederösterr. Finanzprokuratur erlangte er 1877 aufgrund seiner Habilitationsschrift „Zur Geschichte der actio Pauliana und des interdictum fraudatorium“ (1878) die venia legendi für
Röm. Recht an der jurid. Fakultät der
Univ. Wien (1882 tit.
ao. Prof., 1884 Extraordinarius f.
Österr. u.
Röm. Privatrecht). 1885 wechselte er als
o. Prof. des
Röm. Rechts an die
Univ. Graz, 1893 übernahm er hier die Lehrkanzel für
Österr. Zivilrecht (1889/90 Dekan). 1897 folgte er einem Ruf an die
Univ. Wien (1900/01, 1910/11 Dekan), wo er bis zu seiner Emeritierung 1925 lehrte und noch bis 1933 als Honorarprofessor tätig war.
Die bedeutendsten wissenschaftlichen Leistungen erbrachte
S. auf dem Gebiet des
Österr. Privatrechts. Hervorgegangen aus der romanist. Schule seines Lehrers und Schwagers Josef Unger (1828–1913) trat er – ohne die grundlegende Bedeutung des
Röm. Rechts zu verleugnen – für eine unabhängigere, freiere Darstellung des geltenden Rechts ein. Die Abkehr von der romanist. Schuldoktrin zeigt sich deutlich in seinem Hauptwerk, einer systematischen Darstellung der „Obligationsverhältnisse des öster. allgemeinen Privatrechts“ (3
Hh., 1890–1907), worin er eine dezidiert wirtschaftliche und zweckorientierte Auffassung des Rechts vertrat. Neben zahlreichen Publikationen zu privatrechtlichen Themen machte die von
S. herausgegebene „Manzsche Ausgabe“ des ABGB (
131889,
221930) sowie die „Sammlung von Civilrechtlichen Entscheidungen des
k. k. Obersten Gerichtshofes“ (1892-1919, mit
|L. Pfaff) seinen Namen in der
österr. Rechtswissenschaft zum Begriff.
S. übte daneben
v. a. durch seine legistische Arbeit einen nachhaltigen Einfluß auf die
österr. Rechtsentwicklung aus. Ein besonderes Anliegen war ihm die von Unger angeregte Erneuerung der
österr. Zivilrechtskodifikation, des ABGB von 1811. In der 1904 eingerichteten Novellierungskommission übe nahm er die Bereiche Obligations- und Pfandrecht und legte 1907 einen Vorschlag zur Neuredaktion der §§ 859-937 ABGB vor. Gemäß seiner Ansicht, daß das ABGB keineswegs unbrauchbar sei, setzte er sich dafür ein, anstatt einer Gesamtrevision mit Blick auf das
dt. BGB das
österr. Gesetzbuch behutsam durch „Teilnovellen“ zu erneuern. Dies Überzeugung vertrat
S. auch im Herrenhau des Reichsrats, dem er seit 1907 als Mitglied auf Lebenszeit angehörte. Als Generalreferent der Kommission zur Erneuerung de ABGB präsentierte er 1912 einen Entwurf, der mit geringfügigen Änderungen in den drei Teilnovellen zum ABGB von 1914, 1915 und 1916 Gesetzeskraft erlangte. Der von ihm verfaßte Bericht zu dem Kommissionsentwurf bildet die wichtigste Quelle für deren Verständnis.
Nach 1918 wandte sich
S. der
jur. Praxis zu und war in den aufgrund des Staatsvertrags von
St. Germain errichteten Schiedsgerichtshöfen in Paris und London als Schiedsrichter tätig. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Bewahrung von
österr. Kulturgut, indem er dazu beitrug, Wiedergutmachungsansprüche Belgiens auf die Herausgabe vor Kunstbesitz, darunter den Schatz des Goldenen Vlieses, 1921 vor einem Pariser Schiedsgericht zu widerlegen und eine gütliche Übereinkunft zu erzielen
|Auszeichnungen ↑
Hofrat (1903); Dr iur.
h. c. (Graz 1923, Wien 1935).
