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NDB-Artikel

<< Jordan von Giano     Jordan >>

Jordan(us) (Jordanis) von Osnabrück

Publizist, 13. Jahrhundert, 15.4. (Jahr unbekannt).


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
Vielleicht aus d. ritterbürtigen, später patriz. Geschl. Korf in Osnabrück.

Leben  
J. ist urkundlich 1251-83 als Kanoniker des Osnabrücker Domkapitels bezeugt, 1254/55 als Scholaster, 1258/59 als Dekan, seit 1268 als „Magister“, welche Bezeichnung auf ein früheres Studium an einer uns nicht bekannten Universität deuten dürfte. Die ihm früher zugeschriebenen, auf das Reich und dessen Funktion in der Welt bezüglichen Traktate: „Memoriale de praerogativa Romani imperii“ (1281) und „Notitia saeculi“ (1288) sind nicht von ihm, sondern von Alexander von Roes verfaßt. Doch hat dieser in der Zeit Rudolfs von Habsburg die kleine, noch während des Interregnums und in der Sorge um das Erlöschen des Imperiums entstandene Schrift J.s, „welche dieser auf die Bitte einiger seiner Freunde herausgegeben habe“, seinem „Memoriale“ von 1281 eingefügt und sie so „davor bewahrt, in ihrer traditionalistisch-objektiven Verhaltenheit unwirksam zu bleiben“. Aus der Bibel und „mit wenigen Erläuterungen aus Augustin, Gelasius und der Glossa ordinaria“ legt J. dar, „wie Christus das Röm. Reich mit Wort und Tat anerkannt und geehrt hat“, „wie auch Petrus … geboten hat, das Rom. Reich zu ehren“, und daß, nach der Verheißung, der Antichrist erst nach dem Zerfall des Imperiums kommen werde.

Werke  
Super Romano imperio (Über d. Rom. Reich), in: MG Staatsschrr. d. späteren MA I, 1958, S. 94-100, c. 3-9 in d. „Praerogativa“ Alexanders.

Literatur  
ADB 14 (fehlerhaft); H. Grundmann, in: Einl. zu MG Staatsschrr., s. W, S. 16-19 (L); s. auch L zu Alex. v. Roes, NDB I, S. 195.

Autor  
Hermann Heimpel
Empfohlene Zitierweise  

Heimpel, Hermann, „Jordan von Osnabrück“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1974), S. 194-195 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501895.html

NDB-Artikel

<< Alexander Laicus     Alexander, der Wilde >>

Alexander von Roes

Publizist, 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts.


