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Ahle, Johann Rudolf
* 24.12.1625 Mühlhausen,
† 9.7.1673 Mühlhausen. (lutherisch)
Genealogie
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| Literatur
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Genealogie ↑
S Johann Georg Ahle (s. 1).
Leben ↑
Ahle studierte nach Schulbesuch in Mühlhausen und Göttingen Theologie in Erfurt, wo er bereits 1646 Kantor wurde; seit 1649/50 wirkte er in der Vaterstadt, mit Ausnahme der Jahre 1662–67, als Organist, Kantor und Pfarrer, im Todesjahr auch als erster Bürgermeister. - Bibelwort und Kirchenlied sind textliche Grundlagen seiner Musik; auf vorwaltend lyrisch-homophoner Grundlage entfaltet sie ihre besten Kräfte in Richtung auf das Liebliche. Er komponierte 1664 die Melodie zu dem Choral „Liebster Jesu, wir sind hier …“.
Werke ↑
Ausw. u. Verz, in: Denkmäler
dt. Tonkunst V, 1901 (
hrsg. v. J. Wolf); s.
MGG.
Literatur ↑
J. Wolf, J. R.
A., eine bio-bibliograph. Skizze, in: Sammelbde. d.
Internat. Musikges. II, 1900/01, S. 393-400;
A. Adrio, in:
MGG.
Autor ↑
Walter GerstenbergEmpfohlene Zitierweise ↑
Gerstenberg, Walter, „Ahle, Johann Rudolf“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
108
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd104325453.html
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Ahle, Johann Rudolph
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Ahle: Johann
Rudolph
A.
, angesehener kirchlicher Tonsetzer des 17.
Jahrhunderts, geb. zu Mühlhausen in
Thüringen 24. Dec. 1625.
Im J. 1643 kam er auf die Schule nach Göttingen, 1645 auf die
Universität Erfurt, wurde aber schon nach einem Jahre als Cantor
an die dortige Andreaskirche berufen; 1654 wurde er Organist an
St. Vlasien zu Mühlhausen, 1655 unter Beibehaltung seines
Organistendienstes in den Rath gewählt und bald darauf
Bürgermeister, in welchem Amte er 8. Jul 1673, also schon im 48.
Jahre seines Alters starb.
A.
war ein wackerer Mann und treuer sorgsamer Verwalter
seiner bürgerlichen und musikalischen Aemter, nicht minder fleißig
als Componist und eifrig um die Pflege des Kirchengesanges bemüht.
Schon als Cantor zu Erfurt hatte er angelegentlich mit der
Erziehung des Chores sich beschäftigt und eine Anweisung zum
Singen herausgegeben: "Compend. pro
tenellis", Erf. 1648, welche 1690 und 1704, durch seinen Sohn
Georg mit Anmerkungen vermehrt, wieder aufgelegt wurde. Seine
gedruckten Tonwerke (vgl. Gerber, N. Lex.) bestehen aus: "Geistl.
Dialogen" zu 2—4 und mehr St., Erf. 1648; "Symphonien, Paduane,
Balleten etc." zu 3—5 Instr., ebd. 1650; "Thüring. Lustgarten
etc.", geistl. Gesänge zu 3—10 und mehr St., 2 Theile, Mühlh.
1657—58; Nebengang desselben 3—10 voc.,
ebd. 1663; (400) "Geistl. Arien", 1—4 voc., Mühlh. 1660—62; verschiedene Samml.
geistl. Concerte 3—20 voc., Mühlh.
1663—66; "Geistl. Andachten auf die Festtage", 1—8 voc., ebd. 1662; auf die Sonntage, ebd. 1664;
"10 geistl. Chorstücke", 5—8 voc., ebd.
