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Altmann der Jüngere >>
Altmann, heilig
Bischof von Passau (seit 1065),
* zwischen 1013 und 1020 in Westfalen,
† 8.8.1091 Zeiselmauer bei Wien, begraben Göttweig.
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| Literatur
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Leben ↑
Kanoniker und Magister der Domschule in Paderborn, Propst des Aachener Kollegiatstiftes (etwa seit 1051) und bevorzugter Hofkaplan der Kaiserinwitwe Agnes, wurde Altmann 1065 zum Bischof von Passau berufen. Erfüllt vom Geist der Cluny-Gorze'schen Erneuerungsbewegung, suchte er mit zäher Entschlossenheit den „hölzernen“ Klerus seines Bistums zu reformieren. Dabei legte er das Hauptgewicht auf die Verbesserung der Chorherrnstifte (
St. Florian, Melk,
St. Pölten), denen die Seelsorge im Gegensatz zu den Benediktinerklöstern Hauptaufgabe war. Die Chorherrnstifte
St. Nikola vor Passau und Göttweig in Niederösterreich gründete er als Musteranstalten (um 1070
bzw. 1083). Das Reformwerk wurde durch den Investiturstreit jäh unterbrochen. Gregor VII. seelen- und schicksalsverwandt, verkündete er als einer der wenigen deutschen Bischöfe dessen Erlasse gegen die Laieninvestitur und Priesterehe mit unerschrockenem Mut und wurde im Kampf der kurialen Partei gegen Heinrich IV., den er auch literarisch angriff, deren Führer in Deutschland. Auch an der Wahl Rudolfs von Schwaben zum Gegenkönig (Forchheim 1077) war er beteiligt. Vor der Rache Heinrichs, der im Winter 1077/78 Passau besetzte, floh er über Paderborn nach Rom. 1080 als päpstlicher Legat zurückgekehrt, konnte er seine Bischofsstadt, wo hintereinander zwei Gegenbischöfe residierten, freilich nicht mehr betreten, wohl aber im ostmärkischen Teil der Diözese unter dem Schutz des Markgrafen Leopold II. seine reformatorische Wirksamkeit fortsetzen. Eine der hervorragendsten Gestalten des deutschen Episkopates seiner Zeit und einer der bedeutendsten Bischöfe Passaus liegt Altmann in seiner Lieblingsstiftung Göttweig bestattet. Ein Mönch dieses Klosters schrieb um 1140 seine Vita; sie wurde 1192-94 von einem dort weilenden Abt Rupert überarbeitet.
Literatur ↑
ADBI;
Vitae in:
MGH SS XII, S. 226-43 u.
b. Migne PL 148,
Sp. 867-94;
H. Hirsch, Die Vita Altmanni episcopi Pataviensis, in:
Jb. f.
Landeskde.|v. Niederösterr.,
NF 15/16, 1916/17, S. 349 ff.;
J. Stülz, Das Leben d. Bischofs
A. v. Passau, in:
Denkschr. d.
kaiserl. Ak. Wien,
hist.-
phil. Kl. IV, 1853;
M. Stralek, Die Streitschrr.
A.s
v. Passau u. Wezilos
v. Mainz, 1890;
K. Schrödl, Passavia sacra, 1879, S. 119 ff.;
R.
v. Kralik, Der
hl. Leopold,
Markgf. v. Österr., 1904;
A. Fuchs, Der
hl. A., Bischof
v. Passau u. Gründer
v. Göttweig, Wien 1929;
M. L. Bulst-Thiele, Kaiserin Agnes, 1933;
A. Stonner, Heilige d.
dt. Frühzeit II, 1935, S. 82 bis 106;
E. Tomek,
Kirchengesch. Österr. s I, 1935, S. 138 ff.;
R. Bauerreis,
Kirchengesch. Bayerns II, 1950, S. 51 f., 98 ff., 219 f., 233 f.;
PRE (L);
LThK.
