<< Peters, Hans Carl Maria Alfons
Peters, Albrecht >>
Peters, Karl Albert Josef
Jurist, Strafrechtler,
* 23.1.1904 Koblenz,
† 2.7.1998 Münster.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
B Hansf (s. 1); –
⚭ Münster 1930 Hatwig (1906–97),
T d. Aloys Meister (1866–1925),
Prof. d.
Gesch. in
M. (s.
NDB 16), u. d. Paula Tilmann (
* 1880); 2
T .
Leben ↑
Nach dem Abitur am Gymnasium Paulinum in Münster studierte
P. Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Königsberg, Leipzig und Münster. 1925 und 1929 legte er die beiden Juristischen Staatsprüfungen ab; 1927 wurde er mit einer staatsrechtlichen Dissertation in Münster promoviert. Anschließend war er als Staatsanwalt in Münster, Essen, Koblenz und Köln tätig. Er habilitierte sich 1931 an der
Univ. Köln mit einer Arbeit über die kriminalpolitische Stellung des Strafrichters bei der Bestimmung der Strafrechtsfolgen und folgte 1942 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozeßrecht an der
Univ. Greifswald. Nach dem 2. Weltkrieg warP. zunächst in der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes in Freiburg (Br.) tätig, bevor er 1946 zum Ordinarius für Strafrecht und Strafprozeßrecht an die
Univ. Münster berufen wurde. Nebenamtlich war er bis 1962 Richter am Oberlandesgericht Hamm. 1962 nahm er einen Ruf an die
Univ. Tübingen an.
P. gründete und leitete hier die Forschungsstelle für Strafprozeß und Strafvollzug. Er war zugleich Mitglied der Amtlichen Strafvollzugskommission. Nach seiner Emeritierung 1972 kehrte er nach Münster zurück.
P. war einer der bedeutendsten Strafrechtler der Nachkriegszeit und Nestor der deutschen Strafprozeßlehre sowie der Kriminalpädagogik. Seine wissenschaftliche Tätigkeit umfaßte neben dem Strafrecht insbesondere den Strafprozeß und den Strafvollzug. Auch zum
|Jugendstrafrecht und Jugendhilferecht, zur Kriminologie und zur Kriminalistik hat er wegweisende Veröffentlichungen vorgelegt. Maßstäbe setzte vor allem die im Auftrag des Bundesjustizministeriums durchgeführte empirische Erforschung der „Fehlerquellen im Strafprozeß“, deren dreibändige Publikation (1970–74) als Jahrhundertwerk gilt und bleibende Erfahrungen zum Beweis und zur Beweiswürdigung enthält.
P. entstammte einem betont
kath. Elternhaus; seine christliche Verwurzelung prägte sein gesamtes wissenschaftliches Werk. So läßt sich auch die Ordnung des Strafprozesses nach
P. nicht allein vom Rechtlichen her verstehen; vielmehr ist der Strafprozeß bei ihm Teil eines insbesondere von Ethik, Psychologie und Philosophie geprägten wertorientierten Gesamtsystems. Eingang fanden diese Gedanken ebenso wie die Fehlerquellenlehre und das von
P. vertretene Postulat einer Einheit von materiellem Strafrecht und Strafprozeßrecht vor allem in sein Lehrbuch des Strafprozesses (1952,
41985). Bis ins hohe Alter übernahm
P. auch immer wieder (meist unentgeltliche) Strafverteidigungen insbesondere für Angehörige von Randgruppen
|Auszeichnungen ↑
Dr. phil. h. c. (Marburg 1984);
Dr. med. h. c. (Münster 1989); Beccaria-Medaille in Gold d.
Dt. Kriminolog.
Ges. (1973); Gr.
BVK (1974); Komturkreuz mit Stern d. Sylvesterordens (1975).
Werke ↑
Die
kriminalpol. Stellung d. Strafrichters
b. d. Bestimmung d. Strafrechtsfolgen, 1932;
Zeugenlüge u. Prozeßausgang, 1939;
Grundproblema d. Kriminalpädagogik, 1960;
Die strafrechtsgestaltende Kraft d. Strafprozesses, 1963;
Fehlerquellen im Strafprozeß, Eine
Unters. d. Wiederaufnahmeverfahren in d. Bundesrepublik
Dtld., I, 1970, II, 1972, III, 1974;
Justiz als Schicksal, Ein Plädoyer f. d. andere Seite, 1979;
Die Stellung d. Arztes in d. forensisch-psychiatrischen Krankenhaus, in: Strafverfahren im Rechtsstaat,
FS f. Th. Kleinknecht, 1985, S. 341-53;
Gedanken
z. „Normalität d. Verbrechens“, Ein
Btr. z. Ethik d. Strafverfahrens, in:
FS f. K. Lackner, 1987, S. 951-63;
Reaktion u. Wechselspiel, Zur Problematik d. Begriffs „Querulant“ aus strafprozessualer Sicht, in: Recht u. Rechtsbesinnung,
Gedächtnisschr. f. G. Küchenhoff (1907–1983), 1987, S. 457-69;
Einige Gedanken
z. Strafe, in: Strafe, Tor
z. Versöhnung?, 1988, S. 124-39;
Strafrechtspflege u. Menschlichkeit, Ausgew.
Schrr., 1988;
Die Tat, Fundament kriminolog. Forschung, in: Kriminalität, Persönlichkeit,
Lebensgesch. u. Verhalten,
FS f. H.
Göppinger, 1990, S. 443-52;
„Gericht“ u. „Richter“, Institution u. Persönlichkeit, in:
Gedächtnisschr. f. K. Meyer, 1990, S. 331-43;
Gedenken u. Gedanken, Zur Problematik d. Urteilsfindung, in:
FS f. J. Baumann, 1992, S. 319-27;
Der Wandel d. Gewissensbegriffs, in:
Btrr. z. Rechtswiss.,
FS f. W. Stree u. J. Wessels, 1993, S. 3-10.
Literatur ↑
J. Baumann u. K. Tiedemann (
Hg.), Einheit u. Vielfalt d. Strafrechts,
FS f. K.
P. z. 70.
Geb.tag, 1974
(W-Verz., P);
K. Wasserburg u. W. Haddenhorst (
Hg.), Wahrheit u. Gerechtigkeit im Strafverfahren,
FS f. K.
P. aus Anlaß seines 80. Geb.tages, 1984
(W-Verz., P);
J. Baumann, Ein reiches u. umfassendes Werk,
ebd., S. 1-4;
ders., in:
NJW 42, 1989, S. 210 f.;
K. Rehbein, in:
Mschr. f.
Kriminol. u. Strafrechtsreform 81, 1998, S. 377-80;
K. Tiedemann, in:
NJW 37, 1984, S. 161 f.;
ders.,
ebd. 47, 1994, S. 237;
ders.,
ebd. 51, 1998, S. 2956 f.;
ders., Der Strafprozeß im Denken
v. K. P, in:
Juristenztg. 55, 2000, H. 3, S. 139 ff.;
U. Weber,
ebd. 53, 1998, S. 892-93;
K. Wasserburg, Erinnerungen an
Prof. Dr. K.
P., in: Strafverteidiger 19, 1999, S. 176-79;
K. Kühl, K. Tiedemann u. Ch. Richter, Zum Gedenken an
Prof. Dr. iur. Dr. med. h. c. Dr. phil. h. c. K.
P. (1904-1998), 2000.
Autor ↑
Klaus TiedemannEmpfohlene Zitierweise ↑
Tiedemann, Klaus, „Peters, Karl Albert Josef“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
241 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118740237.html