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NDB-Artikel

<< Calw, Grafen von     Calzabigi, Ranieri Simone Francesco Maria >>

Calwer, Richard

sozialistischer Wirtschaftspolitiker, * 21.1.1868 Eßlingen/Neckar, 13.6.1927 Berlin-Charlottenburg (Selbstmord). (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Herm., Lokomotivführer; M Fanny Lang; Gertrud Gnadenfeld ( 1927).

Leben  
Calwer war ein Pionier auf dem Gebiet der Wirtschaftskunde und gehörte um die Jahrhundertwende zu den namhaftesten Vertretern des Reformismus in der deutschen Sozialdemokratie. Nachdem er an den Universitäten Tübingen, München und Berlin zunächst Theologie, dann Nationalökonomie studiert hatte, trat er 1891 in die Redaktion des Arbeiterblattes „Braunschweiger Volksfreund“ ein. 1895 ließ er sich als freier Schriftsteller in Berlin nieder und wurde 1898 im Wahlkreis Braunschweig-Holzminden in den Reichtag gewählt. 1903 und 1907 kandidierte er erneut, unterlag aber in der Stichwahl. Da er seine reformistischen Ansichten, die er unabhängig von Ed. Bernstein entwickelt hatte, in freimütiger Weise außerhalb der Parteiorganisation vertrat, geriet er in Konflikt mit der Parteileitung, dem er sich 1909 durch seinen Austritt aus der SPD entzog. Dessen ungeachtet blieb er mit der Arbeiterbewegung weiterhin eng verbunden. 1908-13 leitete er die wirtschaftliche Rundschau der Korrespondenzblätter der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands und wirkte nach 1918 als Lehrer an den gewerkschaftlichen Unterrichtskursen in Berlin.
Nach seiner wirtschaftspolitischen Lehre sollte der Schwerpunkt der Arbeiterpolitik bei den Gewerkschaften und Genossenschaften liegen, für deren Zentralisierung sich Calwer einsetzte. Die Vergesellschaftung des Privateigentums hielt er nicht für das Allheilmittel, vielmehr sah er im Sozialismus in erster Linie eine Frage der Produktivität und der Verteilung, womit er moderne Stufen sozialistischen Denkens vorweggenommen hat.

Werke  
Das Kommunist. Manifest u. d. heutige Soz.demokratie, 1894; Einführung in d. Sozialismus, 1896; Arbeiterkatechismus, 1896; Die Kirche im Dienst d. Unternehmertums, 1899; Arbeitsmarkt u. Arbeitsnachweis, 1899; Arbeitsmarkt u. Handelsvertretung, 1901; Die Berufsgefahren d. Steinarbeiter, 1901; Die Meistbegünstigung d. Vereinigten Staaten v. Nordamerika, 1902; Das Kost- u. Logiswesen im Handwerk, 1908; Wschft.-lehre u. Wschft.pol., 1913; Das soz.demokr. Progr., 1914; Produktionspol., 1918.

Literatur  
A. Winnig, R. C., in: Münchner Neueste Nachrr. v. 16.6.1927; A. Lansburgh, Fall R. C., in: Die Bank, 2. Halbbd., 1927, S. 414-16.

Autor  
Paul Mayer
Empfohlene Zitierweise  

Mayer, Paul, „Calwer, Richard“, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 102 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd121647722.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 3 (1957), S. 102

PND: 121647722
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Index

Calwer, Richard

Name: Calwer, Richard
Lebensdaten: 1868 bis 1927
Geburtsort: Eßlingen/Neckar
Sterbeort: Berlin-Charlottenburg (Selbstmord)
Beruf/Lebensstellung: sozialistischer Wirtschaftspolitiker
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Mayer, Paul
PND: 121647722

Weitere Informationen

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Calwer, Richard

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121647722

Normdaten
Personennamendatei (PND)
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