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Altdorfer, Johann Jacob
Leben
| Autor
| Zitierweise
Leben ↑
Altdorfer: Johann Jacob
A.
, Schulmann und Prediger, zu Schaffhausen, wo sein
Vater Wundarzt war, im März 1741 geboren,
† daselbst 30. Mai 1804. Er studirte
zu Basel und reiste darauf als Informator mit seinem Zögling von
1768—71 in Deutschland; 1769—70 hielten sie sich in Göttingen auf
und er trat dort namentlich Schlözern näher. 1772 ward er in
seiner Heimath Pfarrer zu Buch, 1776 Professor der Philosophie am
Colleg zu Schaffhausen, 1778 Lehrer und 1782 Rector an der
Lateinschule; später auch Professor der Theologie und Examinator.
Zugleich predigte er am Münster. Schon als Jüngling mit Lavater
befreundet, stand er auch zu Gleim, Jerusalem, Ebert, der Karschin
u.
A.
in persönlichen und brieflichen Beziehungen. Als
Theologe hing er einer freisinnigen, mehr der Innigkeit des
religiösen Gefühls als den Dogmen zugewandten Richtung an. Als
Pädagoge reformirte er seine Schule im Geiste der Zeit, indem er
den Kreis der Lehrgegenstände über den streng humanistischen Stoff
hinaus erweiterte und die Methode statt einseitiger
Gedächtnißbildung mehr auf Entwickelung des Verstandes richtete.
Unter den Schriftstellern waren Klopstock, Richardson in der
Clarissa, Gellert, Lessing und Herder seine Lieblinge. — Seine
Briefe zeigen einen stark empfindsamen Ton. Seine Gedichte sind
außer einer Idylle im Gesner'schen Stil, durchweg in gereimten
jambischen Versen verfaßt; nur der Strophenbau verräth manchmal
die Schule der Oden. Der Inhalt zeigt nicht sowol eine edle als
eine biedere Persönlichkeit, ist mehr empfindungsvoll als
schwungvoll und auch im Schwunge verläugnet sich die im Grunde
nüchterne Verständigkeit nicht. Das meiste davon ist im besseren
Sinne Gelegenheitspoesie;
A.
dichtet nur, wenn ein Begegniß ihn besonders anregt.
Wohlthuend berührt wird man von dem kräftigen Ausdruck der
Vaterlands- und Freiheitsliebe. Auf das bekannte Gedicht der
Karschin, in welchem sie Zimmermann's zitterndes und verstummendes
Staunen beim Anblick Friedrichs des Großen schildert, antwortet er
mit einer Verwahrung des freien "Helvetiers" gegen solche
vergötternde Empfindungsweise. Mit warmer Begeisterung dagegen
besingt er Kaiser Joseph II. bei dessen
Aufenthalt in Schaffhausen: Freiwilliges Lob töne aus
freigeborenen Seelen auch dem Herrscher, "wenn Menschlichkeit und
Vaterliebe seiner Völker ihn beseelen". — Die Freiheit der
Franzosen aber erscheint ihm schon 1793 als eine "Aftergöttin mit
dem Taumelbecher Anarchie". Erst nach seinem Tode wurden seine
bescheiden zurückgehaltenen Schriften von seinem Vetter Joh. Jac.
Altdorfer in 2 Bänden veröffentlicht (Winterthur 1806), deren
erster nebst einer Biographie Gedichte und prosaische Aufsätze,
der zweite Predigten enthält.
Autor ↑
v. Liliencron.
Empfohlene Zitierweise ↑
Liliencron, Rochus Freiherr von, „Altdorfer, Johann Jacob“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
359
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd120394162.html?anchor=adb
Altdorfer, Johann Jacob
Name: Altdorfer, Johann Jacob
Lebensdaten: 1741 bis 1804
Beruf/Lebensstellung: evangelischer Theologe; Prediger; Schulmann; Dichter
Konfession: evangelisch
Autor ADB:
Liliencron, Rochus Freiherr vonPND: 120394162