Behaim von Schwarzbach. >>
Behaim von Behaiming, Albert
Domdekan von Passau, päpstlicher Legat,
* um 1180,
† 1260 Passau.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
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| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus dem bayerischen Geschlecht Behaim aus Utting bei Hengersberg (Landkreis Deggendorf) oder, weniger wahrscheinlich, Behaim von Kager bei Cham (Oberpfalz).
Leben ↑
Unter Innozenz III. (1198–1216) und Honorius III. (1216–1227) war Behaim von Behaiming höherer Anwalt an der Kurie. 1223 begab er sich vorübergehend nach Passau, wo er wahrscheinlich aufgewachsen war und seit 1212 eine Domherrnpfründe besaß. In die Geschicke des Bistums - in welchem er außer seinem Domkanonikat noch mehrere Pfründen, darunter als einträglichste das Archidiakonat von Lorch (1226), sich zu verschaffen gewußt hatte - griff er mehrmals ein, namentlich als sich der auf sein Betreiben von Chiemsee nach Passau transferierte Bischof Rudiger von Radeck (1233–1250;
† 1258) gleich den übrigen bayerischen Bischöfen auf die Seite Friedrichs II. stellte. Gregor IX. schickte ihn nach der zweiten Exkommunikation Friedrichs II. als Legaten mit unbeschränkten Vollmachten nach Deutschland, damit er die Sache der Kurie vertrete. Behaim bemühte sich, eine antikaiserliche Koalition zustandezubringen, und schritt gegen die Feinde des Papstes, insbesondere gegen die kaisertreuen Bischöfe und Städte, rücksichtslos ein. Exkommunikation und Interdikt hatten jedoch nicht die gewünschte Wirkung. Er konnte die Stauferpartei nicht entscheidend schwächen und mußte 1244 vor seinen zahlreichen Feinden unter großen Abenteuern an den Hof Innozenz' IV. (1243–1254) nach Lyon flüchten. Von dort aus betrieb er mit dem Papst die Wahl der Gegenkönige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland. Nach der Absetzung des Kaisers durch das Konzil von Lyon (1245) konnte Behaim von Behaiming nach Bayern zurückkehren und wurde als Passauer Domdekan der allmächtige Mann, bis im Jahre 1254 nach dem Tode Bischof Bertholds Otto von Lonsdorff, ein Neffe des von ihm abgesetzten Rudiger, dessen Nachfolger wurde. Im Verlauf neuerlicher Zwistigkeiten ließ ihn dieser gefangensetzen, mußte ihn aber im Jahre 1258 auf Befehl Alexanders IV. (1254–1261) freilassen. Bei den Geschichtsschreibern hat Behaim von Behaiming, der allezeit mit kompromißloser Hingabe der päpstlichen Partei diente, wegen seines politischen Fanatismus und Mißbrauchs kirchlicher Jurisdiktion keine günstige Beurteilung gefunden. Eine wichtige Quelle für die Geschichte seiner Zeit ist sein noch erhaltenes Briefbuch (
Clm. 2574 b), Deutschlands älteste Papierhandschrift. Mit dem Passauer Archidiakon Albert von Possemünster (Postmünster in Niederbayern), urkundlich 1223-33, ist er nicht identisch.
Werke ↑
Missiobücher
B.s,
hrsg. v. C. Höfler, in:
Bibl. d.
lit. Ver. z. Stuttgart XVI, 1847.
Literatur ↑
ADB I
(unter Albert d. Böhme);
S. Riezler,
Gesch. Baierns II, 1880;
G. Ratzinger, A.
B., in F.
z. bayer. Gesch., 1898. S. 1-324;
Hauck IV, S. 829 ff.;
G. Leidinger,
Unterss. z. Passauer
Gesch.-Schreibung d.
MA., =
SB d.
Bayer. Akad. d.
