<< Böhlen, Johannes Hippolytus
Boehm. >>
Boehlendorff, Casimir Ulrich
Dichter,
* Anfang (16.5.?) 1775 Mitau (Kurland),
† 10.4.1825 Marggrafen (Kurland). (evangelisch)
Genealogie
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| Autor
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Genealogie ↑
V Gottfried Boehlendorff (
† 1780), Kanzleivorstand der russischen Gesandtschaft in Mitau, in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts aus Preußen (Stettin?) nach Kurland eingewandert, später herzoglich kurländischer Kommissionsekretär;
B Hermann Boehlendorff (1773–1828), Professor der Theologie in Dorpat, Staatsrat, erhielt 1822 den erblichen russischen Adel; ledig.
Leben ↑
Nach einem Jahr juristischen Studiums in Mitau ging Boehlendorff 1794 nach Jena und schloß sich dort dem „Bund der freien Männer“ an. Zu diesem von idealistisch-frühromantischen Ideen erfüllten Kreis gehörten
u. a. J. F. Herbart, F. Muhrbeck, J. D. Gries, J. E. von Berger, F. Köppen, J. Smidt, J. G. Rist und R. Steck. Unter ihnen galt er als der zum Dichtertum Berufenste. Aber mehr noch als Literatur und Philosophie wurde ihm der überschwengliche Glaube an die Heiligkeit der Freundschaft zum eigentlichen Lebensinhalt. Mit mehreren Mitgliedern des Bundes reiste er 1797 nach der Schweiz. Als Hauslehrer erlebte er dort die erste seelische Krise, während der alle Gefahren seines Wesens, die sein späteres Unglück bestimmten, offen in Erscheinung traten. Durch die von Frankreich erzwungene schweizerische Revolution wurde sein historisches und politisches Interesse geweckt, das ihn zu einer dokumentarischen Darstellung der Ereignisse führte. Mit Muhrbeck reiste er 1799 nach Homburg vor der Höhe, wo er durch I. von Sinclairs Vermittlung die Freundschaft Hölderlins gewann. Nachdem er sich vergeblich um Schillers Teilnahme für seine poetischen Arbeiten bemüht hatte, geriet er in Dresden unter den Einfluß der Tieck-Wackenroderschen Romantik. Auf sein erstes lyrisch subjektivistisches Drama „Fernando oder Kunstweihe“ (1801) folgte der von A. W. Schlegel angeregte, streng nach dem Vorbild Schillers gearbeitete „Ugolino“ (1801), dem gegenüber sich auch Goethe ablehnend verhielt. Innere Unrast trieb den Erfolglosen weiter. Für eine Weile noch fand er in Bremen im bürgerlichen Freundeskreise Smidts Aufnahme. K. L. Woltmann lud ihn nach Berlin ein und vermittelte ihm die Mitarbeit an der Vossischen Zeitung. Hier unterlag er in einer Fehde mit dem Aufklärer G. H. Merkel. Nach einem schweren seelischen Zusammenbruch zog es ihn in die Heimat zurück. 21 Jahre lang irrte er durch Kurland, bis er in einem Schwermutsanfall seinem Leben selbst ein Ende bereitete. Fern allen literarischen Einflüssen und immer nahe am Abgrund entwickelte sich seine Lyrik in dieser letzten, dunklen Zeit zu eigener Tiefe, die zuweilen Hölderlin verwandt erscheint, der ihm 1801 geschrieben hatte: „Wir haben
ein Schicksal“.
Werke ↑
Poet. Taschenbuch auf 1803,
hrsg. v. G. A. H. Gramberg u. C. U.
B. (darin
v. B.: Franz d. Erste
v. Frankreich,
hist. Schauspiel, 1. T.: Die Schlacht
v. Marignano, Die goldne Hochzeit-Feyer, ein allegor. Dramolet, Gedichte);
Gesch. d.
Helvet. Revolution, in: K. L. Woltmanns „
Gesch. u. Politik“ III, 1802; Üb. Chamforts Werke, Der Marschall
v. Richelieu, Szenen aus d. 2. T. d.
hist. Schauspiels Franz d. Erste, in: G. A.
v. Halems „Irene“ III, 1802; Abenteuerl. Briefe, in: Taschenbuch d. Liebe u. Freundschaft gewidmet auf 1803;
hs. Nachlaß zuletzt im
Kurländ. Provinzialmus. Mitau;
Verz. d. erhaltenen Briefe
b. Freye, S. 274 f.
Literatur ↑
J. F.
v. Recke-C. E. Napiersky,
Allg. Schriftsteller- u. Gelehrtenlex. d.
Prov. Liv-, Est- u. Kurland I, Mitau 1827;
Goedeke VII, 1906, S. 490f.
(W, L);
Kosch, Lit.-Lex. I;
A. Neubrunn, C. U.
B.s Leben u. dramat. Tätigkeit, 3 T., in:
Jber. d. Staatsgymnasiums
Ungar.-Hradisch, 1911–13;
K. Freye, C. U.
B., d. Freund Herbarts u. Hölderlins, Pädagog. Magazin, H. 547, 1913
(W, P);
A. Kelletat, C. U.
B., ein
kurländ. Dichter, in: Balt. Briefe,
Jg. 5,
Nr. 11,
Nov. 1952.
Portraits ↑
Silhouette (Archiv d. Smidt-Stiftung, Stadtarchiv Bremen),
Abb. b. Freye
(s. L).
Autor ↑
Adalbert ElschenbroichEmpfohlene Zitierweise ↑
Elschenbroich, Adalbert, „Boehlendorff, Casimir Ulrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
377 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd119435101.html