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Agdollo, Peter Alosius Marquis d'
Leben
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Leben ↑
Agdollo: Peter Alosius
d'A., Marquis, Sohn des Gregorio d'Agdollo, eines Kaufmanns
zu Venedig und kursächs. Residenten bei der dortigen Republik,
trat in kursächs. Militärdienste, machte den 7jährigen Krieg mit,
wurde 1768 Major, 1769 Flügeladjudant des Prinzen Xaver und
Obrister der Schweizergarde. Er hatte sich am 6. Juni 1764 mit der
Wittwe des Feldmarschalls Rutowski (eines natürlichen Sohnes
August des Starken), einer geb. Fürstin Lubomirska vermählt, doch
ward dieses Ehebündniß auf Wunsch der letzteren geheim gehalten,
weil sie ihren Rang bei Hofe nicht einbüßen wollte. Er führte
deshalb einen eigenen Hausstand, lebte aber bei der geringen
jährlichen Pension von 600 Thlrn. auf großem Fuße und machte sich
durch seinen Aufwand und Verkehr mit angesehenen Personen am Hofe
sehr bemerkbar. Schon Prinz Xaver hatte ihn zu geheimen Missionen
gebraucht und die Kurfürstin-Wittwe, Marie Antonie, eine Tochter
Kaiser Karls VII. und Mutter des
regierenden Kurfürsten Friedrich August von Sachsen, ihn bei ihrer
Abwesenheit von Dresden mit mancherlei Aufträgen betraut.
Namentlich benutzte sie ihn im J. 1776 zu geheimen Verhandlungen
mit den Ministern ihres Sohnes, als es sich darum handelte, ihre
für 200000 Thlr. in Rom und den Niederlanden versetzten Juwelen
einzulösen und sie von einer Schuldenlast von mehr als 700000
Thlrn. durch Abtretung ihrer künftigen, auf viele Millionen
angeschlagenen Ansprüche an den Allodial-Nachlaß des kinderlosen
Kurf. Max Joseph von Baiern an ihren Sohn zu befreien. Der Marquis
war zwar durch offene Zurücksetzung bei Beförderung gegen den
Kurfürsten, besonders dessen Günstling, den Grafen Marcolini, sehr
erbittert, aber Intrigant wie er war, spielte er doch doppeltes
Spiel, verkehrte mit Marcolini viel und theilte geheim zu haltende
Briefe der damals im Auslande lebenden Kurfürstin-Wittwe über
diese Angelegenheit an ihn den sächs. Ministern mit, daneben
jedoch bat er den König von Preußen um Anstellung und bot sich ihm
als Spion an, scheint auch Verbindungen mit Wien gehabt und der
Kaiserin Maria Theresia, welche ebenfalls entfernte Ansprüche auf
jenen Nachlaß hatte, die der Kurfürstin gegen hohe Summen
angeboten zu haben.
Großes Aufsehen erregte daher seine am 16. Sept. 1776 erfolgte
plötzliche Verhaftung und Abführung auf die Festung Königstein;
er blieb bis an seinen am 27. Aug. 1800 erfolgten Tod
Staatsgefangener. Der Grund seiner Verhaftung wurde als tiefes
Geheimniß behandelt. Sogar seinen Ministern verschwieg der
Kurfürst die Ursache und die Gesandten auswärtiger Mächte
vermochten, wie ihre Berichte lehren, ihren Höfen nichts als
Gerüchte darüber mitzutheilen. Nur der Kurfürst und dessen Mutter,
auf deren Anregung die Verhaftung erfolgte, kannten d'Agdollo's
Vergehen. Der Kurfürst erklärte auch seinen Ministern, daß die
Sache nur ihn persönlich angehe, nichts mit jener
Erbschaftsangelegenheit zu thun habe und deshalb nicht vor den
Staatsrath gehöre. Es sind keine Untersuchungsacten vorhanden,
sind nach Allem auch nicht geführt worden. Ein katholischer
Geistlicher scheint den Gefangenen vernommen und dessen Aussagen
mündlich dem Kurfürsten hinterbracht zu haben, sodann von dem
Kanzler der Landesregierung auf Grund mündlicher Mittheilung des
Kurfürsten über d'Agdollo's Vergehen und Aussagen ein Gutachten
über die Strafbarkeit und Strafart abgegeben worden zu sein und
darauf der Kurfürst selbst seine Verurtheilung zu lebenslänglicher
Festungshaft gefällt zu haben.
Ein Theil der einschlagenden Correspondenz zwischen dem
Kurfürsten und seiner Mutter, namentlich ein Schriftstück des
Marquis, das Schmähungen und Drohungen enthalten haben mag,
scheint vom Kurfürsten selbst vernichtet worden zu sein. Der
Marquis hat sich niemals, selbst nicht in einem auf dem
Sterbelager geschriebenen noch vorhandenen Briefe an den
Kurfürsten, den er diesem nach seinem Tode zu übergeben sorgsam
anordnete, über widerfahrenes Unrecht beklagt.
Literatur ↑
Weber, Beiträge zur Lebensgeschichte der Kurfürstin Marie
Antonie Walpurgis, Bd. IV.
Autor ↑
Gautsch.
Empfohlene Zitierweise ↑
Gautsch, „Agdollo, Peter Alosius Marquis d'“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
137-138
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd138528837.html?anchor=adb
Agdollo, Peter Aloysius Marquis d'
Name: Agdollo, Peter Aloysius Marquis d'
Namensvariante: d'Agdollo, Peter Aloysius Marquis
Lebensdaten: erwähnt 1764, gestorben 1800
Beruf/Lebensstellung: sächsischer Hofmeister
Konfession: katholisch?
Autor ADB:
GautschPND: 138528837