<< Schauta, Friedrich
Schebesta, Paul Joachim >>
Schaxel, Julius Christoph Ehregott
Entwicklungsbiologe,
* 24.3.1887 Augsburg,
† 15.7.1943 Moskau.
Genealogie
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Genealogie ↑
V Julius (1854–1923),
Kaufm.,
S d. Josef, Orgelbauer in Herbolzheim, u. d. Karoline Tränkle;
M Pauline (1862–1944),
T d. Christof Eckhardt, aus
A., Spenglermeister, u. d. Pauline Rath; 5 jüngere
Geschw; –
⚭ 1) München 1909
⚮ 1926 Hedwig Schulmann (1888–1961,
⚭ 2) Willi [Wilhelm] Hoffer, 1897–1967, aus Luditz, Böhmen,
Dr. med. et
phil., Psychoanalytiker in Wien, emigrierte 1938
n. England, Arzt an d.
v. Anna Freud geleiteten Hampstead Klinik, 1949-60
Hg. d.
Internat. Journal of Psycho-Analysis, s.
BHdE II;
Biogr. Lex. Psychoanalyse), aus München, Psychoanalytikerin, emigrierte 1938
n. England,
Mitgl. u. Lehranalytikerin d. British Psycho-Analytical
Soc. in London (s.
Biogr. Lex. Psychoanalyse; Wissenschafterinnen Österreich), aus München,
T d. Albert Schulmann u. d. Ernestine Rau, 2) Deborah Epstein (
* 1903), aus Riga; emigrierte 1933 in d. UdSSR; 2
T aus 2).
Leben ↑
Nach dem Abschluß des Augsburger Realgymnasiums studierte
S. 1906-09 in Jena (
u. a. bei Ernst Haeckel, 1834–1919) und München Zoologie, Botanik, Philosophie und Psychologie und nahm an einigen meeresbiologischen Exkursionen nach Frankreich teil. 1909 wurde er bei Haeckels Nachfolger Ludwig Plate (1862–1937) zum
Dr. phil. promoviert (Die Morphologie d. Eiwachstums u. d. Follikelbildung bei d. Ascidien). 1910 übernahm
S. eine Stelle als Kustos am Phyletischen Museum in Jena, 1911 forschte er mehrere Monate an der Zoologischen Station in Neapel und auf Capri. 1912 habilitierte er sich in Jena für Zoologie (Versuch e. cytolog. Analysis d. Entwicklungsvorgänge). Nach weiteren Forschungsaufenthalten in Neapel und auf Mallorca sowie einer Tätigkeit im Laboratorium der Jenaer Psychiatrischen Klinik wurde
S. 1916 zum
ao. Professor der Zoologie ernannt. 1918-33 war er Leiter der „Anstalt für experimentelle Biologie“ in Jena, die aus Mitteln der Carl-Zeiss-Stiftung errichtet worden war.
1918 wurde
S. Mitglied des „Arbeiter- und Soldatenrates“ in Jena und trat erneut in die
SPD ein (über frühere Mitgl.schaft nichts bekannt), 1923 erfolgte seine Ernennung zum Regierungs-
bzw. Oberregierungsrat im Thür. Ministerium für Volksbildung. Sein Versuch einer sozialistischen Umgestaltung der Universität scheiterte. Im März 1924 wurde er seiner Amtspflichten enthoben und im Mai in den Wartestand versetzt. 1924/25 bereiste
S. die Sowjetunion und war zeitweise am „Marx-Engels-Institut“ in nicht näher bekannter Funktion tätig. 1924-33 war er in der Arbeiterbewegung aktiv (Proletar. Freidenkerbewegung, Volkshochschulbewegung) und gehörte 1926 (neben Albert Einstein, Johannes R. Becher, Käthe Kollwitz u. Kurt Tucholsky) zu den Mitunterzeichnern des „Aufrufes
dt. Geistesarbeiter“. Im März 1933 wurde ihm sein Lehrauftrag in Jena entzogen, im April emigrierte er in die Schweiz, im Juli folgte seine Absetzung als Leiter der Anstalt für experimentelle Biologie.
S. nahm ein Angebot als Leiter des Laboratoriums für Entwicklungsmechanik am „A. N. Sewertzow-Institut für Evolutionsmorphologie“ an und übersiedelte 1934 nach Moskau. Im
Nov. 1934 erfolgte die Aberkennung der
dt. Staatsangehörigkeit, einen Monat später wurde ihm die Doktorwürde durch die
Univ. Jena aberkannt, im Juli 1935 wurde er aus der „
Dt. Gesellschaft für Vererbungswissenschaft“ ausgeschlossen. Im
Jan. 1936 gehörte
S. (neben Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, J. R. Becher, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann u. Arnold Zweig) zu den Unterzeichnern des „Aufrufes für die
dt. Volksfront, Für Frieden, Freiheit und Brot“ und 1942 des Aufrufs „An die
dt. Professoren“. Zudem arbeitete er im „Nationalkomitee Freies Deutschland“ mit. Ob
S. zu irgendeiner Zeit Mitglied der
KPD oder der KPdSU war, ist unbekannt.
In seinen cytologisch-histologischen Arbeiten beschäftigte sich
S. u. a. mit der Testalzel-lenfrage sowie der Chromidien-Problematik bei Ascidien, Hydrozoen
usw. (cytolog. Analyse von Entwicklungsvorgängen). Frühzeitig erkannte er dabei die Grenzen dieser Untersuchungsmethodik, regte weiterführende experimentell-entwicklungsbiologische Untersuchungen an und begann mit umfangreichen Regenerations- und Transplantationsexperimenten sowie Parabioseversuchen am Axolotl. Am nachhaltigsten wurden aber seine theoretischen Arbeiten rezipiert, in denen er
u. a. intensiv mit dem Neovitalismus von Hans Driesch (1867–1941) auseinandersetzte.
S., der zu den hervorragenden Schülern Ernst Haeckels zählte, wurde mit entwicklungsbiologischen und biotheoretischen Arbeiten zu einem Vordenker der heutigen „Evolution-Developmenf'-Konzeption in der Biologie.
Werke ↑
Weitere W
Die Leistungen d. Zellen bei d. Entwicklung d. Metazoen, 1915;
Grundzüge d. Theorienbildung in d.
Biol., 1919,
21922;
Die
allg. u. experimentelle
Biol. b. d. Neuordnung d.
med. Studiums, 1921;
–
Hg.: Urania,
Mschr. f. Naturerkenntnis u. Ges.lehre 1924-33;
Abhh. z. theoret.
Biol. 1919-30;
–
Teilnachlässe: Archiv d. Ernst Haeckel-Hauses, Jena;
Ak. d. Wiss., Moskau.
Literatur ↑
E. Krauße, J.
S. an Ernst Haeckel 1906-1917, 1987
(P);
B. Wilhelmi (
Hg.), Theoret. Grundlagen u. Probleme d.
Biol., 1988, S. 3-283;
I. Jahn, R. Löther u. K. Senglaub,
Gesch. d.
Biol., 1982, S. 727,
|780
(P);
N. Hopwood, Making a red professor, in:
Hist. of Science 35, 1997, S. 367-424;
BHdE II.
Autor ↑
Uwe HoßfeldEmpfohlene Zitierweise ↑
Hoßfeld, Uwe, „Schaxel, Julius Christoph Ehregott“,
in: Neue Deutsche Biographie
22
(2005), S.
597-598
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118822977.html