Wiss.,
Phil.-Hist. Kl., 1915;
LThK (unter Albert).Autor ↑
Josef OswaldEmpfohlene Zitierweise ↑
Oswald, Josef, „Behaim von Behaiming, Albert“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
1
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118647601.html
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Albert (von Possemünster)
Leben
| Autor
| Literatur
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Leben ↑
Albert (von Possemünster) genannt der
Böhme, geb. zwischen 1180 und 1190, 1212 Domherr von Passau, um 1226
Archidiacon von Lorch, 1245 Decan von Passau, † wol bald nach dem
10. April 1258, berühmt als Agitator
gegen Friedrich II. und Konrad IV.
A.
begann seine Laufbahn unter Innocenz III. mit der Advocatur am päpstlichen
Gerichte, kehrte aber um 1223 aus unbekannter Ursache auf seine
Domherrnstelle nach Passäu zurück. Zu hervorragenderer Bedeutung
gelangte er jedoch erst seit der Mitte der dreißiger Jahre, als er
im Hinblick auf den bevorstehenden Bruch Gregors IX. mit Friedrich II.
die mannigfachen Zerwürfnisse im Südosten des Reiches zur Bildung
einer päpstlichen Partei zu benutzen bestrebt war. Wegen solcher
Umtriebe aus Passau 1237 vertrieben, eilte er nach Rom,
verpflichtete sich dem Papste noch durch einen besonderen Eid und
kehrte dann, geschützt durch die ihm von Gregor ertheilten
Aufträge, 1238 nach Baiern zurück. Sein erstes, aber auch sein
bedeutendstes Werk war die Friedensvermittlung zwischen dem vom
Kaiser geächteten Herzoge Friedrich von Oesterreich und dem
Herzoge Otto von Baiern, der seinerseits noch den König Wenzel von
Böhmen für die Liga gegen den Kaiser gewann und überhaupt nun
Jahre lang ganz unter Alberts, seines "Gevatters", Antrieb
handelte. Alles geschah noch, bevor der Kaiser vom Papste gebannt
worden war; nach der Excommunication Friedrichs erhielt
A.
im Nov. 1239 ausgedehntere Vollmachten, gegen alle
geistlichen und weltlichen Anhänger des Kaisers einzuschreiten,
auch den Auftrag, gegen ihn das Kreuz predigen zu lassen. Seine
eigenen Aufzeichnungen, zum Theil noch im Original erhalten,
gewähren einen vollständigen Einblick in die rastlose und
umfassende Thätigkeit, welche
A.
seitdem als Agent des Papstes entfaltete, aber auch in
die Maßlosigkeiten und Ungeheuerlichkeiten seines Versahrens,
welche besonders dem Erzbischof von Salzburg und die baierischen
Bischöfe betrafen und sie zu einmüthigem Widerstande reizten. So
kam es, daß
A.
, als jene Liga sich durch die Aussöhnung Friedrichs
von Oesterreich mit dem Kaiser und durch das Schwanken des
böhmischen Königs sich löste, ganz und gar auf den Schutz Otto's
von Baiern sich angewiesen sah, dem er freilich dafür die
geistliche Autorität des Papstthums zu seinen eigenen rein
politischen Zwecken dienstbar machen mußte. Seit dem Sommer 1240
begann aber auch Herzog Otto auf Frieden mit dem Kaiser und dem
Reiche zu sinnen; er gab zu Anfang 1241 den Vorstellungen der
Bischöfe nach und vertrieb den gefährlichen Gast von seinem Hofe,
so daß
A.
auf die Burgen seiner Verwandten,
Ministerialengeschlechter im bairischen Walde nnd sonst im
Paussauischen, zu flüchten genöthigt war. So schließt der erste
und unzweifelhaft wichtigste Abschnitt der reichsfeindlichen
Thätigkeit Alberts mit verdientem Mißlingen.
