<< Aitinger, Sebastian
Aitzing, Michael Freiherr von >>
Aitzema (Aizema, Aissema), Foppe (Foppius) van
Jurist und Diplomat,
* 1580 (?) Dokkum (Friesland),
† 28.10.1637 Wien. (evangelisch, dann katholisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Schelte (Schulto) van Aitzema, Pastor;
M Sjoerdje Lieuves;
B Meinardus van Aitzema, Sekretär des Admiralitätskollegs;
⚭ Anna Hauthor aus Halberstadt;
S Friedrich Ludwig van Aitzema, kaiserlicher Offizier; 3
T;
N Leo van Aitzema, niederländischer Diplomat und Historiker.
Leben ↑
Aitzema wurde nach seinem Studium in Franeker, Leyden, Helmstedt und Wittenberg 1607 Rat des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel und stieg 1612 gegen den Widerstand des Domkapitels zum Kanzler des Bistums Halberstadt empor. Schon 1613 wurde er von dem neuen Herzog abgesetzt und nach neunmonatiger Gefangenschaft in Ungnade entlassen. Seit 1617 war er der erste Gesandte der Generalstaaten bei den Hansestädten in Lübeck und Hamburg und führte Verhandlungen mit Friedrich IV. von Dänemark, Tilly und Wallenstein. Ein halbamtlicher Aufenthalt in Wien 1635 brachte ihn dem Katholizismus nahe. 1636 weilte er erneut beim Kaiser, um ihn der Freundschaft der Generalstaaten zu versichern. Von seiner mit dem Ergebnis der Verhandlungen unzufriedenen Regierung 1637 zurückgerufen, wurde er unterwegs vor der Reise nach Den Haag gewarnt. Er wandte sich wieder nach Wien und starb dort als Katholik.
Werke ↑
Poemata Juvenilia, Paris 1605; Dissertationum Juris Civilis Libri II, Helmstedt 1607.
Literatur ↑
ADB I;
G. Das, F. van
A., Bijdrage tot de kennis van de diplomaticke betrekkingen der Nederlanden tot Denemarken, de Hanzesteden, den Nedersaksischen Kreits en den Keizer tijdens den dertig-jarigen oorlog,
Diss. Utrecht 1920 (
vgl. H. Nirrnheim, in:
Ztschr. d.
Ver. f. Hamburg.
Gesch. 25, 1924, S. 80 f.);
H. Samse, Die Zentralverwaltung in d. südwelf. Landen, 1940.
Autor ↑
Hans KoeppenEmpfohlene Zitierweise ↑
Koeppen, Hans, „Aitzema, Foppe van“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
119
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11647677X.html
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Aitzema, Leo van >>
Aitzema, Foppe van
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Aitzema: (Aissema),
Foppe van, † im October 1637, Sohn
Schelte's van
A.
, eines edlen Friesen, der erste niederländische
Resident bei den Hansestädten, besuchte, nachdem er bereits in
Franeker studirt hatte, noch die Universität Helmstädt und machte
darauf von hier aus eine Reise zu Scaliger nach Leiden und auch
nach England. Nach seiner Rückkehr erhielt er von Herzog Heinrich
Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel eine Rathsstelle an der
Regierung zu Wolfenbüttel (1607) und wurde bereits nach 2 Jahren
befördert. Im Febr. 1612 erhob ihn der Herzog, welcher zugleich
protestantischer Bischof des Bisthums Halberstadt war, zum
Vicekanzler im Stift Halberstadt und noch in demselben Jahre zum
Stiftskanzler. Unmittelbar nach des Herzogs Tode ergriff jedoch
der Stiftskanzler von Halberstadt mit seiner ganzen Familie und
all seiner beweglichen Habe die Flucht, wurde aber dabei von der
braunschweigischen Regierung festgenommen und in Wolfenbüttel
gefangen gesetzt. Nachdem
A.
allen seinen Gütern entsagt und versprochen hatte, das
Stift Halberstadt und das Herzogthum Braunschweig niemals wieder
zu betreten, setzte man ihn im Juli 1614 gegen einen feierlichen
Revers, welcher sogar die Betretung des Rechtsweges ausschloß, und
eine Caution seines Bruders Julius, wieder auf freien Fuß. Auch
das Domcapitel von Halberstadt hatte seine im Stift belegenen
Güter mit Beschlag belegt. Dies lange Zeit hindurch unerklärliche
Verfahren hat dem Anschein nach nichts mit der Politik des Herzogs
Heinrich Julius oder seines Sohnes Friedrich Ulrich zu thun: die
herzogliche Familie von Wolfenbüttel legte vielmehr auf die Güter
des Halberstädter Kanzlers, welche dieser als Geschenke seines
Herrn betrachtete, Beschlag, weil sie ihren Besitz nicht als
rechtmäßig anerkannte. Das Domcapitel von Halberstadt beschuldigte
ferner Heinrich Julius mit Foppe's van
A.
