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Denhardt, Gustav Clemens Andreas

Kolonialpionier, * 3.8.1852 Zeitz, 7.6.1928 Bad Sulza. (lutherisch)


GenealogieLebenLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Karl Gustav (1809–70), Gendarm, Steuererheber, S des Joh. Andr., Bürger u. Schönfärber in Minden, u. der Marg. Charl. Wix; M Johanne Wilh., T des Adam Heinr. Weber, Zeug-, Leinen- und Wollenweber in Zeitz, u. der Joh. Sophie Nehring; B Gustav (1856–1917), Mitarbeiter seines Bruders; ledig.

Leben  
Schon während ihres Ingenieurstudiums in Berlin für Übersee interessiert, richteten sich die Pläne der Brüder Denhardt, nach Scheitern ostasiatischer Reisepläne, auf Ostafrika, angeregt durch den Afrikaforscher O. Kersten. Von den durch deutsche Kaufleute und Reisende erkundeten Landstrichen schien das Sultanat Witu/Tana, heute Kenia, die besten Voraussetzungen und Möglichkeiten zu bieten für koloniale Erwerbungen, da dessen Sultan|bereit 1865 preußischen Schutz angestrebt hatte. Unterstützt von seinem Bruder und dem landeskundigen Arzt G. A. Fischer organisierte Denhardt mehrere Expeditionen in das Tanagebiet (1876/77, 1878/79 und nach gründlicher, aber schleppender Vorbereitung 1884/85), mit dem Ergebnis, daß für Witu und Lamu (1300 qkm) ein kaiserlicher Schutzbrief im Mai 1885 ausgestellt wurde, also wenige Wochen nach dem für Deutsch-Ostafrika an C. Peters. Mangelnde finanzielle Unterstützung in der Heimat, schließlich beseitigte Einsprüche des Sultans von Sansibar und starke entgegenstehende englische Interessen verhinderten eine Ausweitung des Witu-Schutzgebietes, dessen Hoheitsrechte inzwischen von den Brüdern Denhardt an die Deutsche Witu-Gesellschaft abgetreten worden waren. So blieb Witu deutsche Enklave im englischen Einflußbereich und scheint früh als Kompensationsobjekt und verlorener Posten von der amtlichen deutschen Politik bewertet worden zu sein. Denhardt selbst wurde Bevollmächtigter und Beamter des Sultans und kam rasch zu Vermögen. Die Überlassung an England (1890) im Rahmen des deutsch-englischen Interessenausgleichs (Helgoland-Sansibar) kam für die Begründer völlig überraschend, enttäuschte sie schwer und brachte sie an den Rand des Ruins, da deutscherseits versäumt worden war, ihre privaten Rechte und Ansprüche vertraglich durch England anerkennen und entschädigen zu lassen. Ein blutiger Aufstand, der 9 deutsche Opfer forderte, zwang sie, ihre Niederlassungen im Stich zu lassen. Die folgenden Jahrzehnte im Leben der Brüder sind erfüllt vom vergeblichen Kampfe um Wiedergutmachung ihrer Verluste durch das Deutsche Reich. Gleichzeitig betätigten sie sich von neuem erfolgreich in Deutsch-Ostafrika, bis der Weltkrieg sie 1919 durch Enteignung abermals schwer traf.

Literatur  
H. Schreiber, D.s Griff nach Afrika, 1938; R. Schmidt, Kolonialpioniere, Persönl. Erinnerungen, 1938; L. v. Caprivi, Der Helgoland-Sansibar-Vertrag, 1938.

Autor  
Erwin Mai
Empfohlene Zitierweise  

Mai, Erwin, „Denhardt, Gustav Clemens Andreas“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 594 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116071141.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 594 f.

PND: 116071141
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Index

Denhardt, Clemens

Name: Denhardt, Clemens
Namensvariante: Denhardt, Gustav Clemens Andreas
Lebensdaten: 1852 bis 1928
Geburtsort: Zeitz
Sterbeort: Bad Sulza
Beruf/Lebensstellung: Afrikaforscher
Konfession: lutherisch
Autor NDB: Mai, Erwin
PND: 116071141

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Denhardt, Clemens

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116071141

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