<< Osterhuber, Joseph
Ostermann, Andrej Ivanovič Graf von >>
Osterloh, Edo
Bildungspolitiker,
* 2.4.1909 Rotenhahn (Oldenburg),
† (Freitod) 25. (26.?) 2.1964 Kiel. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Nachlass
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann, Landwirt;
M Catherine Janßen;
⚭ 1) 1935 Anneliese Hübner (
† 1941), Pfarrers-
T , 2) 1943 Gertrud Wilmanns, aus Wuppertal; 2
K aus 1), 6
K aus 2);
N Ulrike Meinhof (1934–76), Patenkind
O.s, anarchist. Journalistin.
Leben ↑
O. besuchte gegen den Willen des Vaters, der ihn zum Hoferben bestimmt hatte, die Oberrealschule in Varel. Nach dem Abitur 1928 studierte er mit einem Staatsstipendium Theologie und Philosophie in Bethel, Marburg, Göttingen und Zürich. 1935-40 lehrte er als Dozent an der Hochschule der Bekennenden Kirche in Berlin Altes Testament, Hebräisch und Philosophie. 1940-45 Artillerieoffizier, geriet er bei Kriegsende als Batteriechef mit der 8. Panzerdivision in
russ. Gefangenschaft, konnte aber nach wenigen Wochen fliehen. Ende 1945 übernahm
O. ein
|Pfarramt in Holle (Oldenburg) und wurde mit Hermann Ehlers (1904–54), dem er beim Aufbau des
ev. Hilfswerks zur Seite stand, in den Oberkirchenrat in Oldenburg gewählt (seit 1947
o. Mitglied). Seit 1949 war er bei der Kanzlei der
Ev. Kirche Deutschlands in Hannover für Schul- und Erziehungsfragen zuständig, seit 1953 war er Referent im Bundesinnenministerium und seit 1954 im Bundesfamilienministerium als Ministerialdirektor und Stellvertreter von Minister Franz-Josef Wuermeling.
Im Januar 1956 berief Ministerpräsident Kai Uwe
v. Hassel
O., inzwischen
CDU-Mitglied und 1958-64 Mitglied des Landtags, zum Kultusminister in
Schleswig-Holstein. O.s Ziel war es, die materiellen und personellen Defizite im Schulwesen abzubauen und die Bildungsgrundlage durch eine Schulreform zu verbreitern. Immer wieder mahnte er die Verbesserung der allgemeinen Schulbildung an: durch bundesweite Einführung des 9. Schuljahres, Reform der Volksschuloberstufe, Behebung des akuten Mangels an Volksschullehrern sowie Steigerung der Abiturientenzahlen. Im Föderalismus sah
O. die Gefahr einer Zersplitterung des Schulwesens, so daß er zeitweise die Einsetzung eines Bundeskultusministers befürwortete. Unter seiner Amtsführung wurden in Schleswig-Holstein die dreijährige Berufsschulpflicht und die Finanzierung der Schulen gesetzlich geregelt, der Landeskirchen vertrag verabschiedet, ferner die sechssemestrige Ausbildung der Lehrer eingeführt, die Ausbildungsplätze an Ingenieurschulen verdoppelt und die
Univ. Kiel ausgebaut. –
O., der anfangs eine wissenschaftliche Laufbahn angestrebt hatte, sah es nach 1945 als Christenpflicht an, Verantwortung in der Politik zu übernehmen, um Menschenwürde und Gewissensfreiheit zu verteidigen. Stets trat er für Toleranz gegenüber Minderheiten ein und betonte die Freiheit der Familie gegenüber staatlichen und kirchlichen Reglementierungen,
z. B. das Elternrecht bei der Wahl des Schultyps. Trotz seiner generellen Hochschätzung Adenauers kritisierte
O. dessen Verhalten bei der Bundespräsidentenwahl 1959 und im Streit um das Zweite Deutsche Fernsehen ebenso wie die Vernachlässigung der Kulturpolitik durch die
CDU.
Werke ↑
u. a.
Offenbarung Gottes in d. Fremde, Die Botschaft d. Buches Ezechiel, 1939;
Gottes Gerechtigkeit u. menschl. Recht im
AT, 1940,
21980;
zahlr. Aufss. üb. Schul- u.
Kulturpol. sowie
theol. u. ethische Fragen.-
Hg.: Bibl.-theol. Hdwb. z. Luther-Bibel u. zu neueren
Überss., 1954,
31964 (mit H. Engelland).
Literatur ↑
Hdb. d.
LT Schleswig-Holstein;
Der
Schleswig-Holstein. LT, Zehn Wahlperioden im Haus an der Förde. 1987;
Biogr. Hdb. Oldenburg (P);|Nachlass ↑
Nachlaß: Archiv f.
Christl.-Dem.
Pol.,
St. Augustin.
Autor ↑
Brigitte KaffEmpfohlene Zitierweise ↑
Kaff, Brigitte, „Osterloh, Edo“,
in: Neue Deutsche Biographie
19
(1998), S.
618 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117157961.html