<< Schaxel, Julius Christoph Ehregott
Scheda, Joseph von >>
Schebesta, Paul Joachim (Baba wa Bambuti)
Steyler Missionar (Societas Verbi Divini (Steyler Missionare)), Ethnologe, Anthropologe, Linguist,
* 20.3.1887 Groß-Peterwitz (Kreis Ratibor, Hultschiner Ländchen, Schlesien),
† 17.9.1967 Missionshaus Sankt Gabriel, Mödling bei Wien. (katholisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Anton;
M Johanna Wytisk;
B Joseph (1885–1944), Steyler Missionar in Ostneuguinea, Linguist, starb beim Untergang seines Schiffes am 6.2.1944 bei d. Überfahrt nach Wewak (Neuguinea), mit ihm ging d.
v. ihm gesammelte Sprachenmaterial verloren (s.
W).
Leben ↑
Mit 12 Jahren trat
S. in das Internat des Missionshauses Heiligkreuz in Neisse (Schlesien) ein, wo er das Gymnasium absolvierte. Seit 1905 studierte er in
St. Gabriel (Mödling
b. Wien) Philosophie und Theologie sowie im Nebenfach bei P. Wilhelm Schmidt
SVD (1868–1954) Linguistik, Ethnologie und Religionsgeschichte. Nach seiner Priesterweihe 1911 wurde
S. in die neu eröffnete Sambesi-Mission der Steyler Missionare in Moçambique geschickt. Aufgrund ihrer
dt. Staatszugehörigkeit wurden die Missionare 1916 interniert,
z. T. in Lissabon. Nach seiner Freilassung 1919 forschte
S. in den Archiven und Bibliotheken Lissabons besonders über das alte
Kgr. Monomotapa, ehe er der Redaktion der Zeitschrift „Anthropos“ in
St. Gabriel zugewiesen wurde. 1924 begann
S. seine Tätigkeit als Feldforscher. Seine erste Expedition führte ihn zu dem Negrito-Stamm der Semangauf der Halbinsel Malakka. 1926 wurde er in Wien mit einer Dissertation über das
Kgr. Zimbabwe zum
Dr. phil. promoviert. 1929/30 und 1934/35 führte er Expeditionen zu den zentralafrikan. Pygmäen (Bambuti) im Ituri-Wald von Belgisch Kongo durch. 1938/39 reiste er erneut zu den Negrito, diesmal zu den Aëta auf den Philippinen sowie zu den Semang und Senoi auf Malakka. 1949/50 und 1954/55 hielt er sich bei den Pygmäen des Ituri-Waldes auf. Mehrere Expeditionen führte
S. mit dem Anthropologen P. Martin Gusinde
SVD (1886–1969), dem Blutgruppenforscher Jean-Baptiste Jadin (
* 1906) sowie den Bantuisten Amaat (Aimé) Burssens (1897–1983) und P. Anton Vorbichler
SVD (1921–99) durch.
S. forschte als Anthropologe, Ethnologe und Linguist. Er wollte beweisen, daß die Pygmäen eine eigene Rasse bilden und die Bambuti des Ituri-Waldes die „rassenechten Pygmäen“ darstellen. Er beschrieb ihre Wirtschaftsform, Sozialstruktur und Religion und war zeitlebens, allerdings vergeblich, damit beschäftigt, ihre ursprüngliche Sprache zu eruieren. Neben den modernen wie antiken Kultursprachen Europas waren
S. auch eine Reihe
afrikan. Sprachen und Dialekte sowie das Malaische geläufig. Er war zwar nicht der erste Erforscher der Negrito und Pygmäen, lieferte jedoch die ersten
wiss. Gesamtdarstellungen über diese Völker. Die Pygmäen nannten ihn wegen seiner Fürsorge „Baba wa Bambuti“ (Vater der Bambuti). In seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule für Welthandel in Wien und am Missionsseminar
St. Gabriel am Lehrstuhl für Ethnologie und Linguistik bereitete
S. seine Studenten (
u. a. Anton Vorbichler, Klaus Klostermaier, Willi Dupré, Karl Hutterer, Johannes Fabian) intensiv auf den Missionars- und Ethnologenberuf vor
|.Auszeichnungen ↑
Mitgl. d.
Österr. Ak. d. Wiss. (1956), d. Royal Anthropological
Inst., London, d.
Dt. Anthropol. Ges. (1956) u. d. Comm. Linguist. Afric. Tervuren.; Ehrenring d. Stadt Wien (1957); Gr.
BVK.
Werke ↑
u. a.
Die Zimbabwe-Kultur in Afrika, in: Anthropos 21, 1926, S. 484-522;
Die Bambuti. 2
Bde., 1938-50;
Die Negrito Asiens, 2
Bde., 1952-57;
Portugals Konquistamission in Südost-Afrika, 1966 (mehrere
tschech. u.
franz. Überss. dieser Werke);
ca. 150
wiss. Artikel in diversen
europ. Sprachen,
u. a. in: Anthropos, Kongo Overzee, Wiener
Anthropol. Mitt., Man, Archiv f.
Rel.wiss., Bijdragen to de Taal-, Land- en Volkenkunde;
ferner e. Reihe
v. Keiseberr.,
u. a. Bei d. Urwaldzwergen
v. Malaya, 1927;
Orang Utan, Bei d. Urwaldmenschen Malayas u. Sumatras, 1928;
Bambuti, die Zwerge vom Kongo, 1932;
Vollblutneger u. Halbzwerge, 1934;
Der Urwald ruft wieder, 1936;
Der ewige Ruf, 1948;
Baba wa Bambuti, 1957;
Les Pygmées du Congo Bulge, 1957;
–
zu Joseph: einige
Art. in: Anthropos, 1913-1945.
Literatur ↑
FS zu 75.
Geb.tag v. P. J.
S., Studia Instituti Anthropos 18, 1963
(vollst. W-Verz., P);
Zaire 2, 1948, S. 425 f.;
R. Rahmann, Vier Pioniere d. Völkerkunde, in: Anthropos 52, 1957, S. 263-76;
Sbornik Československé Společnosti zeměpisné 62, 1957, S. 359-63;
Schles. Kirche in
Lb.,
hg. v. J. Gröger
u. a., 1992, S. 84-88
(P);
–
Nachrufe:
A. Vorbichler, in: Anthropos 1967, S. 665-85;
American Anthropologist 70, 1968, S. 541-45;
Alm. d.
Österr. Ak. d. Wiss. 118 (1968), 1969, S. 327-36;
Lud 53, 1969, S. 251-72;
W. Dupré, P. J.
S. and the study of Mbuti culture. in: Central African hunter-gatherers in a multidisciplinary perspective, 1999, S. 133-38;
Kürschner, Gel.-Kal. 1966;
Killy.
Autor ↑
Josef F. ThielEmpfohlene Zitierweise ↑
Thiel, Josef Franz, „Schebesta, Paul Joachim“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
598
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd11875419X.html