<< Middeldorf, Ulrich
Middendorf, Friedrich Ludwig >>
Middelhauve, Friedrich
Politiker, Verleger,
* 17.11.1896 Siegen (Westfalen),
† 14.7.1966 Bad Mergentheim. (evangelisch)
Genealogie
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| Auszeichnungen
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Louis (1870–1950), Reichsbahn-Obering.,
S d. Heinrich, Schlosser im Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Witten, u. d. Wilhelmine Zollingkofer;
M Maria Friederike
gen. Julie (
* 1874),
T d. Kappenmachers Carl Schweisfurth u. d. Emilie Hasenbach;
⚭ Winsdorf
Kr. Solingen 1928 Bertha (1893–1988,
kath.), Gymnasiallehrerin in Opladen, 1948-59
FDP-Stadtverordnete in Leverkusen, Initiatorin d.
Städt. Mus. f. zeitgenöss. Kunst in Schloß Morsbroich, 1949 Mitgründerin u. 1958-64 Bundesvors. d.
Dt. Frauenrings (s.
L),
T d. Postmeisters Valentin Reichert in Montabaur u. d. Magdalene Schott; 1
S, 2
T ,
u. a. Friedrich (
* 1931),
Dr. iur., Verleger u.
Druckereibes. in Opladen, führte d.
väterl. Betriebe fort, Gertraud (
* 1929), Verlegerin in Köln.
Leben ↑
M. wurde nach Absolvierung des Realgymnasiums in Solingen-Ohligs 1916 eingezogen; bis Kriegsende war er Dolmetscher im Kriegsgefangenenlager Wesel. Anschließend studierte er Deutsche Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte in Marburg, Münster, Bonn und Köln. 1921 wurde er mit einer Arbeit über Adalbert Stifters „Nachsommer“ in Köln zum
Dr. phil. promoviert. Im selben Jahr gründete er eine Buchhandlung in Leverkusen (damals Wiesdorf) und 1924 eine Druckerei in Opladen. 1938 übernahm er zudem eine Papierfabrik in Köln-Ehrenfeld. 1946 gründete er die wissenschaftliche „Westdeutsche Verlag
GmbH“ (Köln und Opladen) und 1947 den schöngeistigen Verlag „Friedrich Middelhauve
GmbH“ (Opladen).
Obwohl in der Welt des deutschen Idealismus und des Schöngeistigen verankert, führte ihn sein starkes Pflichtbewußtsein nach dem Zusammenbruch in die Politik. Bereits im Mai 1945 gründete
M., der 1932 – erfolglos – in Düsseldorf für die Deutsche Staatspartei zum Reichstag kandidiert hatte, im Rhein-Wupperkreis die „Deutsche Aufbau-Partei“, die sich im Januar 1946 der
FDP Nordrhein anschloß. Bis zur Gründung des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen der
FDP am 27.5.1947 war er Landesvorsitzender des Landesverbandes Nordrhein, dann bis Februar 1956 Landesvorsitzender der
FDP Nordrhein-Westfalens. Zugleich war er 1946-58 Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen und bis Juli 1954 Vorsitzender der
FDP-Fraktion, sowie 1949/50 und 1953/54 Bundestagsabgeordneter.
