<< Pohlig, Julius
Pohlmann, Hermann >>
Pohlmann, Bruno
Physiker,
* 12.3.1884 Oranienburg,
† 12.5.1958 München.
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Leben ↑
P. studierte seit 1904 an der
Univ. Berlin Naturwissenschaften und Mathematik. 1911 habilitierte er sich für Mathematik und Physik und begann im Juni 1912 seine berufliche Laufbahn bei der
Fa. Siemens & Halske in Berlin. Er trat als Physiker in das „Pupin-Laboratorium“ des „Wernerwerks“ ein und beschäftigte sich dort unter anderem mit der praktischen Durchbildung des von Michael Pupin (1858–1935) erdachten Systems zur Verbesserung des Fernsprech-Weitverkehrs auf Kabeln mit Hilfe der
sog. Pupinspulen.
P. setzte sich insbesondere dafür ein, daß bei Siemens die Entwicklung von Verstärkern für den Fernsprechbetrieb vorangetrieben wurde. 1916 bewährten sich die ersten Zwei
|draht- und Vierdrahtverstärker. Zur Verwendung kamen dabei seit 1916 Hochvakuum-Röhren als Weiterentwicklung der temperaturabhängigen und unhandlichen Lieben-Röhren, seit 1919 wurden die wirtschaftlicheren BF- und BO-Röhren eingesetzt.
P. leistete herausragende Entwicklungsarbeit im Bereich spezieller Schaltungen für Verstärker und Maßnahmen zur Störungsunterdrückung bei deren Anwendung. Als Beispiele seien das „Erdungspatent“ (Schaltungsanordnung f. elektr. Verstärkung,
DRP 300 143, 1916), das „Hüllenpatent“ (Anordnung
z. Verhütung störender Rückkoppelungserscheinungen in Verstärkeranlagen,
DRP 304 307, 1916) und das Patent „Anordnung zur Verhütung der Selbsterregung in Kaskadenschaltungen“ (
DRP 300 621, 1916) genannt. 1920 begann man bei Siemens mit der Installation von Verstärkerämtern. Da die genannten Patente auch von besonderer Bedeutung für den Tonfilm waren, kam es nach der 1928 erfolgten Gründung der „Klangfilm
GmbH“ durch Siemens & Halske und die AEG im In- und Ausland zu mehreren Patentprozessen. Diese wurden 1930 in einer Übereinkunft zwischen Siemens & Halske und Western Electric („Pariser Filmfrieden“) beigelegt.
1923 wurde
P. in die Leitung des 1921 gegründeten Zentral-Laboratoriums berufen. Gemeinsam mit Karl Küpfmüller (1897–1977) beeinflußte er in der Folgezeit die Entwicklung auf dem Gebiet der Weitverkehrstechnik maßgeblich. 1929-33 leitete er die Abteilung für Schwachstromkabel innerhalb der 1921 gebildeten „Siemens-Kabel-Gemeinschaft“ (SKG). Danach übernahm er als Nachfolger von Hermann
v. Siemens bis 1936 die Leitung des Zentral-Laboratoriums, wurde dann Geschäftsführer der „Siemens Apparate u. Maschinen
GmbH“ (SAM) und 1940 der aus der SAM heraus gegründeten „Luftfahrtgerätewerk Hakenfelde
GmbH“, 1941 Stellvertretendes Vorstandsmitglied von Siemens & Halske und Leiter des Wernerwerks für Fernsprechgeräte, 1947
o. Vorstandsmitglied. Nach Ende des 2. Weltkriegs war
P. bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand 1953 in Berlin für den Wiederaufbau der Laboratorien und Fabriken zuständig
|Auszeichnungen ↑
Gauß-Weber-Denkmünze d.
Univ. Göttingen (1933); Dr.-
Ing. E. h. (
TH Karlsruhe 1950); Philipp-Reis-Plakette d.
Dt. Bundespost (1956).
Werke ↑
u. a.
Die Verstärkerrohre d. Fernmeldetechnik, in: Siemens-
Zs. 2, 1922, S. 3-12 (mit A. Gehrts);
Das Verstärkerrohr, in: Elektrotechn.
Zs. 45, 1924, S. 334 f. (mit G. Gruschke);
Sprachübertragung in langen Fernkabelleitungen,
ebd. S. 135-37 (mit K. Höpfner);
Verstärkerämter, in: Telegraphen- u. Fernsprech-Technik 12, 1923,
Nr. 5, S. 21-28,
Nr. 6, S. 29-32;
Grundlagen f. d. Beurteilung
v. Fernsprechverstärkern, in: Elektr. Nachrr.technik 3, 1926, S. 9-21 (mit W. Deutschmann);
Stand d. Verstärkeramtstechnik,
ebd. S. 88-94;
Über Pupinseekabel, in: P. Craemer u. A. Franke (
Hg.),
Dt. Btrr. z. Internat. Tagung d. Fernmeldetechniker, 1927, S. 39-46;
Niederfrequenzverstärker, in: K. W. Wagner (
Hg.), Die
wiss. Grundlagen d. Rundfunkempfangs, 1927, S. 354-68.
Literatur ↑
H. F. Mayer, in: Elektrotechn.
Zs. A 79, 1958, S. 581 f.;
E. Hölzler, Die Nachrr.technik in Berlin,
ebd. A 89, 1968, S. 638-46. H. Nottebrock, Fünfzig J. Verstärkertechnik im Hause Siemens, T. 1, Die Verstärkerelemente, in: Siemens-
Zs. 35, 1961, S. 63-68, T. 2, Die Pionierzeit d. Verstärkerentwicklung,
ebd. S. 732-35;
Lex. d. Elektrotechniker.
Portraits ↑
Foto im Siemens Forum München.
Autor ↑
Lothar SchoenEmpfohlene Zitierweise ↑
Schoen, Lothar, „Pohlmann, Bruno“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
589 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd127776605.html