Ein zweiter Abschnitt beginnt mit dem offenen Uebertritte der
Erzbischöfe von Mainz und Köln auf die Seite der Curie. Nachdem
A.
im J. 1243 für den ersteren mit Böhmen unterhandelt
hatte, finden wir ihn 1245 zu Lyon, wo er dem Papste Innocenz IV. einige Jahre lang bei der Behandlung der
deutschen Angelegenheiten als Rathgeber diente, vor allem bemüht,
es zu einer neuen Königswahl zu bringen. Er hatte schon Gregor IX. gerathen, kurzweg von sich aus einen König
zu ernennen. Indessen seine Versuche, die bairischen Bischöfe
durch Lockungen und Drohungen für den Papst zu gewinnen, wurden
bedeutend durch die Kundgebungen seiner eigenen Habgier
abgeschwächt, Herzog Otto aber wurde gerade damals durch
Verschwägerung an das Kaiserhaus gekettet und
A.
, welcher trotzdem nach Baiern zurückzukehren wagte,
entkam nur mit genauer Noth den Nachstellungen seiner zahlreichen
Feinde. Er flüchtete zum zweiten Male, erst nach Böhmen, dann
wieder nach Lyon. Seine Rache bestand darin, daß er 1250 am
päpstlichen Hofe die Absetzung seines unversöhnlichen Gegners,
des
|Bischofs Rudeger von Passau und mit Hülfe eines
befreundeten Eardinallegaten die Ernennung Bertholds von
Sigmaringen erwirkte. Als Generalvicar desselben setzte er sich
nun auf Donaustauf fest und mit Hülfe böhmischer Truppen erzwang
er 1251 die Unterwerfung Passau's unter den Bischof Berthold.
Hatte er schon in diesen Verwicklungen hauptsächlich die
Befriedigung seiner eigenen Interessen und Leidenschaften im Auge
gehabt, so machte der inzwischen erfolgte Tod Friedrichs II., weiterhin der Abzug Konrads IV. nach Italien überhaupt der
politisch-kirchlichen Agitation Alberts gegen die staufische
Dynastie ein Ende, nachdem er zu ihrer Schwächung in Deutschland
durch seinen kein Mittel scheuenden Fanatismus, durch sein
völliges Aufgehen in die päpstliche Politik und durch die
unleugbare Gewandtheit, mit welcher er sie verfocht, vielleicht
mehr als irgend ein anderer Zeitgenosse beigetragen hatte. Sein
weiteres Leben verläuft in widerwärtigen Streitigkeiten um
Pfarreien und Pfründen, deren
A.
nie genug bekommen konnte. Es ist unbekannt, aus
welchem Grunde Bertholds Nachfolger Bischof Otto ihn im J. 1258 in
Passau gefangen hielt, und ob der Befehl des Papstes Alexander IV., welcher am 10. April 1258 seine
Freilassung anordnete, Wirkung gehabt hat. Nach einer alten
Ueberlieferung soll
A.
von den Passauern gewaltsam ums Leben gebracht worden
sein. — Was von den Missivbüchern Alberts im Original oder in
Auszügen Aventin's vorhanden ist, hat Höfler in d. Bibl. d. litt.
Vereins zu Stuttgart (1847) Bd. XVI.
herausgegeben.
Literatur ↑
Ratzinger, Albert der Böhme, in den hist.-polit. Blättern
(1869) Bd. LXIV. Schirrmacher, Albert von
Possemünster, genannt der Böhme. Weimar 1871.
Autor ↑
Winkelmann.
Empfohlene Zitierweise ↑
Winkelmann, Eduard, „Albert“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
208-209
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118647601.html?anchor=adb
Behaim, Albert
Name: Behaim, Albert
Namensvariante: Behaim von Behaiming, Albert
Namensvariante: Albert der Böhme
Namensvariante: Albert
Namensvariante: Albert von Possenmünster
Lebensdaten: um 1180 bis 1260
Sterbeort: Passau
Beruf/Lebensstellung: Domherr zu Passau; Archidiakon zu Lorch; päpstlicher Legat
Konfession: katholisch
Autor NDB:
Oswald, JosefAutor ADB:
Winkelmann, EduardPND: 118647601