Autor ↑
Josef OswaldEmpfohlene Zitierweise ↑
Oswald, Josef, „Altmann, heilig“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
225 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118997076.html
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Altmann
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Altmann, Bischof von Passau, zu Anfang des
11. Jahrhunderts, vermuthlich in oder doch in der Nähe von
Paderborn von edlen Eltern geboren. Er begann seine Studien auf
der Domschule zu Paderborn und soll sie in Paris fortgesetzt
haben. Schon als Jüngling erhielt er ein Kanonikat am Paderborner
Dom und wirkte zugleich als Lehrer an der dortigen Schule. Der Ruf
seiner Gelehrsamkeit bewog Kaiser Heinrich III., ihn zum Probst des Stifts Aachen und zum
Hofkaplan der kaiserlichen Pfalz zu Goslar zu ernennen. Im Herbst
des Jahres 1064 zog er als Pilger mit mehreren hohen geistlichen
Würdenträgern, Erzbischof Sigfrid von Mainz, Bischof Otto von
Regensburg u.
A.
nach Jerusalem. Nach der Rückkehr von der
beschwerdereichen Fahrt wurde ihm 1065 auf Verwendung der Kaiserin
Agnes das durch den Tod Egilberts erledigte Bisthum Passau
anvertraut. Selbst ein sittenstrenger Mann, suchte er nach Kräften
dem Unwesen, das in den Klöstern seiner Diöcese eingerissen war,
zu steuern und die zunehmende Verweltlichung des Klerus zu hemmen.
Gleichsam als Musterinstitut gründete er 1067 in der Vorstadt
Passau's das Augustinerkloster St. Nikola; ebenso ist er der
Gründer des nachmals so berühmten Stifts Göttweih. Als Gregor VII., um für Erreichung seines Zieles,
Unterordnung aller weltlichen Macht unter die Kirche und deren
Oberhaupt, geeignete Steitkräfte zu werben, eine Regeneration des
Klerus anzubahnen strebte und zunächst auf strenge Einhaltung der
außer Geltung gekommenen Kirchengesetze bezüglich der Ehelosigkeit
der Geistlichen drang, fand seine Idee einen eifrigen Vorkämpfer
an dem Bischof von Passau.
A.
versammelte den Klerus seines Sprengels und legte ihm
die päpstlichen Decrete vor; jedoch die beabsichtigte Neuerung
stieß auf die entschiedenste Opposition. Der Bischof ließ sich
dadurch nicht abschrecken. Am Stephanstag 1074 verlas er feierlich
im Dom den apostolischen Auftrag. Da stürmten Kleriker und Volk
einmüthig mit solcher Wuth gegen ihn los, daß er in Stücke
zerrissen worden wäre, — so erzählt sein ältester Biograph, — wenn
ihn nicht seine Ministerialen und einige Edle schützend umgeben
hätten. Auf eine rasche Durchführung des Cölibatsgesetzes mußte
vorläufig verzichtet werden.
|
Der junge Heinrich IV. hatte an das
Hochstift Passau bald nach Uebertragung der bischöflichen Würde an
A.
bedeutende Schenkungen gemacht. Das freundschaftliche
Verhältniß änderte sich jedoch in das Gegentheil, als es zwischen
dem König und Pabst Gregor wegen der Investitur zum Bruche kam.
Bei der Versammlung deutscher Bischöfe, welche Heinrich, durch die
drohende Sprache des Pabstes gereizt, 1076 nach Worms berief, fand
sich
A.
nicht ein, sondern ließ sogar den bald darauf gegen
Heinrich geschleuderten päbstlichen Bannfluch öffentlich verkünden
und sprach selbst den Bann über den Probst seiner Kirche,
Egilbert, aus, weil sich dieser gegen die Kundmachung erklärt
hatte.
Die Entschiedenheit, womit
A.
zur Partei des Pabstes stand, bewog Gregor, bei seinem
weiteren Vorgehen gegen den deutschen König sich vorzugsweise des
Armes des Passauer Bischofs zu bedienen. Als päbstlicher Legat
verfolgte
A.
auf dem Fürstentag zu Oppenheim die Sache Gregors und
überredete die Fürsten, unter allen Umständen darauf zu dringen,
daß Heinrich alsbald die Lösung vom Bann erwirke. Als der Streit
nach dem Tage von Canossa noch heftiger entbrannte, war es wieder
der Passauer Bischof, der die Fürsten zur Wahl Rudolfs von
Schwaben aneiferte.
