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Poschinger von Frauenau
Freiherren von (Reichsritter 1790, bayerische Freiherren 1901), Glasfabrikanten im Bayer- und Böhmerwald. (katholisch)
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Leben ↑
Die Familie ist seit 1399 im niederbayer. Raum nachgewiesen,
u. a. als Ministerialen der Bischöfe von Passau.
Caspar erwarb 1516 in Leipzig den Grad eines Magister Artium, war zunächst
kath. Pfarrer und trat dann zum
ev. Glauben über. Sein ältester Sohn
Joachim (1523- um 1599), Richter und Pfleger in Linden bei Viechtach und in Neunußberg, erwarb 1568 das Glashüttengut Zwieselsau; seitdem ist die Familie in ununterbrochener Generationenfolge im Glasgewerbe tätig. 1547 erhielt sie einen
kaiserl. Wappenbrief. Joachim teilte 1587 die Hütten unter seine Söhne auf:
Hans (1565–1600) erhielt Oberzwieselsau,
Paulus (1553–1612) Unterzwieselsau, das er 1604 verkaufte und stattdessen das 1492 erstmals urkundlich erwähnte Glashüttengut Frauenau erwarb, das bis heute ununterbrochen im Familienbesitz ist. Sein jüngerer Sohn
Wilhelm (1607–58) wurde 1639 belehnt mit Gut Oberanzenhof (Oberpfalz), 1643 erhielt er einen Sitz auf der Ritterbank der Landschaft. Sein Sohn
Franz (1637–1701) leitete das Gut Frauenau seit 1662 und baute es nach einem Brand 1669 wieder auf. Seine Aufzeichnungen über den Betrieb des Gutes und der Glashütte sind als wertvolle Quelle erhalten. Franz' ältester Sohn Georg
Wilhelm (1663–1733) war Glasmeister auf Oberzwieselsau und Breitenau und übernahm die Hütte Oberfrauenau 1722 von seinem kinderlosen Bruder
Christian (1668–1730), Hüttenherr auf Frauenau seit 1708. Seit 1732 besaß Georg Wilhelms Sohn
Johann Michael (1709–87), seit 1776 dessen jüngster Sohn
Georg Benedikt (1749–1830) das Gut Oberfrauenau, das unter ihm 1785 zur Hofmark erhoben wurde. Georg Benedikt erhielt gemeinsam mit seinen drei Brüdern,
u. a. Johann Martin (1738–1819),
Dr. iur. utr. , kurpfalzbayer.
Wirkl. Hofkammerrat, Verwalter des Hofbräuhauses in München, und
Joseph Anton (1741–1810), Kaufmann in Passau, 1790 den erblichen Reichsadel. Georg Benedikts Sohn
Johann Michael (1794–1863), Landtagsabgeordneter 1856–61, übernahm die Hofmark Frauenau 1829, erbaute als dritte Hütte auf dem Gut eine Spiegelfabrik und 1848 eine vierte Hütte, die heute noch arbeitet. Seine fünf Söhne errichteten ein Familienfideikommiß, das der jüngste Sohn
Georg Benedikt (1845–1900), seit 1873 erblicher Reichsrat, führte. Sein ältester Bruder
Michael (1834–1908) erwarb 1861 die Hütte Theresienthal, die bis 1963 im alleinigen Familienbesitz blieb. Das Gut Frauenau erbte 1900 sein Bruder
Eduard Ferdinand (1842–1917), 1901 in den erblichen Freiherrenstand erhoben, der es 1901 an seinen Sohn
Eduard Benedikt (1869–1942, verheiratet mit Elisabeth
Gfn. v. Bray-Steinburg, 1877–1959) übergab. 1935 fiel dieser Besitz an Eduard Benedikts Sohn
Hippolyt (1908–90), 1968-82 Präsident des
bayer. Senats, 1969-82 Vorstandsmitglied der
CSU, tatkräftiger Förderer von Land- und Forstwirtschaft
u. a. als Vorsitzender des
Bayer. Waldbesitzerverbandes 1960–82. Sein Nachfolger im Besitz ist seit 1980 sein Sohn
Stephan (
* 1939). Die Hütte Buchenau, 1629 von Hans Preißler, verschwägert mit der Familie
P., gegründet und seit 1808 durch Heirat wieder im Besitz der Familie
P., erlangte unter der
|Leitung von
Ferdinand (1857–1921) Weltgeltung in der Produktion von farbigem Flachglas.
Die Familie
P. prägte die Glasproduktion des
Bayer. Waldes, zu einem kleineren Teil auch des Böhmerwaldes, nachhaltig bis heute. Im letzten Drittel des 19.
Jh. gewann das Glas des
Bayer. Waldes, das sich bis dahin stilistisch eng an das
böhm. Glas angelehnt hatte und mit Hilfe von meist
böhm. Fachkräften erzeugt wurde, zunehmend eigenes Profil. Neben dem Tafel- und Spiegelglas bildete unter Führung der Theresienthaler Hütte zartgefärbtes und bunt bemaltes Opal- und Alabasterglas einen Produktionsschwerpunkt, dann folgten die Gestaltungen und Dekorationen des Historismus mit dem emailbemalten „altdeutschen Glas“ und gegen Ende des Jahrhunderts Formen des Jugendstils, für welche die Poschinger-Hütten um die Jahrhundertwende führend waren. Ein weiterer Schwerpunkt der Oberzwieselsauer Hütte waren Serien luxuriöser Trinkgläser („Byzantin. Gläser“). 1882 und 1906 wurden die Erzeugnisse auf den
Bayer. Landes-, Gewerbe- und Kunstausstellungen in Nürnberg sowie auf der Deutsch-Nationalen Kunstgewerbeausstellung in München 1888 mit Goldmedaillen ausgezeichnet. Die Buchenau- und die Spiegelhütte waren
u. a. berühmt wegen ihres farbigen Tafelglases und ihrer Jugendstilvasen. Für die Poschinger-Hütten arbeiteten Künstler wie Hans Christiansen (1866–1945), Richard Riemerschmid (1868–1957), Julius Diez (1870–1957) und Karl Schmoll
v. Eisenwerth (1879–1947). Die Hütten des Gutes Oberzwieselsau mußten nach Produktionsunterbrechung durch den 1. Weltkrieg 1925 und diejenigen des Gutes Buchenau 1933 aus wirtschaftlichen Gründen von der Witwe Ferdinands,
Juliane (1858–1934), aufgegeben werden.
Zur Familie gehört auch der
kaiserl. Geh. Regierungsrat im Reichsamt des Innern,
Dr. iur. Heinrich (1845–1911, s. Wi. 1911; BJ 16,
Tl.;
Kürschner, Lit.-Kal.,
Nekr. 1901–35;
NDB 13
*), einer der publizistischen Mitarbeiter und frühen Biographen Bismarcks.
Literatur ↑
K. Rr.
v. Poschinger,
Verz. sämtl.
Mitgl. d.
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Autor ↑
Kurt Pittrof, Maria SchimkeEmpfohlene Zitierweise ↑
Pittrof, Kurt; Schimke, Maria, „Poschinger von Frauenau“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
649 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd139799958.html