Werke ↑
Über Rechtsverwandlungen, in: Grünhuts
Zs. 8, 1881, S. 110-61;
Über d. Structur d. Forderungsrechte,
ebd. 9, 1882, S. 344-404;
Begriff u. Wesen d. Mora Creditoris im
österr. u. im gemeinen Rechte, 1884;
Das Regressrecht bei Bezahlung fremder Schulden nach d.
Österr. allg. bürgerl. Gesetzbuche, 1891;
Über d. redl. u. unredl. Besitzer im
österr. bürgerl. Gesetzbuche, in:
FS J. Unger, 1898, S. 413-98;
Die Behandlung d. Eigentumsübertragung im
dt. bürgerl. Gesetzbuch, 1902;
Zur Verjährung d. Entschädigungsklagen nach § 1489 ABGB, 1905;
Zur Frage d. Tabularersitzung, in:
Zs. f. Notariat 52, 1910, S. 107 ff.;
Gesetzbuch u. Richter, in:
FS ABGB I, 1911, S. 499-532;
Die Teilnovelle
z. allg. bürgerl. Gesetzbuch, Ksl.
VO v. 12.
Okt. 1914,
RGBl. No. 276, 1915;
Einl. S. 3-26, Von d. Besitze §§ 309-352,
S. 1197-1273, in: H. Klang (
Hg.), Kommentar
z. ABGB I/1, 1933.
Literatur ↑
H. Sperl, in: Neue Freie Presse
v. 16.3.1923;
G. Walker,
ebd. v. 16.3.1933;
ders., in:
Ak. d. Wiss. in Wien (
Hg.),
Alm. f.
d. J. 1938, 1939, S. 360-64;
E. Bum, in:
Jur. Bll., 7/8, 1923, S. 49;
H. E. Demelius, in: Oesterr. Anwalts-
Ztg. 6, 1933, S. 101 f.;
R. Bartsch, J.
S. u. d. Novellierung d. ABGB, in:
Ger.-
Ztg., Sondernr.
z. 16. März 1923, aus Anlaß d. 70.
Geb. v. J.
S.,
S. VI f.;
M. Wellspacher, ebda,
S. XXXIII-XXXVIII;
J. Fraenkel (
Hg.), The Jews of Austria, Essays on their Life, History and Destruction, 1967, S. 35;
G. Wesener,
Röm. Recht u. Naturrecht, 1978, S. 67-69;
B. Pakes,
Btrr. z. Gesch. d. Lehrkörpers d. jurid.
Fak. d.
Univ. Wien
zw. 1911 u. 1938,
Diss. Wien, 1981, S. 204 f.;
H. Benedikt, in:
NÖB 17, 1968, S. 130-38
(W-Verz., P);
K. Körrer, Die
zw. 1938 u. 1945 verstorbenen
Mitgll. d. Lehrkörpers an d.
Univ. Wien,
Diss. Wien, 1981, S. 215 f.;
ÖBL;
Hdb. österr. Autorinnen u. Autoren
jüd. Herkunft 18.-20.
Jh., III;
Wininger;
R. Heuer (
Hg.),
Bibliogr. Judaica,
Verz. jüd. Autoren
dt. Sprache, III;
Jüd. Lex. V;
–
zur Fam.:
Gotha.
Geneal. Tb., Frhrl. Häuser 1909, S. 730 f., 1931, S. 459-61;
Philipp
Frhr. Schey
v. Koromla, in: Archiv f.
jüd. Fam.forsch.,
Kunstgesch. u. Mus.wesen 1913, H. 2/3, S. 28 f.;
|Quellen ↑
Qu Univ.archiv Wien (Personalbl.), Univ.archiv Graz (Personalakt).
Portraits ↑
Photo (Wien,
Österr. Nat.bibl., Bildarchiv).
Autor ↑
Elisabeth BergerEmpfohlene Zitierweise ↑
Berger, Elisabeth, „Schey, Josef Freiherr von“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
719-720
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117225797.html