1664; "Chormusik" (15 Motetten), 5—10 voc., ebd. 1668; "Geistl. Fest- und
Communion-Andachten", erst nach seinem Tode 1676 gedruckt. Auch
einen lateinischen Tractat "De progress.
consonantiarum", dessen Druckjahr unbekannt ist, hat er
hinterlassen. — Ahle's Stil folgt der, auch die Kirchenmusik
seiner Zeit beherrschenden Richtung auf den concertirenden und mit
Instrumentenspiel verbundenen Gesang; er ist würdig und noch frei
von manchen spielenden Ausschreitungen späterer Pietisten. Mit
besonderer Neigung gepflegt hat er das geistliche Lied (Arie). In
durchgeführteren Sätzen war beziehentlich der Anlage, der Art und
Weise seiner Polyphonie und Stimmenverwebung, sowie der Verwendung
älterer Kirchenweisen für den Kunstgesang, besonders Hammerschmidt
sein, wiewol nicht erreichtes, Vorbild. Im Contrapunkt war
A.
nicht gerade stark, doch reich an gefälliger und
frischer Melodie, daher waren das Lied und Liedmäßige weit mehr
sein Element als der kunstvollere Motettensatz und das größer
angelegte Concert. Zur Entwicklung des geistlichen Arien- oder
Liedergesanges hat er beigesteuert, von seiner Menge geistlicher
Arien gingen auch viele in den Gemeindegesang über und sind zu
Mühlhausen theilweise jetzt noch im Gebrauche. Ueber die Grenzen
Thüringens und Sachsens hinaus sind jedoch nur wenige gedrungen
und nur vereinzelte haben allgemeinere Verbreitung gefunden, wie
die später auf den Text "Liebster Jesu, wir sind hier" übertragene
und gegenwärtig noch kirchenübliche Melodie. Auch hat er selbst
Liedertexte gedichtet, von denen sich aber keiner lange gehalten
hat.
Johann
Georg
A.
, sein Sohn, geb. zu Mühlhausen 1650,
ward nach dem Tode seines Vaters 1673 dessen Nachfolger als
Organist an St. Vlasien, 1680 von Kaiser Leopold I. zum Poeten gekrönt, auch Rathsherr, †
2. Dec. 1706. Er folgte im
Allgemeinen der Richtung seines Vaters, wenn auch in Bezug auf die
Popularität seiner geistlichen Lieder nicht mit gleichem
Erfolge;
|denn von seinen Melodien hat auch im
Gemeindegesange seiner Vaterstadt keine bis auf die Gegenwart sich
erhalten; überhaupt ist seine Einwirkung schneller
vorübergegangen. Doch sind auch von ihm zahlreiche Werke gedruckt
(sämmtlich zu Mühlhaufen), darunter für Gesang: "Geistl.
Andachten", 1671; "Unstrutische Melpomene" (Bet-, Buß- und
Sterbelieder) und "Polyhymnia" (Fest-, Lob- und Danklieder), beide
1678; "Urania" (geistl. Lenz- und Liebeslieder), 1679; "Ehrenlied"
für Georg Neumark in der Palmgesellschaft (1680); "Apollo" (Fest-,
Lob- etc. Lieder), 1681; Buß- und Trostlieder, verschiedene
Musiken zu Rathswahlen. Für Instrumente hat er mehr hinterlassen
als sein Vater: "Frühlingsmusik", 1675—76; "Terpsichore"; "Thalia"
(20 Geigenspiele), 1679; "Violdigambenspiele", 1681. Auch war er
fleißiger Theoretiker und Schriftsteller, doch sind die meisten
seiner Schriften durch einen Brand zu Mühlhausen 1689 zerstört
worden. Man kennt davon: "Musikalische Maienlust", 4 Thle.
(1676—78), Gespräche von der Musik Ursprung, Erfindern, Liebhabern
etc., sowie auch Vocal- und Instrumentalstücke enthaltend;
"Unstrutina, musik. Gartenlust", 1687; "Gespräche von der
Composition" (Frühlings-, 1695; Sommer-, 1697; Herbst-, 1699;
Winter-Gespräche, 1701). Forkel, Litt. 425, lobt diese, sowie vor
Allem Ahle's Zusätze zu seines Vaters Singekunst.
Literatur ↑
Winterfeld II. 296 ff. 328 ff. Spitta,
Bach I. 331.
Autor ↑
v. Dommer.
Empfohlene Zitierweise ↑
Dommer, Arrey von, „Ahle, Johann Rudolph“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
159-160
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd104325453.html?anchor=adb