<< Amsler, Samuel
Amthor, Eduard Gottlieb >>
Amthor, Christoph Heinrich (Anastasius Sincerus)
Rechtsgelehrter, getauft 14.12.1677 Stolberg (Harz),
† 21.2.1721 Kopenhagen (Rosenborg), begraben
St. Petri. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Joachim Huldreich Amthor (1631–94), Gräflich Stolbergischer Hofrat und Kanzler;
M Anna Maria Parthesius (1654–90);
⚭ 1) Anna Görritz (
† 1702), 2)
T des Professor Nikolaus Martini, Staatsrechtler an der Universität Kiel.
Leben ↑
Von einem Oheim in Rendsburg erzogen, studierte Amthor die Rechte in Kiel, wo er der Nachfolger seines Schwiegervaters wurde. Seine 1708 erschienene „Dissertatio politica de habitu superstitionis ad vitam civile" wurde von der protestantischen Geistlichkeit, die ihn des Atheismus beschuldigte, heftig angegriffen. Infolge seiner Parteinahme für die Kopenhagener Regierung ernannte ihn König Friedrich IV. zum Historiographen, Amtmann und Präsidenten. Gegen die Ritterschaft gerichtet ist sein „Historischer Bericht von dem vormaligen und gegenwärtigen Zustande der schlesswig-hollsteinischen Ritterschaft und ihrer Privilegien" (1714). In einer Schrift „De jure und facto gegründeter Beweis der vielfältigen Treulosigkeiten, so das königlich dänische Haus von dem fürstlich holsteinischen-gottorpischen bisher erlitten" (1715) verfocht er die Interessen Friedrichs IV. gegen die gottorfische Linie. Der Gedichtband „Der in allen seinen Zweigen verherrlichte königlich oldenburgische Stammbaum“ (1716) enthält Hofpoesie, die dem Verfasser eine Berufung als Justizrat nach Kopenhagen eintrug. Eine zweite Gedichtsammlung „Poetischer Versuch einiger teutschen Gedichte“ (enthält
u. a. eine Übersetzung des 1. und 4. Buches der Aeneis) erschien zuerst 1717 in Flensburg im Druck (2., vermehrte Auflage Rendsburg 1734). Wertvoller ist Amthors „Project der Oeconomic in Form einer Wissenschaft nebst einem unmaßgeblichen Bedenken wie diese Wissenschaft beides in Theorie und Praxis mit mehrerem Fleiß und Nutz getrieben werden
|könne“ (1716). Seine „Geschichte Christians V. von Dänemark“ blieb ungedruckt.
Literatur ↑
ADB I; M. Güntz,
Hdb. d.
Landwirtschaftl. Lit. III, 1902, S. 29;
Goedeke III, 1887, S. 341
(W). Dansk Leks.Portraits ↑
Kupf. v. unbek. Künstler (Veste Coburg).
Autor ↑
Gerhard EisEmpfohlene Zitierweise ↑
Eis, Gerhard, „Amthor, Christoph Heinrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
263 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd129718025.html
<< Amsterdam, Nicolaus Theodorici
Amuel, Joseph >>
Amthor, Christoph Heinrich
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Amthor: Christoph
Heinrich
A.
, geb. zu Stolberg um
1678, † zu Kopenhagen 21. Febr. 1721. In Rendsburg bei einem
Oheim erzogen, studirte er in Kiel die Rechte und ward hier 1704
Prof. des Staatsrechts, als Nachfolger seines Schwiegervaters Nic.
Martini. Er hatte durch seine Parteinahme für die Kopenhagener
Regierung gegen die Gottorper und durch Gedichte gleicher Tendenz
die Augen König Friedrichs IV. auf sich
gezogen, der ihn 1713 zum königl. Historiographen und zum
Präsidenten und Amtmann von Rendsburg ernannte.
A.
verfaßte darauf während des schwedischen Krieges
mehrere Staatsschriften, die das Interesse der königl. Linie gegen
die Gottorpische ("In jure und facto gegründeter Beweis der vielfältigen
Treulosigkeiten, so das kön. Dänische Haus von dem fürstl.
hollstein-gottorpischen bisher erlitten". 1715), gegen die
Ritterschaft ("Historischer Bericht von dem vormahligen und
gegenwärtigen Zustande der schleßwig-hollsteinischen Ritterschaft
und ihrer Privilegien". 1714) und gegen Schweden vertraten. Die
hierbei verhandelten Fragen und die sich daran knüpfenden
Thatsachen in den Herzogthümern sind bekanntlich für die
Beurtheilung der schleswig-holsteinischen Erbfolgefrage von
entscheidender Wichtigkeit. — Man wollte
A.
schon 1715 nach Kopenhagen ziehen, er ging aber erst
1719 als Justizrath dorthin, wo er — ein Beweis für den Werth, den
man auf seine Arbeiten legte — seine Wohnung im Rosenburger Schloß
erhielt, aber schon nach 3 Jahren starb.
Unter seinen publicistischen Schriften, die Moller (s. u.)
verzeichnet, machte die "Dissertatio politica
de habitu superstitionis ad vitam civilem" (1708) einiges
Aufsehen, indem sie den höchsten Zorn der orthodoxen Geistlichkeit
erregte und ihrem Verfasser den Vorwurf des Indifferentismus, ja
des Atheismus zuzog.
Seine Gedichte: "Der in allen seinen Zweigen verherrlichte
königl. oldenburg. Stammbaum"; "Poetischer Versuch einiger
deutschen Gedichte und Uebersetzungen", 1716 und 1734, sind elende
Machwerke. Letztere Sammlung enthält außer einer Ubersetzung des
1. und 4. Buchs der Aeneis meistens Gelegenheitsgedichte, zum
Theil sehr unsauberer Art.
Seine Geschichte Christians V. von
Dänemark blieb nebst anderen Arbeiten Manuscript.
Literatur ↑
Moller, Cimbria litt. II. 36.
Autor ↑
v. L.
Empfohlene Zitierweise ↑
L., von, „Amthor, Christoph Heinrich“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
418
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd129718025.html?anchor=adb
Amthor, Christoph Heinrich
Name: Amthor, Christoph Heinrich
Namensvariante: Amthor, Christoph Heinrich Anastasius Sincerus
Lebensdaten: 1677 bis 1721
Sterbeort: Kopenhagen (Rosenborg)
Beruf/Lebensstellung: Jurist; dänischer Geschichtsschreiber
Konfession: lutherisch
Autor NDB:
Eis, GerhardAutor ADB:
L., vonPND: 129718025