<< Patow, Erasmus Robert Freiherr von
Pattberg, Heinrich >>
Patsch, Carl Ludwig
Archäologe und Historiker,
* 14.9.1865 Kowatsch (Kovač) bei Irtschin (Jičin, Böhmen),
† 21.2.1945 (Luftangriff) Wien. (katholisch)
Genealogie
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| Werke
| Literatur
| Quellen
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Ursprüngl. aus Tirol stammende
Fam.;
V Ludwig (1832-
v. 1941), aus Komerau (Komárov, Böhmen),
|seit 1870 Distriktsverw. d.
poln. Fürsten Lubartowicz-Sanguszko, übersiedelte
n. Maratschowska (Wolhynien),
fürstl. Güteroberdir., seit 1874 in Slawuta;
M Antonia Typlt (1843-
v. 1941);
⚭ Samobor (Kroatien) 1894 Zora (1877–1969),
T d. Michael Jakopec (Jakobec) u. d. Theresia
N. N., beide aus Samobor; 1
S, 1
T .
Leben ↑
P. besuchte die deutsch-
russ. Volksschule in Slawuta, anschließend das Piaristengymnasium in Prag. Seit 1885 studierte er Geschichte und Geographie an der
Univ. Prag, wo er 1889 bei Julius Jung über „Strabos Quellen zur Geschichte seiner Zeit“ promoviert wurde. Vermittelt durch den Archäologen Wilhelm Klein, kam
P. zu Eugen Bormann und Otto Benndorf an das Wiener archäologisch-epigraphische Seminar, dem er 1889/90 als Stipendiat und 1890-92 als Assistent angehörte. Nach Studienreisen in Istrien und Bosnien und seiner Lehramtsprüfung in Innsbruck trat
P. 1893 ein Reisestipendium nach Italien an. Im selben Jahr erhielt er eine Anstellung als Gymnasiallehrer in Sarajewo mit der Verpflichtung, sich der
röm. Altertümer in Bosnien anzunehmen. 1898 vom Schuldienst beurlaubt und als wirklicher Kustos ins bosnisch-herzegowin. Landesmuseum übernommen, rettete er im Zuge einer regen Grabungstätigkeit zahlreiche bedeutende Denkmäler wie das Bindus-Heiligtum an der Privilicaquelle bei Bihać (1895) oder das Mithräum von Konjica (1897), vor allem aber die Ruinen von Mogorjelo (1899–1914), deren Konservierung durch
P. für die damaligen Verhältnisse vorbildhaft war. 1900 nahm er als offizieller Vertreter Bosniens an der Pariser Weltausstellung teil und war 1902 Mitglied der archäologischen Expedition im Rahmen des Projektes der „Tituli Asiae Minoris“.
P. begründete 1904 das „Bosnisch-herzegowin. Institut für Balkanforschung“ in Sarajewo und baute es als Direktor (1904–18) durch eine umfangreiche Bibliothek sowie Sammlungen von Handschriften, Archivalien, Photographien und wertvollen Karten zu einem Zentrum der wissenschaftlichen Forschung aus. Rufe an die Deutsche Universität in Prag 1910 und 1917 nahm
P. nicht an. Infolge des 1. Weltkriegs mußte
P. 1919 nach Wien zurückkehren, wo er 1920 an der Hochschule für Welthandel einen Lehrauftrag für Länder- und Völkerkunde, politische Geschichte, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte von Südosteuropa erhielt. 1921 wurde er an der
Univ. Wien als Nachfolger von Konstantin Jireček zum Ordinarius für
slaw. Geschichte und Altertumskunde mit besonderer Berücksichtigung der Balkanländer ernannt (1926/27 Dekan; 1934 emeritiert). 1922 entsprach
P. einem Ersuchen der alban. Regierung zur Einrichtung eines Nationalmuseums in Tirana und zur Organisation einer planmäßigen „Landesdurchforschung“ Albaniens. –
Mitgl. d.
