<< Amerling, Friedrich von
Amling,, Wolfgang >>
Amira, Karl Konrad Ferdinand Maria von
Rechtshistoriker,
* 8.3.1848 Aschaffenburg,
† 22.6.1930 München. (katholisch, ab 1910 konfessionslos)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Josef von Amira, königlich bayerischer Kreis- und Stadtgerichts-Assessor;
M Anna,
T des Schuldirektor Wüst in Aschaffenburg;
Gvv Johann Baptist d'Amira (
† 1813), Chevalier de l'Empire, französischer Oberst (im napoleonischen Kriegsdienst geadelt);
Ur-Gvv Georg Alexander Amira, stammte von Lesbos, nach der Familientradition morgenländischer Herkunft (Amira = Admiral, von arabisch amîr-al-mâ = Befehlshaber zur See), später Kaufmann in Warschau;
⚭ Freiburg (Breisgau) 2.10.1876 Maria,
T des Pädagogen Ferdinand Stiehl; 2
T,
u. a. Anna, Malerin.
Leben ↑
Infolge Versetzung des Vaters nach München verbrachte Amira dort die Jugendjahre von 1852 bis 1857, 1867 legte er das Abitur am Wilhelmsgymnasium ab und widmete sich anschließend dem Studium der Rechte, in der Berufswahl beeinflußt durch Ignaz von Döllinger. Nach der ersten Staatsprüfung (1871) und dem juristischen Vorbereitungsdienst (bis 1873, ohne Abschluß durch die zweite Staatsprüfung) promovierte er 1873 und habilitierte sich 1874, 1875-92 war er Professor in Freiburg (Breisgau) und 1892-1930 in München; Rufe nach Bern, Breslau, Würzburg, Prag und Wien lehnte er ab. – Amiras wissenschaftliche Leistung ist auf zwei Teilgebieten seines Faches von bleibender Bedeutung. Als Schüler Konrad Maurers widmete er sich der nordgermanischen Rechtsgeschichte in vorbildlicher methodischer Verbindung von Jurisprudenz und Philologie. Vor allem aber kann man ihn als Begründer eines neuen Zweiges der rechtsgeschichtlichen Forschung, der Rechtsarchäologie, bezeichnen. Seine Arbeit „Der Stab in der germanischen Rechtssymbolik“ (1909) und seine Auswertung mittelalterlicher Bilderhandschriften für die Rechtsgeschichte sind bahnbrechend und doch zugleich Weiterführung bewährter juristisch-germanistischer Forschung, wie sie Jakob Grimm in seinem klassischen Werk „Germanische Rechtsaltertümer“ eingeleitet hat. - Amiras politische Einstellung war freisinnig und konservativ zugleich. Das erklärt seine für die damalige Zeit fortschrittliche Gesinnung in Fragen der Universitätsverfassung, seine politische Betätigung im antiultramontanen Reichsverband und in der Antiduell-Liga, ebenso wie seine Haltung im ersten Weltkrieg, die ihn zur Vaterlandspartei führte. - Im Münchener Musikleben spielte Amira als hervorragender Kenner von fachmännischem Verständnis eine führende Rolle.
Werke ↑
Weitere W Nordgerman. Obligationenrecht, 2
Bde., 1882–95; Grundriß d.
german. Rechts, = Grundriß d.
german. Philol.,
Bd. 5,
31913; Die Dresdener Bilderhs. d. Sachsenspiegels, 1902–26; Die „große Bilderhs.
v. Wolframs Willenhalm“, in:
SB d.
Bayer. Ak. d. Wiss.,
phil.-
hist. Kl., 1917; Die
german. Todesstrafen, =
Abhh. d.
Bayer. Ak. d. Wiss.,
phil.-
hist. Kl.,
Bd. 31, 1922;
aus d. wiss. Nachlaß: Rechtsarchäol., T. I, 1943 (mit C.
Frhr. v. Schwerin);
zahlreiche Aufsätze in: ZSRG
G, s. Generalreg.
z. Bd. 1-50, 1932;
s. a. Chronik d.
Univ. München,
Jg. 1894-1930.
Literatur ↑
K. Beyerle, K.
v. A., in:
Jb. d.
Univ. München 1929/30, 1931, S. 13 ff.; C. V. Schwerin, K.
v. A. †, in:
ZSRGG,
Bd. 51, 1931, S. XI ff.; H. Voltelini, in:
Alm. d.
Ak. d. Wiss. Wien,
Jg. 81, 1931, S. 221-39; P. Puntschart, K.
v. A. u. sein Werk, 1932
(W, L, P; benützt auch hs. Jugenderinnerungen A.s); H. Liermann, K.
v. A., in:
Fränk. Lebensbild(er) V, 1936, S. 1-9
(W, L).
Portraits ↑
in: Bayerland,
Bd. 41, 1930, S. 751; Büste
v. A. Weckbecker (
Univ. München).
Autor ↑
Hans LiermannEmpfohlene Zitierweise ↑
Liermann, Hans, „Amira, Karl Konrad Ferdinand Maria von“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
249
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118644998.html
Amira, Karl von
Name: Amira, Karl von
Namensvariante: Amira, Karl Konrad Ferdinand Maria von
Lebensdaten: 1848 bis 1930
Geburtsort: Aschaffenburg
Sterbeort: München
Beruf/Lebensstellung: Rechtshistoriker
Konfession: katholisch; konfessionslos
Autor NDB:
Liermann, HansPND: 118644998