A.
blieb auch im Gefolge des Gegenkönigs, als dieser beim
Anrücken Heinrichs nach Sachsen floh. Heinrich verwüstete deßhalb
das Gebiet um Passau und vergabte die Besitzungen des Gegners an
seine Anhänger. Zu Anfang des Jahres 1079 begab sich
A.
nach Rom, wo er bei der Fastensynode zu Gunsten
Rudolfs sprach. Auch bei der römischen Synode 1080 in welcher zum
zweiten Mal der Kirchenbann gegen Heinrich ausgesprochen wurde,
war
A.
noch zugegen. Dann begab er sich im Auftrag des
Pabstes nach Konstanz, um für das gleichnamige Bisthum einen
legitimen Bischof zu ordiniren. Er war der energischste und
rücksichtsloseste Vertheidiger der Gregorianischen Grundsätze.
Gegen Ende des Jahres 1080 erhielt er deßhalb ein Schreiben
Gregors, worin ihm für seinen Eifer Dank gespendet und zugleich
ausgedehnteste Vollmacht für die neue Wahl eines Gegenkönigs
übertragen wird. In einem anderen Briefe mahnt Gregor den Bischof
"den er mit seiner Stellvertretung in den deutschen Landen betraut
habe", zu klugem Vorgehen gegen die Bischöfe, welche sich durch
Parteinahme für Heinrich den Bann zuzogen und vielleicht ohne viel
Mühe auf den rechten Weg zurückzuführen wären.
In seinen Sprengel konnte
A.
erst nach dem Abzug Heinrichs aus Deutschland im
Frühjahr 1081 zurückkehren. Seinen Vorstellungen gelang es, den
Markgrafen Liupolt von Oesterreich auf die päbstliche Seite
herüberzuziehen. Auf einer großen Versammlung zu Tuln sagte sich
Liupolt förmlich von Heinrich los und gelobte, den Bischof von
Passau in seinem Besitz zu schirmen. Vermuthlich war
A.
auch bei der Wahl Hermanns von Lützelburg im August
1081 betheiligt, wenigstens trat Liupolt sofort entschieden auf
die Partei des Gegenkönigs. Als Heinrich deßhalb die Böhmen zum
Einfall in die Ostmark bewog, wurde das Passauische Gebiet
abermals verwüstet. Bei Meilberg unterlag Liupolt,
A.
konnte nicht mehr nach Passau zurückkehren. Er hielt
sich nun meist in Göttweih auf, dessen Pflege er sich sehr
angelegen sein ließ. Ein Göttweiher Mönch verfaßte etwa 40 Jahre
später eine Biographie des Bischofs, die sich hauptsächlich auf
Mittheilungen älterer Mönche, die ihn noch persönlich gekannt
hatten, stützt. Als die Bischöfe von der Partei des alten Königs
1085 in Mainz zusammentraten, wurde
A.
seiner Würde entsetzt. Herrmann von Eppenstein, dem
das Passauer Bisthum übertragen wurde, zog unter großem Jubel der
Bevölkerung in der Bischofstadt ein. Wie der Pabst, welchem er mit
unerschütterlicher Festigkeit anhing, mußte auch
A.
in den letzten Lebensjahren das Brot der
Verbannung essen. Am 8. August 1091 überfiel ihn zu Zeiselmauer
an der Donau ein heftiges Fieber, welchem er rasch erlag. Zu
Göttweih wurde er bestattet. Der Hildebrandisch gesinnte Chronist
Bernold nennt ihn "einen Mann von solcher Heiligkeit,
Enthaltsamkeit und Kirchlichkeit, daß er selbst dem Papst Gregor
und dem heiligen Bischof Anselm von Lucca verehrungswürdig
erschien und von Allen geliebt war, nur von den Schismatikern und
Lasterhaften gehaßt und gefürchtet." Paul von Bernried nennt ihn
"den ausgezeichnetsten Erneuerer des kanonischen Lebens."
Literatur ↑
Vita Altmanni, ed. Wattenbach in Pertz,
Mon. G. H. ss. XII. p. 226. — Wiedemann,
Altmann, Bischof von Passau, 1851. — Stülz, Das Leben des Bischofs
Altmann von Passau, 1853.
Autor ↑
Heigel.
Empfohlene Zitierweise ↑
Heigel, Karl Theodor von, „Altmann“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
369-371
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118997076.html?anchor=adb