<< Böhl von Faber, Johann Nikolaus
Boehle, Fritz >>
Böhlau, Helene
Schriftstellerin,
* 22.11.1856 Weimar,
† 26.3.1940 Augsburg. (lutherisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
Aus Verlegerfamilie;
V Hermann (1826–1900), Verlagsbuchhändler und Hofbuchdrucker in Weimar,
S des Juweliers Johann in Halle und der Henriette Bispink,
T eines Verlegers in Halle;
M Therese,
T des großherzoglichen Legationsrats Ottokar Thon und der Therese Kirsten aus Weimar;
Ov Hugo (1833–87), Rechtslehrer, Mitherausgeber der Zeitschrift für Rechtsgeschichte;
⚭ Konstantinopel 1886 Friedrich Helvig Arndt (nach Übertritt zum Islam: Omar al Raschid Bey, 1839–1910), deutsch-russischer Herkunft, Architekt und Privatgelehrter, zeitweilig Leiter des geographischen Instituts in Weimar; 1
S.
Leben ↑
Böhlau erhielt im Elternhaus eine sorgfältige Erziehung durch Privatunterricht (Lehrer
u. a. J. Sturm und F. Preller), vertieft durch ausgedehnte Reisen. Seit 1882 veröffentlichte sie, bald mit großem Erfolg, Novellen und Romane, die sich in zwei Themengruppen gliedern: das (emanzipatorische) Recht der Frau (
u. a. Im frischen Wasser, 1891, Der Rangierbahnhof, 1895, Das Recht der Mutter, 1897,
|Halbtier, 1899) und die Altweimarer Vergangenheit (
u. a. Ratsmädelgeschichten, 1888, Altweimarische Geschichten, 1897, Der gewürzige Hund, 1916, Die leichtsinnige Eheliebste, 1925). - Böhlaus Bedeutung liegt in den frühen, aus echter Vitalität und Leidenschaft geschriebenen Werken um die Jahrhundertwende. 1886-90 lebte sie mit ihrem Mann, der, um sie heiraten und seine erste Ehe scheiden zu können, zum Islam übergetreten war, in Konstantinopel, seitdem in und bei München und in Südtirol. Nach dem Tode ihres Mannes gab sie sein philosophisches Werk heraus, zu dessen geistigem Gehalt sie sich als „meines Lebens Inhalt und Kraft“ bekennt. Sie erhielt den Preis der Deutschen Schillerstiftung.
Werke ↑
Ges. Werke, 1915, 9
Bde., 1929;
Autobiogr. Romane: Im frischen Wasser, 1891; Das Haus zur Flamm', 1907; Isebies, 1911;
s. a. Kosch, Lit.-Lex. I.
Literatur ↑
Soergel, S. 309-14
(P);
R. M. Meyer, Die
dt. Lit. d. 19. u. 20.
Jh.,
hrsg. u.
fortges. v. H. Bieber, 1921, S. 550 bis 553;
Omar al Raschid Bey, Das hohe Ziel d. Erkenntnis, Aranada Upanishad,
hrsg. v. H.
B. al Raschid Bey,
31922;
G. Witkowski, H.
B.s Selbstbildnis, in: Miniaturen, 1922, S. 233 ff.;
H. Naumann, Die
dt. Dichtung d. Gegenwart, 1924, S. 174-76;
Ali Nuri, H.
B. (Frau Omer al Raschid), Der Roman ihres Lebens, Istanbul 1932;
Th. Lessing, Einmal u. nie wieder, 1935, S. 291 ff., 321;
P. Fechter, Die
dt. Lit. v. Naturalismus bis
z. Lit. d. Unwirklichen, 1938, S. 350-52
(P);
F. Lennartz, Die Dichter unserer Zeit,
41941, S. 49 f.;
Kosch, Lit.-Lex. I
(W, unter Arndt);
Körner. -
Zu Ov Hugo: ADB XLVII.
Autor ↑
Hans SchwerteEmpfohlene Zitierweise ↑
Schwerte, Hans, „Böhlau, Helene“,
in: Neue Deutsche Biographie
2
(1955), S.
376 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118878484.html