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Kaibel, Georg

klassischer Philologe, * 30.10.1849 Lübeck, 12.10.1901 Göttingen. (evangelisch)


Genealogie | Leben | Auszeichnungen | Werke | Literatur | Autor | Zitierweise

Genealogie  
V Friedrich (1810–85), Musikalienhändler in L., S d. Karl Ludwig († 1830), Schauspieler in Mannheim, Pfarrers-S, u. d. T e. Pfälzer Bgm.; M Louise Helene (1816–77), T d. Ludwig Adolph Meyer aus Wulfsdorf u. d. Anna Cath. Lehmann; Berlin-Lichterfelde 1880 Adelheid (1858-n. 1935), T d. Malers Felix Schadow (S d. Bildhauers Jon. Gottfried, 1850) u. d. Eugenie d’Alton-Rauch; 2 T Else Marie (⚭ Friedrich v. Oertzen, 1944, Schriftsteller), Agnes (⚭ Arnold Hildebrand, Dir. d. Schloßmus. Monbijou); E Peter v. Oertzen (* 1924), Prof., Politiker.

Leben  
Nach dem Besuch des Lübecker Katharineums studierte Kaibel 1868-72 klassische Philologie, zuerst in Göttingen und seit 1869 in Bonn (1870 ordentliches Mitglied des philologischen Seminars), wo Hermann Usener und Friedrich Bücheler seine Lehrer waren. 1871 gewann er die von diesen gestellte Preisaufgabe, die inschriftlich erhaltenen griechischen Gedichte zu sammeln und zu bearbeiten; mit Ausschnitten aus dieser Arbeit (De monumentorum aliquot Graecorum carminibus) wurde er 1871 zum doctor philosophiae promoviert. 1872 legte Kaibel das Staatsexamen ab. 1872-74 war er Stipendiat am Deutschen Archäologischen Institut in Rom; mit Wilamowitz-Moellendorff, mit dem er 1873 nach Griechenland reiste, und Mommsen war er seit jener Zeit fest verbunden. 1874 legte Kaibel in Elberfeld sein Probejahr ab, 1875-78 war er Lehrer am Askanischen Gymnasium in Berlin. 1878 habilitierte er sich in Göttingen für klassische Philologie; 1879 wurde er als außerordentlicher Professor nach Breslau, 1881 als ordentlicher Professor nach Rostock, 1883 nach Greifswald, 1886 nach Straßburg, 1897 nach Göttingen berufen. Seit 1882 war Kaibel Mitherausgeber des „Hermes“.
Das Lebenswerk Kaibels liegt vor allem auf den Gebieten der griechischen Epigrammatik und Epigraphik, der zweiten Sophistik und der griechischen Komödie. Die inschriftlich erhaltenen Epigramme, die Kaibel bereits in seiner Preisarbeit und in seiner Dissertation (beide 1871) behandelt hatte, legte er in einer auch heute noch maßgebenden Ausgabe 1878/79 vor (Epigrammata Graeca ex lapidibus conlecta, 1878; Supplementum epigrammatum Graecorum ex lapidibus conlectorum, in: Rheinisches Museum für Philologie N. F. 34, 1879). Die Publikation griechischer Inschriften aus römischen Museen (1873), unveröffentlichter Inschriftenabschriften aus dem Nachlaß des Ciriaco d’Ancona (1874) sowie unbekannter „Tituli Phocici et Boeotici“ (in: Hermes 8, 1874) gingen der auf die Anregung Mommsens zurückgehenden großen Ausgabe der griechischen „Inscriptiones Italiae et Siciliae“ in der Editio maior der „Inscriptiones Graecae“ (IG XIV, 1890) voran. In Mommsens 2. Auflage der „Res gestae Divi Augusti ex monumentis Ancyrano et Apolliensi“ (1883) hat Kaibel die griechischen Übersetzung dieses Textes sprachlich erläutert (S. 197-202). Kaibels Beschäftigung mit der zweiten Sophistik beschränkte sich nicht nur auf Athenaios von Naukratis, dessen „Deipnosophistai“ er aufgrund eingehender textgeschichtlicher Untersuchungen und vielfacher Vorarbeiten in einer bis heute nicht überholten Ausgabe in der „Bibliotheca Teubneriana“ herausgab (1886-90); er hat Dionysios von Halikarnass (1885) ebenso wie Cassius Longinus (1899) und Phrynichus (1899) behandelt. Eine kommentierte Ausgabe von Galens „Protreptikos“ (1894) gehört in denselben Bereich der späten Gräzität. Im Rahmen der von Wilamowitz-Moellendorff geplanten Ausgabe der Fragmente aller griechischen Dichter arbeitete Kaibel seit 1890 an den „Comicorum Graecorum fragmenta“, von denen er nur den 1. Band abschließen konnte (1899); es war selbstverständlich, daß Kaibel zur Abfassung der Komikerartikel in den ersten vier Bänden (1894|-1901) von Pauly-Wissowas „Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft“ aufgefordert wurde. Über diese Zentralgebiete seiner Forschung hinaus hat Kaibel jedoch noch andere wichtige Beiträge zur Gräzistik geleistet. Gemeinsam mit Wilamowitz-Moellendorff hat er die 1891 durch einen Papyrusfund ans Licht gekommene Ἀϑηναίων πολιτία des Aristoteles herausgegeben (½1891, 31898; Übersetzung zusammen mit Adolf Kiessling, 1891) und in einer eingehenden Studie sprachlich und stilistisch erläutert (1893). Im Bereich der Tragödie hat Kaibel die „Elektra“ des Sophokles in der von ihm geleiteten „Sammlung wissenschaftlicher Commentare zu griechischen und römischen Schriftstellern“ mit Erläuterungen herausgegeben (1896) und mit einer Arbeit zur „Antigone“ des Sophokles (1897) die Forschung befruchtet. Vielfach hat sich Kaibel auch mit Dichtung beschäftigt und nicht nur zu Epigrammen, wie zu denen des Simonides (1873), sondern auch früh zur Erforschung der hellenistischen Dichtung (seit 1877), darunter auch zu Arat (1894), Beiträge geleistet. Kaibel war somit ein Altertumsforscher, der in der Blütezeit der deutschen Philologie in der 2. Hälfte des 19. und in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts durch heute noch maßgebende Ausgaben Quellentexte erschlossen und gleichzeitig durch deren Interpretation die Erforschung der Antike entscheidend gefördert hat.|