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Leben  
Alexander, vielleicht aus Kölner Patriziergeschlecht, nach Selbstzeugnis Inhaber eines der Männerkanonikate an dem Frauenstift zur heiligen Maria auf dem Kapitol in Köln, weilte, wohl mit Empfehlungen des Kölner Erzbischofs Siegfried, als Kleriker im Gefolge des in ghibellinischer Tradition lebenden Kardinals Jakob Colonna an der päpstlichen Kurie, wo er die dem Tod Nikolaus' III. (22.8.1280) folgende Sedisvakanz, die Wahl Martins IV. zu Viterbo (22.2.1281) und wohl auch dessen Krönung zu Orvieto (23.3.1281) erlebte. Sein Gesichtskreis wird durch in seinen Werken erwähnte Ereignisse wie die Sizilische Vesper, das Ende des Michael Paläologus in Byzanz (1282), Nordseesturmfluten (1287, 1288) u. a. angedeutet. Dem Kardinal widmete Alexander das erste der drei von ihm bekannten Werke, die einem kleinen älteren Traktat des Osnabrücker Magisters und Kanonikers Jordanus angeschlossene „Denkschrift über den Vor|rang des Römischen Reiches" (Memoriale de prerogativa Romani imperii) von Anfang 1281. Er dürfte auch in den folgenden Jahren in Italien gelebt haben. Seine zweite, den deutschen, von Alexander in Italien zur Geltung gebrachten prophetischen Traktat „Vom Schriftsamen" (De semine scripturarum) einschließende Prosaschrift „Weltkunde“ (Noticia seculi) ist Anfang 1288 in Rom entstanden und einem römischen Adligen, vielleicht wieder Jakob Colonna, gewidmet. Mit ihr veröffentlichte Alexander die schon 1285 in Hexametern gedichtete dramatische Parabel „Pavo“ (der Pfau als Papst). Gegen päpstlichen Überordnungsanspruch und französische Bestreitung verteidigt Alexander stets von neuem das deutsche Recht auf das Imperium. Er sucht die Ansprüche der Nationen (besonders Frankreichs) ins Gleichgewicht zu bringen, indem er die großen Völker als Verwalter des Glaubens in Sacerdotium (Italien), Imperium (Deutschland), Studium (Frankreich) dem rechten Ordo der Welt dienen läßt. Die Methode der von tiefem Verantwortungsbewußtsein getragenen, originellen und teilweise auch humorvollen Schriften ist die historische, und trotz mancher unklaren Geschichtskonstruktionen durch Benutzung guter Quellen, hellsichtiges historisches Urteil, scharfe und liebevolle Beobachtung der Umwelt, insbesondere des deutschen, italienischen und französischen Volkscharakters ausgezeichnet. Für Lage und Bewußtsein Deutschlands zur Zeit Rudolfs von Habsburg sind Alexanders besonders durch die Reformbewegung des 15. Jahrhunderts weitverbreitete Schriften von höchstem Quellenwert. Dieser ist erst durch die neueste Forschung zur Geltung gebracht worden, welche die drei Schriften endgültig einem einzigen Verfasser zuordnete und statt des früher meist genannten Jordanus von Osnabrück Alexander als ihren Verfasser nachwies.

Werke  
Die Schrr. d. A. v. R., hrsg. u. übers, v. H. Grundmann u. H. Heimpel, in: Dt. MA, Krit. Stud.-Texte d. MG 4, 1949.

Literatur  
ADB XIV (unter Jordanus); F. Kern, Die Anfänge d. französ. Ausdehnungspolitik bis z. J. 1308, 1910; W. Schraub, Jordan v. Osnabrück u. A. v. R., 1910 (erster Nachweis v. A.s Verfasserschaft f. d. Memoriale); L. Monier, Die Kardinäle Jakob u. Peter Colonna, 1914; H. Heimpel, A. v. R. u. d. dt. Selbstbewußtsein d. 13. Jh.s, in: AKG 26, 1935; H. Grundmann, Üb. d. Schrr. d. A. v. R., in: DA 8, 1950 (L); J. Leuschner, Zur Idee d. dt. Gesch. im späten MA, Diss. Göttingen 1951 (ungedr.).

Autor  
Hermann Heimpel
Empfohlene Zitierweise  

Heimpel, Hermann, „Alexander von Roes“, in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 194-195 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501895.html

