<< Paul.
Paul, Wolfgang >>
Paul, Theodor
Nahrungsmittelchemiker, Pharmazeut,
* 13.2.1862 Lorenzkirch bei Strehla/Elbe (Sachsen),
† 30.9.1928 München,
⚰ Lorenzkirch.
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Simeon Fürchtegott (1814–90), seit 1853 Pfarrer in
L., Leinenwebers-
S aus Nassau;
M Auguste Sophie Heyme;
B Carl (1857–1927), Dr.
h. c., Pfarrer in
L., seit 1901
Dir. d, Leipziger Mission; -
⚭ 1907 Elisabeth (1884–1959),
T d. Georg Wilhelm Ruppel, Oberpfarrer, u. d. Eugenie Emma Johanna Rausch; 3
S,
u. a. Wolfgang (s. 2), 3
T .
Leben ↑
Nach der Obersekunda absolvierte
P. eine Apothekerlehre und konditionierte nach der Apothekergehilfenprüfung (1884) drei Jahre im In- und Ausland. Nach dem Militärdienst
|studierte er in Leipzig Pharmazie (Staatsexamen 1889), danach Chemie und wurde 1891 mit einer von Ernst Beckmann angeregten Dissertation (
Btrr. zum Verhalten von Ketonen u. Aldehyden gegenüber metallischem Natrium bei Gegenwart indifferenter Lösungsmittel) promoviert. Seit 1893 studierte er neben der Assistententätigkeit bei Wilhelm Ostwald, wo er sich 1894 mit der Arbeit „Untersuchungen über fraktionierte Fällung“ habilitierte, zusätzlich Medizin (Staatsexamen 1898). 1895 erhielt
P. auch die Approbation als Nahrungsmittelchemiker. 1897 wurde er Assistent Beckmanns am neugegründeten Laboratorium für Angewandte Chemie in Leipzig und folgte 1898 einem Ruf auf das Extraordinariat für analytische und pharmazeutische Chemie der
Univ. Tübingen, wo er 1901 auch den medizinischen Doktorgrad erwarb. Die Dissertation „Entwurf zur einheitlichen Werthbestimmung chemischer Desinfektionsmittel“ war sowohl gesundheitspolitisches Programm wie Anleitung zur hygienischen Praxis. 1902 wurde
P. als Direktor der naturwissenschaftlichen Abteilung an das
Kaiserl. Gesundheitsamt in Berlin berufen und zugleich zum Mitglied des Reichsgesundheitsrates ernannt. In dieser Funktion wirkte er maßgebend an den Deutschen Arzneibüchern 5 (1910) und 6 (1926) mit. 1905 folgte er einem Ruf als Nachfolger Albert Hilgers auf den Lehrstuhl für Pharmazie und Angewandte Chemie der
Univ. München. Damit verbunden war die Leitung der 1884 gegründeten
Staatl. Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel, die sich vor allem mit der Überwachung der Nahrungsmittelgesetzgebung befaßte. Während des 1. Weltkriegs stellte
P. Mängel bei der Lagerung, Konservierung und Verarbeitung von Lebensmitteln fest. Aufgrund seiner Initiative entstand 1918 die Stiftung „Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie“, deren Leitung
P. übernahm. Auch wenn Universitätsinstitut und Untersuchungsanstalt nach dem Krieg schrittweise ausgebaut wurden, erwiesen sich die Arbeitsbedingungen vor allem in der Forschungsanstalt als unzureichend. Über 100 Veröffentlichungen aus der pharmazeutischen Chemie, der Desinfektion und der Lebensmittelchemie dokumentieren die Forschungsergebnisse der drei Institute. Auf
P.s Anregung gehen die Ionenangaben bei Mineralwässern zurück, die im Gegensatz zu den älteren Salztabellen eine objektive Angabe der Zusammensetzung ermöglichen. Er setzte sich auch für eine einheitliche Bewertung und Normung von Arzneimitteln sowie die Beschränkung von Haltbarkeit und Reinheit auf die praktischen Bedürfnisse ein. Daneben übte
P. eine umfangreiche Beratertätigkeit aus. Er gehörte dem
Bayer. Obermedizinalausschuß, den Reichsausschüssen für Weinforschung und Ernährungsforschung sowie dem Gesundheitsrat der Stadt München an. Durch die zahlreichen Ämter in der eigenen Forschung sehr eingeschränkt, widmete er sich dennoch intensiv der wissenschaftlichen Ausbildung der Studierenden.
|Auszeichnungen ↑
Geh. Reg.rat (1902) u.
Obermed.rat (1912);
Mitgl. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. (
ao. 1918,
o. 1921);
Ehrenmitgl. d.
Dt. Apotheker-
Ver. (1912);
Ehrenvors. d. Münchener Pharmazeut.
Ges.;
Ehrenmitgl. d. Sociedad Española de Fisica y Quimica (1921); Dr.
Ing. E. h. (
TH Dresden, 1928).
Werke ↑
Weitere W
Das neubegr. Laboratorium f.
angew. Chemie an d.
Univ. Leipzig, 1899 (mit E. Beckmann);
Die Bedeutung d. Jonentheorie f. d. physiolog. Chemie, 1901;
Nahrungsmittelchemie, mit
bes. Berücksichtigung d. modernen physikal.-
chem. Lehren, 1914;
Die
Unters. d. Arzneimittel d.
Dt. Arzneibuches 6, 1927.
Literatur ↑
C. Drucker, Die
dt. Forschungsanstalt f. Lebensmittelchemie, in: Die Umschau 22, 1919, S. 502-04;
K. A.
v. Müller (
Hg.), Die
wiss. Anstalten d. Ludwig-Maximilians-
Univ. zu München, 1926, S. 211-18, 271-78, 322-28;
Apotheker-
Ztg. 43, 1928, S. 1231;
H. Thoms, in:
Berr. d.
dt. chem. Ges. 61 A, 1928, S. 146;
R. Dietzel,
ebd. 62 A, 1929, S. 7-11
(P);
A. Heiduschka, in: Chemiker-
Ztg. 52, 1928, S. 841;
F. Fischler, in: Münchener
med. Wschr 75, 1928, S. 1889 f.;
Pharmazeut.
Ztg. 73, 1928, S. 1885;
K. Täufel, in:
Zs. f. Angew. Chem. 41, 1928, S. 1253-55
(P);
ders., in:
Zs. f.
Unters. d. Lebensmittel 57, 1929, S. 265-68
(P);
O. Hönigschmid, in:
Jb. d.
Bayer. Ak. d. Wiss. 1928/29, S. 82-84;
B. Bleyer, in:
Zs. f. Elektrochemie 35, 1929, S. 61 f.;
R. Pummerer,
P. u. d. Entwicklung d. Lebensmittelchemie, in:
Geist u. Gestalt II. 1959, S. 217 f.;
G Kallinich, Das Vermächtnis Georg Ludwig Claudius Rousseaus an d. Pharmazie, Zweihundert J. Pharmazie an d.
Univ. Ingolstadt-Landshut-München 1760-1960, 1960, S. 102-13, 250-67, 440-42
(W, L);
A. Rhein, Zur Bedeutung d. Pharmazeuten A. Hilger u. Th.
P. als Lebensmittelchemiker,
Diss. Marburg 1938;
Th.
P. u. W. Ostwald in ihren Briefen,
hg. v. K. Hansel
u. a., 1998;
Dt. Apotheker-Biogr. II;
Pogg. IV-VI.
Autor ↑
Michael EngelEmpfohlene Zitierweise ↑
Engel, Michael, „Paul, Theodor“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
109 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116061278.html