Auszeichnungen  
o. Mitgl. der Ges. d. Wiss. in Göttingen (seit 1897).

Werke  
Weitere W u. a. Epigraphica, in: Commentationes in honorem Friderici Buecheleri Hermanni Useneri editae a societate philologica Bonnensi, 1873;  De Callimachi epigrammate XLIII ed. Schneid., in: Hermes 10, 1875;  Ein Würfelorakel, ebd.;  Observationes criticae in Anthologiam Graecam, in: Commentationes Mommsenianae, 1877;  Sententiarum lib. primus, in: Hermes, 15, 1880;  Sententiarum lib. sec., ebd. 17, 1882;  Sententiarum liber tertius, ebd. 19, 1884;  Sententiarum über quartus, ebd. 22, 1887;  Sententiarum liber quintus, ebd. 25, 1890;  Sententiarum liber sextus, ebd. 28, 1893;  Sententiarum liber septimus, ebd. 30, 1895;  Sententiarum liber ultimus, ebd. 36, 1901;  Antike Windrosen, ebd. 20, 1885;  Zur att. Komödie, ebd. 24, 1889;  De epigrammate Catalepton Verg. II., in: Rhein. Mus. f. Philol. NF 44, 1889;  Xenophons Kynegetikos, in: Hermes 25, 1890;  Aratea, ebd. 29, 1894;  Zu den Epigrammen d. Kallimachos, ebd. 31, 1896;  Johs. Schweighäuser, in: ADB 33, 1891;  De Sophoclis Antigona, in: Ad praemiorum a quattuor ordinibus propositorum publicam renuntiationem … invitant universitatis Georgiae Augustae prorector et senatus, 1897;  De Phrynicho sophista, ebd., 1899;  Cassius Longinus und die Schrift περὶ ὕψους in: Hermes 34, 1899;  ΔΑΚΤΥΛΟΙ ΙΔΑΙΟΙ in: Nachrr. v. d. kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, phil.-hist. Kl., J. 1901;  Die Vision d. Maximus, in: SB d. kgl. preuß. Ak. d. Wiss. zu Berlin, 1895.

Literatur  
W. Radtke, in: Bursian-Jberr. 123, 1904, Nekr., S. 15-62 (W);  C. Robert, in: Hermes 36, 1901;  F. Leo, in: Kgl. Ges. d. Wiss. z. Göttingen, Mitt., 1902, S. 29-39;  W. Ebel, Catalogus professorum Gottingensium 1734-1962, 1962, S. 113;  J. E. Sandys, A hist. of classical scholarship III, 1958, S. 154 f.

Autor  
Gerhard Baader
Empfohlene Zitierweise  

Baader, Gerhard, „Kaibel, Georg“, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 31-32 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116024437.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 11 (1977), S. 31-32

Erwähnungen: 
NDB 19 (1999), S. 454 in Familienartikel Oertzen, von (Oertzen, von)
NDB 22 (2005), S. 496* (Schadow, Johann Gottfried)
NDB 23 (2007), S. 729 in Artikel Schulze, Wilhelm


GND: 116024437

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Index

Kaibel, Georg

Name: Kaibel, Georg
Lebensdaten: 1849 bis 1901
Geburtsort: Lübeck
Sterbeort: Göttingen
Beruf/Lebensstellung: klassischer Philologe
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Baader, Gerhard
GND: 116024437

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Kaibel, Georg

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