<< Praun, Paulus II.
Prechter, Friedrich von >>
Prausnitz (Giles), Otto Carl Willy
Hygieniker, Bakteriologe,
* 11.10.1876 Hamburg,
† 21.4.1963 Ventnor (Isle of Wight). (jüdisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Otto,
Dr. med.;
M Edith Maria Giles;
⚭ 1903 Margot (
* 1879),
T d. Felix Friedrich Brück (1843–1911),
Dr. iur.,
Prof. f. Strafprozeßrecht u. Rechtsenz. in Breslau,
Geh. JR (s.
BJ 16,
Tl.;
Wi. 1911), u. d. Anna Prausnitz,
T e.
Kaufm. u. Stadtrats in Groß Glogau; 2
S u. a. Otto (Giles) (1904–80),
Dr. iur., emigrierte 1933
n. England, kurzzeitig an d. London School of Economics tätig, später an d.
Univ. Reading, Barrister, LL. M., arbeitete 1941-66 f. d. BBC als Redakteur (s.
H. Göppinger, Juristen
jüd. Abstammung im „Dritten Reich“,
21990), 1
T Anna (
* 1906,
⚭ Arthur Wegner, 1900–89,
Dr. iur.,
Prof. f. Kriminalrecht in Breslau, Halle u. Münster. Vorstand d.
Inst. f.,
Dt. Jugendhilfe, s.
Wi. 1935;
BHdE II);
Schwager Eberhard Brück (1877–1960),
Prof. f.
Röm. u. Bürgert. Recht in Genf, Frankfurt/M., Bonn, nach Emigration in Harvard (s.
Wi. 1935;
BHdE II).
Leben ↑
P. studierte Medizin an der
TH Darmstadt und den Universitäten Leipzig, Kiel und Breslau, wo er 1903 mit der Arbeit „Zum gegenwärtigen Stande der Choleradiagnose“ promoviert wurde. Seine Assistentenzeit absolvierte er am Freimaurerkrankenhaus in Hamburg sowie am Hygienischen und Pathologischen Institut der Hansestadt. 1905 wurde
P. zum Demonstrator für Bakteriologie am „Royal Institute of Public Health“ in London ernannt, 1908-10 war er Assistent am Bakteriologischen Laboratorium des Londoner Metropolitan Asylum's Board. Seit 1910 leitete
P. die „Wutschutzabteilung“ des Hygiene-Instituts der
Univ. Breslau, habilitierte sich 1912 für Bakteriologie und Hygiene und war 1918-20 Vorstand des dortigen Untersuchungsamtes, ehe er 1920 zum Leiter der „Ostdeutschen Sozialhygienischen Akademie“ in Breslau ernannt wurde. 1923-26
stellv. Direktor des Hygiene-Instituts der
Univ. Greifswald, nahm er 1926 einen Ruf als Ordinarius und Leiter des Hygiene-Instituts in Breslau an. 1933 wegen seiner
jüd. Herkunft entlassen, emigrierte
P. im selben Jahr nach Großbritannien, wo er bis 1935 an der
Univ. Manchester lehrte. Bis 1963 wirkte er danach auf der Isle of Wight als praktischer Arzt.
P. arbeitete insbesondere über allgemeine Epidemiologie, die Cholera, das Heufieber sowie die Standardisierung der Sera. Ferner befaßte er sich mit der Methodik des ärztlichen Unterrichts. In die Geschichte der Medizin ist
P. als Pionier der Allergieforschung
|eingegangen. 1921 wies er zusammen mit Heinz Küstner nach, daß ein Zusammenhang zwischen der allergischen Reaktion und dem Blut besteht. Bei einem Selbstversuch wurde eine kleine Menge Blut des Allergikers Küstner dem gesunden
P. intrakutan injiziert, worauf auch
P. (wie Küstner) auf Fisch allergisch reagierte. Beide entwickelten die „Prausnitz-Küstner-Reaktion“ als Testverfahren zur Diagnose allergischer Erkrankungen, das jahrzehntelang wegweisend blieb.
Werke ↑
u. a.
Grundzüge d. Hygiene,
121923 (mit W. Prausnitz);
Bakteriolog.
Tb., Die wichtigsten
techn. Vorschriften
z. bakteriolog. Laboratoriumsarb.,
191931 (mit O. Olsen);
The Teaching of preventive Medicine in Europe, 1933;
Investigations on respiratory Dust Disease in Operatives in the Cotton Industry, 1936.
Literatur ↑
A. W. Downie, in:
Journ. for Pathological Bacteriology 92, 1966, S. 241-52
(W-Verz., P);
R. R. A. Coombs, The first C.
P. Memorial Lecture, in:
Internat. Archive for Allergy Applied Immunology 45, 1973, S. 1-22
(P);
O. Westphal, Bacterial Endotoxins, The second C.
P. Memorial Lecture,
ebd. 49, 1975, S. 1-43;
D. W. Hide, C.
P., Father of clinical Allergy, in: Southampton Medical Journal 8, 1992, H. 2, S. 48-51;
E. Fuchs u. H. Schadewaldt, Die
P.-Küstner-Reaktion als Ausgangsbasis d. lokalen passiven Übertragbarkeit d. Anaphylaxie aus
d. J. 1920, in: Allergo 6, 1997, S. 427 f.;
Fischer;
BHdE II.
Autor ↑
Werner E. GerabekEmpfohlene Zitierweise ↑
Gerabek, Werner E., „Prausnitz, Otto Carl Willy“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
679 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117695610.html