Gattin, einer Bürgerstochter von Halberstadt, "so vor
eine Jungfrau gangen", unziemliche Kundschaft getrieben zu haben.
Trotz zahlreicher Verwendungen, selbst des Kurfürsten von
Brandenburg, des Statthalters Moritz von Oranien, der
Generalstaaten und der Staaten von Friesland, hat man Foppe seine
Güter nicht wieder zurückerstattet.
Im August des J. 1617 ernannten die Generalstaaten Foppe zu
ihrem Vertreter bei den Hansestädten, welche Stellung er über ein
Jahrzehnt bekleidet hat. In derselben hatte er vielfältige
Gelegenheit, auch in die deutschen Verhältnisse, obwol niemals im
höheren Sinne maßgebend und bestimmend, einzugreifen: so war er
namentlich zur Zeit des dänischen Krieges sehr häufig in der
Umgebung Christians IV. Seine zahlreichen
Depeschen und Briefe sind jedoch leider noch fast alle ungedruckt
und zum größten Theil auch unbekannt. Wann er seines Dienstes von
den Generalstaaten enthoben worden ist, kann nicht mit
Bestimmtheit angegeben werden.
Im J. 1635, nachdem die Niederlande ein Bündniß mit Frankreich
geschlossen hatten, befand sich Foppe zunächst wol in eigenen
Geschäften in Wien. Schon bei dieser Gelegenheit ist er in den
Verdacht gerathen, sich den katholischen Gegnern allzu sehr
genähert zu haben. Im folgenden Jahre wurde er von den
Generalstaaten in einem diplomatischen Auftrage wiederum nach
|Wien gesendet, um nämlich den Niederlanden eine
gesichertere, vielleicht ganz neutrale Stellung unter den
streitenden Mächten auszuwirken. Auch sollte er die Belehnung
eines pommerschen Edelmanns und seiner holländischen
Geschäftstheilhaber, zu denen
A.
selbst gehört zu haben scheint, mit der Insel Ameland
nachsuchen. Nach seiner Erhebung in den Freiherrnstand wurde er
jedoch, da man neues Mißtrauen gegen ihn hegte, von Wien
abberufen. Schon war er von Hamburg abgereist, um sich in den
Niederlanden persönlich zu verantworten, als ihn in Oldenburg
(März 1637) eine Warnung erreichte. Er kehrte nach Hamburg zurück,
entging hier glücklich einem Agenten der Generalstaaten, welcher
ihn aufgreifen sollte, und gelangte über Lübeck nach Danzig. Von
hier aus begab er sich nach Prag, wo er angeblich als Anhänger der
katholischen Confession verstorben ist. Foppe van
A.
hat folgende beide Schriften veröffentlicht: "Poemata juvenilia", Helmstadi 1607 und "Dissertationum ex jure civili libri II.",
Helmstädt 1607.
Literatur ↑
v. d. Aa, Biograph. Woordenb. Wurm,
Studien über die Lebensschicksale des F. v.
A.
, Hamburg 1854. 1855 (Progr.). Apel, Forschungen IX. 642 ff.
Autor ↑
Opel.
Empfohlene Zitierweise ↑
Opel, Julius, „Aitzema, Foppe van“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
168-169
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11647677X.html?anchor=adb
Aitzema, Foppe van
Name: Aitzema, Foppe van
Namensvariante: Aizema, Foppe van
Namensvariante: Aissema, Foppe van
Namensvariante: Aitzema, Foppius van
Lebensdaten: vermutlich 1580 bis 1637
Geburtsort: Dokkum (Friesland)
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Diplomat; Jurist; niederländischer Staatsmann
Konfession: evangelisch; katholisch
Autor NDB:
Koeppen, HansAutor ADB:
Opel, JuliusPND: 11647677X