ADB-Artikel

<< Jonsius, Johannes     Jordanus Nemorarius >>

Jordanus

 LebenAutorZitierweise

Leben  
Jordanus, Magister und Canonicus in Osnabrück, wo er die Würde eines Scholaster bekleidete, lebte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts (hier zuletzt 1283 genannt), starb am 15. April eines nicht näher zu bestimmenden Jahres. Näheres über sein Leben ist nicht bekannt; daß er Beziehungen zu Köln gehabt, in Paris studirt, in Italien Verbindungen gehabt, sind Annahmen, die sich auf den Inhalt und die Vorrede einer Schrift beziehen, welche sein Andenken der Nachwelt erhalten, deren Ursprung und Geschichte in ein gewisses Dunkel gehüllt ist, die aber ihren Verfasser als einen der bedeutendsten publicistischen Schriftsteller des Mittelalters und patriotischen Deutschen erscheinen läßt. Sie führt|nach den besten Handschriften den Titel "De praerogativa Romani imperii": geschrieben unter Rudolf von Habsburg um 1280, handelt sie sowol über die Geschichte, wie über die Bedeutung und Aufgabe des Reichs, wobei manches in eigenthümlicher Weise, zum Theil nach sagenhafter Ueberlieferung ausgeführt wird. Allem zu Grunde liegt der Gedanke, daß, wie die römische Kirche die Kirche Gottes, so das Reich das Reich Gottes, also selbständig sei; durch göttlichen Rathschluß auch sei vorher bestimmt, daß das Kaiserthum der Römer — und das war ja nach der Auffassung des Mittelalters die weltliche Herrschaft, der wahre Staat überhaupt — nicht bei den Römern bleibe und nicht zu den Franzosen komme, von denen zur Entschädigung jene die geistliche Gewalt (das sacerdotium), diese die gelehrte Bildung (das studium) erhalten, sondern auf die Deutschen übergehe; auch der Papst habe dafür zu wirken, daß dasselbe hier in seiner Ehre gewahrt und gemehrt werde; die Fürsten dem Kaiser in Treue und Ergebenheit zu helfen, daß er seine Ausgabe als Vogt der Kirche erfülle, so alle heidnischen und barbarischen Völker unterwerfe, auch Griechenland und den Orient erzittern mache. Das Buch, im Mittelalter viel gelesen und benutzt, aber auch bald abgekürzt, bald interpolirt, war in Vergessenheit gerathen, sein Verfasser mit anderen Männern desselben Namens verwechselt worden, weshalb der Unterzeichnete eine neue kritische Ausgabe in den Abhandlungen der Gött. Gesellschaft der Wissenschaften, 1868, veranstaltete. Damit zu vergleichen ist eine Bemerkung Wattenbach's in den Heidelberger Jahrbb. der Litteratur d. J. S. 364, dessen Vermuthung, daß nicht blos die Vorrede, auch der größere Theil des Buches einem anderen Autor angehöre, ich nicht zustimmen kann.
Aber auch noch anderes ist für den J. in Anspruch zu nehmen. Eine Schrift "Noticia seculi", die sich auch in einer Münchener Handschrift befindet und vor mehreren Jahren von Karajan (Denkschriften der Wiener Akademie, Bd. II) herausgegeben ist, steht, wie zuerst Dr. W. Meyer erkannte, mit dem Buch des J. in nächster Verwandtschaft. Beide stimmen in Form und Inhalt so überein, daß man keinen Zweifel haben kann, sie demselben Autor zuzuschreiben. Die Noticia ward 1288, nur einige Jahre später als das Buch "De translatione" verfaßt. Hier aber berichtet der Verfasser, daß er drei Jahre vorher sein Gedicht "Pavo" geschrieben, welches er jener Schritt anschließt und das Karajan zu der Mittheilung Anlaß gab, da er in demselben eine satirische Darstellung des Lyoner Concils von 1245 erblickte, das er aber aus unzureichenden Gründen dem Autor der Noticia absprach: anschließend an jenes Concil, aber ohne sich an die historischen Verhältnisse zu binden, bekämpft es, ebenso wie die Noticia, die Uebergriffe des Papstthums, tritt für die Ehre und Rechte des Kaiserthums ein. Die Bedeutung des Autors als politischen Schriftstellers, wird so in ein ungleich helleres Licht gesetzt.

Autor  
Waitz.
Empfohlene Zitierweise  

Waitz, Georg, „Jordanus“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 500-501 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118501895.html?anchor=adb

Quelle/Vorlage: 
NDB 1 (1953), S. 194-195
NDB 10 (1974), S. 596
ADB 14 (1881), S. 500-501

PND: 118501895
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Index

Alexander von Roes

Name: Alexander von Roes
Namensvariante: Roes, Alexander von
Namensvariante: Jordan
Namensvariante: Jordanis
Namensvariante: Jordanus
Namensvariante: Jordan von Osnabrück
Namensvariante: Jordanis von Osnabrück
Namensvariante: Jordanus von Osnabrück
Namensvariante: Roes, Alexander de
Namensvariante: Iordanus Osnabrugensis
Lebensdaten: erwähnt 1251 und 1283, gestorben 2. Hälfte 13. Jahrhundert
Beruf/Lebensstellung: Publizist; Kölner Kanoniker
Konfession: katholisch
Autor NDB: Heimpel, Hermann
Autor ADB: Waitz, Georg
PND: 118501895

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Alexander von Roes

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118501895

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