M. war zwar ein parlamentarisch gewandter, politisch jedoch bisweilen naiver Gegenspieler des Ministerpräsidenten Karl Arnold und dessen 1947-50 aus
CDU,
SPD und Zentrumspartei gebildeten Kabinetts. Er bekämpfte die Politik des sozialdemokratischen Wirtschaftsministers Erik Nölting und die Bodenreform des Landwirtschaftsministers Heinrich Lübke und setzte sich für die Stärkung des Einheitsstaates und die Einführung der christlichen Gemeinschaftsschule als Regelschule ein. In
|nerhalb der
FDP, deren Bundesvorstand er 1949-56 angehörte, war er früh ein umstrittener Politiker, vor allem wegen seines Bemühens, Verführte und Mitläufer des Naziregimes für den demokratischen Staat und die ihn tragenden Parteien zu gewinnen. Besonders heftige Kritik traf
M., als er zur Landtagswahl 1950 eine Listenverbindung mit der „Nationalen Rechten“ des Deutschnationalen Lothar Steuer einging. Nachdem sich Arnold 1950 zwar mit den Stimmen der
FDP zum Ministerpräsidenten hatte wiederwählen lassen, jedoch nur die Zentrumspartei an seinem neuen Kabinett beteiligte, führte
M. weiterhin die
FDP-Fraktion, nunmehr verstärkt durch die Hospitanten der „Nationalen Rechten“, in der Opposition. Die innerparteiliche Rivalität zwischen dem liberal orientierten und dem national geprägten Flügel erreichte ihren Höhepunkt, als auf dem Bundesparteitag von Bad Ems im November 1952 mit dem von
M.s Landesverband Nordrhein-Westfalen vorgelegten „Deutschen Programm“ und dem vor allem durch die Liberalen der Hansestädte befürworteten „Liberalen Manifest“ zwei unterschiedliche Richtungen im Sinne der früheren
DVP und
DDP einander gegenüberstanden. Anfang 1953 wurde
M.s Position durch die „Naumann-Affäre“ empfindlich geschwächt: Man kreidete ihm seine Kontakte zum früheren Staatssekretär im Reichspropagandaministerium, Werner Naumann, an, der im Januar 1953 unter dem Verdacht neonazistischer Konspiration verhaftet worden war. Innerparteiliche Kritiker wie die „Jungtürken“ Wolfgang Döring und Willi Weyer bereiteten seither die Hinwendung der Partei zur
SPD vor.
Nachdem Ministerpräsident Karl Arnold in der Landtagswahl vom Juni 1954 mit seinem Kabinett aus
CDU und Zentrumspartei die Mehrheit verloren hatte, lag es in Adenauers Interesse, im Hinblick auf die bevorstehende Verabschiedung der Verträge über den Eintritt der Bundesrepublik Deutschland in das westliche Verteidigungsbündnis eine Erneuerung von Arnolds früherer Koalition mit der
SPD in Nordrhein-Westfalen zu verhindern. Somit amtierte seit Juli 1954 in Düsseldorf ein Kabinett Arnold-
M. aus
CDU,
FDP und Zentrumspartei.
M. wurde Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr und zugleich Stellvertretender Ministerpräsident. Doch am 20.2.1956 scheiterte die Koalition infolge eines konstruktiven Mißtrauensvotums, und es kam zur Bildung des Kabinetts Steinhoff-Weyeraus
SPD,
FDP und Zentrumspartei.
M., der als einziger innerhalb seiner Fraktion für Karl Arnold gestimmt hatte, trat vom Amt des Landesvorsitzenden, im April 1956 auch von dem des Stellvertretenden Bundesvorsitzenden zurück. Er blieb aber Vorsitzender der Deutschen Gruppe der Liberalen Weltunion und Schatzmeister der Liberalen Bewegung für ein Vereintes Europa
|Auszeichnungen ↑
Ehrenbürger d.
TH Aachen;
Dr. rer. pol. h. c. (Köln 1966); Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern u. Schulterband (1961).
Literatur ↑
W. Henkels, Zeitgenossen, 1954, S. 161-65
(P);
F. Henning, in: W. Först (
Hrsg.), Zw. Ruhrkampf u. Wiederaufbau, 1972, S. 166-72;
D. Hein, Zw. liberaler Milieupartei u.
nat. Sammlungsbewegung, 1985;
K. Schröder, Die
FDP in d.
brit. Besatzungszone 1946–48, 1985;
Wi. 1962. –
Zu Bertha: A. Dertinger, Frauen d. ersten Stunde, 1989, S. 119-30
(P);
Wi. 1985.
Portraits ↑
Hdb. d.
Dt. Bundestages, 1953.
Autor ↑
Franz MengesEmpfohlene Zitierweise ↑
Menges, Franz, „Middelhauve, Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
17
(1994), S.
461-462
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd129440337.html