Österr. Ak. d. Wiss. (
korr. 1924,
wirkl. 1928), d.
Dt. Archäol. Inst. (
korr. 1897, wirk. 1902) u. d.
Österr. Archäol. Inst. (
korr. 1899,
wirkl. 1905); Obmann d. antiquar.
Abt. d. Balkankomm. (1936–10).
Werke ↑
Archäol.-epigraph.
Unterss. z. Gesch. d.
röm. Prov. Dalmatien, 8 T., in:
Wiss. Mitt. aus Bosnien u. d. Hercegovina 4-12, 1896-1912;
Die Lika in
röm. Zeit, in;
Schrr. d. Balkankomm., antiquar.
Abt. 1, 1900;
Das Sandschak Berat in Albanien,
ebd. 3, 1904;
Zur
Gesch. u. Topogr.
v. Narona,
ebd. 5, 1907;
Hist. Wanderungen im Karst u. an d. Adria I, 1922;
Btrr. z. Völkerkde. v. Südosteuropa, 6 T., T. 1-2 in:
Anz. d.
Österr. Ak. d. Wiss.,
phil.-
hist. Kl., 1925, S. 69-77, 181-216, T. 3-6 in:
SB d.
Österr. Ak. d. Wiss.,
phil.-
hist. Kl., 208/2, 1928, 209/5, 1929, 214/1, 1932, 215/3, 1933, 217/1, 1937;
Aus d. alban.
Nat.mus., in: Jahreshh. d.
Österr. Archäol. Inst. 23, 1926, Beibl.
Sp. 209-30;
Das Bosnisch-herzegowin.
Inst. f. Balkanforsch, in Sarajewo u. d.
Inst. f.
Balkankde. in Wien, in: Leipziger
Vj.schr. f. Südosteuropa 3, 1939, S. 248 ff;
–
weitere Art. in: Pauly-Wissowa, Realenz.;
Archäol.-epigraph.
Mitt. aus
Österr.-Ungarn;
Wiss. Mitt. aus Bosnien u. d. Hercegovina, Jahreshh. d.
Österr. Archäol. Inst.Literatur ↑
E. Gerland, Das Bosnisch-Hercegovin.
Inst. f. Balkanforsch, in Sarajevo, in:
DLZ 1915, S. 429 ff.;
R. Egger, in:
FF 16, 1940, S. 295 f.;
ders., in:
Alm. d. Wiener
Ak. d. Wiss. 1945, 1947, S. 163 ff.
(W-Verz., P);
G. Stadtmüller, in: Wort u. Wahrheit 3, 1948, S. 369 ff.;
A. Hajek, in: Südost-
Forsch. 12, 1953, S. 263 ff.;
ders., Die Wiener Balkanforsch, u. ihre Hauptvertreter Josef Konstantin Jireček u. C. R., in:
Österr. Osthh. 6, 1964, S. 168-76;
B. Sana, in: Südostdt. Heimatbll. 2, 1953,
Nr. 2, S. 42 f.;
G. Berka, 100 J.
Dt. Burschenschaft in
Österr., 1959, S. 73 f.;
Kosch, Kath. Dtld.;
H. Partisch, Österreicher aus sudetendt. Stamme. III, 1966;
J. Filip, Encyclopäd.
Hdb. z. Ur- u.
Frühgesch. Europas, II, 1969;
OBL;
Biogr. Lex. Böhmen;
Hist. Lex. Wien;
|Quellen ↑
Qu Univ.archiv Wien;
Österr. StA,
Allg. Verw.archiv;
Österr. Nat.bibl.,
Autographenslg.;
Wiener Stadt- u. Landesarchiv.
Portraits ↑
Phot. v. T. Bauer, 1927 (
Österr. Nat.bibl., Bildarchiv).
Autor ↑
Hubert Daniel SzemethyEmpfohlene Zitierweise ↑
Szemethy, Hubert Daniel, „Patsch, Carl Ludwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
20
(2001), S.
101 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11605882X.html