<< Maria Anna, Erzherzogin von Österreich
Maria Christina, Erzherzogin von Österreich >>
Maria Anna (Mariana)
Königin von Spanien, geborene
Pfalzgräfin von Pfalz-Neuburg,
* 1667,
† 16.7.1740 Guadalajara,
⚰ Escorial. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Philipp Wilhelm
v. P.-N. (1615–90),
Kf. v. d. Pfalz;
M Elisabeth Amalie (1635–1709),
T d.
Landgf. Georg II.
v. Hessen-Darmstadt (
† 1661, s.
NDB VI);
B Kf. Johann Wilhelm
v. d. Pfalz (
† 1716, s.
NDB X),
Kf. Karl Philipp
v. d. Pfalz (
† 1742, s.
NDB XI);
Schw Eleonore
v. P.-N. (1655–1720,
⚭ Kaiser Leopold I.,
† 1705, s.
NDB 14), Maria Sophia (1666–99,
⚭ 1687
Kg. Peter II.
v. Portugal, 1648–1706; die Heirat galt als Sieg d.
habsburg. üb. d.
franz. Seite u. stand im Zeichen d. seit 1668
v. Spanien unabhängigen Portugal sowie d. offenen
span. Erbfolge); -
⚭ 1689
Kg. Karl II.
v. Spanien (1661–1700),
S d.
Kg. Philipp IV. (1621–65) u. d. Maria Anna
v. Österreich (1635-96, s.
NDB 16); kinderlos.
Leben ↑
Nach dem Tod von Marie Louise von Orléans (1662–89), der ersten Gemahlin
Kg. Karls II., fiel die Wahl des Madrider Hofs auf
M., was einen politischen Sieg der
österr. Partei über die Anhänger Frankreichs
|bedeutete. Am 28.8.1689 wurde die Procuravermählung in Neuburg a. d. Donau vorgenommen. Die Übersiedlung
M.s nach Spanien dauerte acht Monate; angesichts des Pfälzer Erbfolgekriegs mußte – mit Hilfe Englands – der Seeweg gewählt werden. Über La Coruña und Santiago de Compostela gelangte
M. nach Valladolid, wo am 4.5.1690 das persönliche Trauungszeremoniell mit Karl II. stattfand. Am 20. Mai erfolgte der feierliche Einzug der Königin in Madrid.
Bald nach ihrer Ankunft stand
M., deren Ehe kinderlos bleiben sollte, im Mittelpunkt des politischen und diplomatischen Ringens um die Vorbereitung des
span. Erbfalles. Während
M. Angehörige ihres Hauses bevorzugte und vor allem ihrem älteren Bruder Johann Wilhelm die Statthalterschaft der
span. Niederlande vermitteln wollte, trat die verwitwete Königinmutter Maria Anna von Österreich für
Kf. Max Emanuel von Bayern ein, der schließlich obsiegte. Das anfänglich gute Verhältnis zwischen der Königin und ihrer Schwiegermutter wich bald einer mehr oder minder offenen Gegnerschaft. Beide suchten ihren Einfluß auf Karl II. zu erhalten, der wegen körperlicher und geistiger Schwäche zu keiner aktiven und eigenständigen Politik fähig war. Mit dem Kardinalerzbischof von Toledo, Luis Manuel Fernández de Portocarrero, dem Führer der
span. Nationalpartei am Madrider Hof, war
M. nach anfänglichem Einverständnis ebenfalls in politischen Grundsatzfragen uneinig. Das Festhalten an ihren deutschen Begleitern – der Kammerfrau Maria Josepha
Gfn. v. Berlepsch, dem Geheimsekretär Heinrich
v. Wiser und ihrem Beichtvater, dem Kapuzinerpater Gabriel Pontifiser – trug zur Verschärfung der Spannungen bei. 1695 wurde Wiser, 1700 die
Gfn. v. Berlepsch und 1702 P. Gabriel gezwungen, das Land zu verlassen. Die – von der
Gfn. Berlepsch nicht uneigennützig verbreitete – Nachricht von einer angeblichen Schwangerschaft der Königin stärkte wiederholt (1692, 1693, 1696)
M.s Position, untergrub sie jedoch letztlich um so radikaler. Nach dem Tod der Königinmutter (16.5.1696) versuchte
M. nochmals entscheidenden Einfluß am Madrider Hof zu erlangen, konnte jedoch nicht verhindern, daß Karl II. 1698 aus Empörung über die Teilungsverträge der
europ. Mächte den
bayer. Kurprinzen Joseph Ferdinand zum Prinzen von Asturien ernannte und zum Universalerben der
span. Krone einsetzte. Dessen früher Tod (8.2.1699) machte die Hoffnung, die Erbschaftsfrage auf friedlichem Wege zu lösen, wieder zunichte. In der Folgezeit trat
M. für die Ansprüche des zweiten Sohnes Kaiser Leopolds I., des nachmaligen
Kg. Karl III. von Spanien (seit 1711 als Karl VI. Kaiser) ein, während Portocarrero den
franz. Kandidaten Philipp von Anjou, einen Enkel Ludwigs XIV., unterstützte. Portocarrero gewann Karl II. für die Abfassung eines Testaments zugunsten Philipps. Mit dem Tod Karls II. am 1.11.1700 erlosch die
span. Linie des Hauses
Habsburg.
