<< Bordes, Ludovika Katharina Maria Freifrau des, geborene Brentano
Borggreve, Bernard Robert >>
Boretius, Alfred Edwin
Rechtshistoriker,
* 27.2.1836 Meseritz (Provinz Posen),
† 1.8.1900 Heilanstalt Karlsfeld (Sachsen). (evangelisch)
Genealogie
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Genealogie ↑
V Ernst Theodor (1797–1870), Land- und Stadtgerichtsrat in Meseritz, aus Pfarrerfamilie, die, aus dem Königreich Polen vertrieben, sich im Ordensland ansiedelte;
M Amalie Linke;
⚭ 1874 Agathe Doberenz (
† 1922); kinderlos.
Leben ↑
Boretius studierte 1855 in Berlin, 1855-58 in Halle Rechtswissenschaft. Unter seinen Lehrern sind Rudolf von Gneist, Ludwig Wilhelm
Ant. Pernice, Paul Johann Merkel und Karl Georg Bruns hervorzuheben. 1860-65 war er Mitarbeiter bei den Monumenta Germaniae historica. 1864 habilitierte er sich in Berlin mit einer Arbeit, die grundlegende, im Kern noch heute gültige Erkenntnisse über das Wesen der karolingischen Kapitularien brachte. 1868 erschien die Ausgabe der Langobardengesetze in der Leges-Reihe der Monumenta; Boretius hatte darin den Liber Papiensis allein, den Edictus Langobardorum nach eigener Mitteilung fast allein bearbeitet; von Friedrich Blume würde danach nur die Ausgabe der Lombarda stammen. Die Ausgabe war für die Zeit hervorragend; besonders die Entwirrung der Überlieferung des Liber Papiensis ist ein bleibender Gewinn der Wissenschaft. 1868 wurde Boretius als ordentlicher Professor nach Zürich berufen, legte aber 1871 sein Amt nieder. Neben eine bereits 1872 wieder aufgegebene Honorarprofessur in Berlin trat jetzt bis 1873 hauptamtlich journalistische Tätigkeit an der Nationalzeitung. Das Werk „Neue Beiträge zur Capitularienkritik“ brachte ihm im Sommer 1874 einen Ruf nach Halle. Dort stellte er den 1. Band der 1876 übernommenen Ausgabe der Kapitularien für die Monumenta fertig (erschienen 1881
bzw. 1883). Den zweiten Band zu vollenden hinderte ihn die bald ausbrechende Krankheit. Die Ausgabe bedeutete sachlich gegenüber der von Georg Heinrich Pertz einen erheblichen Fortschritt, ist aber philologisch unzulänglich, da Boretius die Handschriftenfiliation nicht untersuchte und die Herkunft der Lesarten nicht immer nachwies. 1875, 1879 und 1885 war Boretius Mitglied der Generalsynode, 1878-81 nationalliberaler Abgeordneter für Halle im Reichstag; 1885 war er ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Da befiel ihn 1886 ein unheilbares Nervenleiden.
Werke ↑
Weitere W De iure bellorum privatorum ex legibus imperii Romano-Germanici,
Diss. Halle 1858; Die Capitularien im Langobardenreich, 1864; Üb. Gesetz u.
Gesch. d. Burgunder, in:
HZ 21, 1869, S. 1-27; Zur Lex Saxonum, ebenda, 22, 1869, S. 148-65; Capitularien
z. Lex Salica (
Ausg.), in: J. F. Behrend, Lex Salica, 1874,
21898
(ohne B.s Vorbemerkung S. 97 f.); Eine neue
sozialwiss. Schr., in: Im neuen Reich 1, 1879, S. 92-102; Das
röm. u. d.
preuß. Reich
dt. Nation, in:
Preuß. Jbb. 41, 1878, S. 507-28; Die Umwandlung d.
dt. Rechtslebens durch d. Aufnahme d.
röm. Rechts, ebenda, 52, 1883, S. 105-27; A.
B., Ein
Lb. in Briefen, 1849–74, 1900.
Literatur ↑
Stintzing-Landsberg III/2, S. 378;
H. Brunner, in:
ZSRGG 21, S. IX-XX;
K. Zeumer, in:
NA 26, 1901, S. 255-57;
A. Teichmann, in:
BJ V, S. 171-74;
H. Breßlau,
Gesch. d. MG, =
NA 42, 1921.
Autor ↑
Rudolf BuchnerEmpfohlene Zitierweise ↑
Buchner, Rudolf, „Boretius, Alfred Edwin“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
462
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116252596.html
Boretius, Alfred
Name: Boretius, Alfred
Namensvariante: Boretius, Alfred Edwin
Lebensdaten: 1836 bis 1900
Geburtsort: Meseritz (Provinz Posen)
Sterbeort: Heilanstalt Karlsfeld (Sachsen)
Beruf/Lebensstellung: Rechtshistoriker
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Buchner, RudolfPND: 116252596