M. war testamentarisch zum Mitglied der „Junta“, eines Regentschaftsrates bis zur Regierungsübernahme des neuen Königs, bestimmt, doch ihr Einfluß blieb gering. Auf Anordnung Ludwigs XIV. mußte sie vor der Thronbesteigung
Kg. Philipps V. Madrid verlassen und sich nach Toledo begeben. Als der
österr. Erzherzog Karl, 1703 als Karl III. zum König von Spanien proklamiert, 1704 in Portugal und 1705 in Spanien landete, hoffte sie vergebens auf eine Wende ihres Schicksals. 1706 mußte sie ins
franz. Bayonne übersiedeln. Erst 1738 kehrte sie nach Spanien zurück und nahm ihren Wohnsitz in Guadalajara.
Literatur ↑
A. Gaedeke, Das Tagebuch d.
Gf. Ferdinand Bonaventura
v. Harrach während s. Aufenthalts am
span. Hof in
d. J. 1697 u. 1698 nebst zwei geh. Instruktionen, in:
AÖG 48, 1872;
ders., Die Mission d.
Gf. Aloys Louis
v. Harrach an d.
span. Hof u. s. Finalrelation an Kaiser Leopold I. 1696–97. in:
HZ 29, 1873;
ders., Die
Pol. Österreichs in d.
span. Erbfolge auf Grund d. Wiener Staats- u. Harrachschen Fam.archivs nebst Akten u. Urkunden, 2
Bde., 1877;
C. Cambronero, Recibimiento hecho en Madrid a la Reina Doña
M. A. de Neubourg el 22 de Mayo de 1690, in: Revista de España 122, 1888;
K. Th.
v. Heigel.
M. A.
v. N.,
Kgn. v. Spanien, in:
ders.,
Qu. u.
Abhh. z. Neueren
Gesch. Bayerns
NF 2, 1890, S. 182-204;
E. Ducéré, La Reine
M. A. de Neubourg à Bayonne 1706-38 d'après les contemporains et des documents inédits, 1903;
Adalbert Prinz
v. Bayern,
M. A.
v. P.-N.,
Kgn. v. Spanien, u. d.
bayer. Ansprüche in d.
span. Erbfolge,
Diss. München 1921;
ders., Mariana de Neoburgo y las pretensiones bávaras a la sucesión española, in: Boletín de la Real Academia de la
Hist. 80, 1922, S. 28-30, 107-22;
ders., Das Ende d. Habsburger in Spanien, 2
Bde., 1929
(L, P);
ders., Mariana de Neoburgo, Reina de España, Traducción del original alemán por la Infanta Paz, Prólogo de Duque de Maura, in: Vitas Memorables II, 1938;
L. Pfandl, Karl II., Das Ende d.
span. Machtstellung in Europa, 1940
(P);
G. Duque de Mauray Gamazo, Vida y reinado de Carlos II., 2
Bde.,
21954;
R. Trevor-Davies, Spain in Decline 1621-1700, 1957;
J. Nada, Carlos the Bewitched, 1962;
J. Langdon-Davies, Carlos, The King who would not die,
o. J. (1963);
Hans Schmidt, Die Königinnen
v. Spanien u. Portugal aus d. Hause Pfalz-Neuburg, in: Das Haus Wittelsbach u. d.
europ. Dynastien, in:
ZBLG 44, 1981, S. 345-65.
Portraits ↑
Ölgem. (
Stadtmus. Düsseldorf),
Abb. in:
ZBLG 44, 1981.
Autor ↑
Ludwig HüttlEmpfohlene Zitierweise ↑
Hüttl, Ludwig, „Maria Anna“,
in: Neue Deutsche Biographie
16
(1990), S.
204-206
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd123154405.html