<< Lanz, Johann Wilhelm
Lanzedelly, Joseph der Ältere >>
Lanz, Josef (Klostername Georg; nannte sich „Lanz von Liebenfels“)
Rassenideologe, Sektengründer,
* 19.7.1874 Wien (nicht 1.5.1872 Messina),
† 22.4.1954 Wien.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Johann Lanz, Lehrer in
W. (nicht Baron Lanz
v. Liebenfels [
Fam. dieses Namens bereits 1798 erloschen]);
M Katharina Hoffenreich aus
W. (nicht Katharina Skala); ledig.
Leben ↑
L. besuchte das Gymnasium in Wien und trat 1893 als Novize in das Zisterzienserstift Heiligenkreuz
b. Wien ein. 1894 hatte er beim Anblick eines Grabsteines, der anläßlich der Renovierung des Bodens im Kreuzgang gehoben worden war, eine „Erleuchtung“. Der Grabstein stellt einen Ritter dar, der auf einem Affen steht.
L. glaubte, es handle sich um einen der Tempelritter, die er schon vorher schwärmerisch verehrte. Er „erkannte“ in dem Ritter das herrenmenschliche Symbol „blau-blonden“ Ariertums (= gutes Prinzip), in dem Affen das Symbol des Niederrassentums (= böses Prinzip). 1899 verließ er das Stift. Bald danach gründete
L. einen „Orden des Neuen Tempels“, eine außerkirchliche Sekte, deren Mitglieder sich zu blau-blonder Reinzucht verpflichten mußten. Bis zum Lebensende war er Prior dieses „Ordens“. Er erwarb die Burgruine Werfenstein im Strudengau, nahe Grein, als erste Ordensburg und hißte dort 1907 seine erste Hakenkreuzfahne: Auf goldenem Grund vier blaue Lilien (= Rassenreinheit) um ein rotes Hakenkreuz. Als sich die Neutempler verbreiteten, entstanden weitere Ordensburgen.
1904 veröffentlichte
L. sein erstes ideologisches Werk, die „Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götter Elektron", eine Darstellung des Sündenfalls der blond-blauen Frauen: Sie ließen sich mit den Affen ein, wodurch die „Niederrassen“ entstanden. Die Erlösung der Menschheit sei nur durch Rassenentmischung zu erlangen: Die blond-blauen Götter, die von „oben“ stammen, müßten die Niederrassen versklaven und auf diese Weise Ordnung schaffen.
L. brachte seit 1905 die Zeitschrift „Ostara, Briefbücherei der Blonden und Mannesrechtler“, heraus, die eine Auflage von 100 000 erreichte. Hitler besuchte ihn 1909, da ihm einige Ostarahefte, die von großem Einfluß auf die Entwicklung seiner ideologischen Denkstruktur waren, fehlten. Nach der Machtübernahme Hitlers in Öster
|reich bekam
L., dessen Schwärmerei selbst den Nationalsozialisten zu weit ging, Schreibverbot. Es gab aber immer noch Leute, die ihm die Treue hielten und ihn bis zuletzt finanziell unterstützten.
Werke ↑
Weitere W u. a.
Einführung in d.
Rassenkde., 1909;
Rassentüml. Erziehung, 1912;
Rassenmischung u. Rassenentmischung, 1912;
Der Weltkrieg als Rassenkrieg d. Dunklen gegen d. Blonden, 1927;
Biblimystikon
od. d. Geheimbibel d. Eingeweihten, 4
Bde., 1928-32. -
Hrsg.: Ostara, Briefbücherei d. Blonden u. Mannesrechtler,
Zs., 100
Hh., 1905-18,
21927-30;
Hertesburger Flugschrr., 10
Hh., 1933 ff.;
Luzerner Briefe, 47
Hh., 1933 ff.;
Ariomantische Bücherei.
Literatur ↑
W. Daim, Der Mann, der Hitler d. Ideen gab, 1958
(P);
K. Kraus, Er ist doch „ä Jud“, in: Die Fackel 15,
Nr. 386
v. 29.10.1913,
Nr. 389/90
v. 15.12.1913;
Wi. 1928 u. 1935
(unter Liebenfels;
W-Verz.)
Autor ↑
Wilfried DaimEmpfohlene Zitierweise ↑
Daim, Wilfried, „Lanz, Josef“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
626 f.
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118569635.html
Lanz, Josef
Name: Lanz, Josef
Namensvariante: Lanz, Georg
Namensvariante: Lanz von Liebenfels, Josef
Lebensdaten: 1874 bis 1954
Geburtsort: Wien
Sterbeort: Wien
Beruf/Lebensstellung: Rassenideologe; Sektengründer
Konfession: katholisch; Sektierer
Autor NDB:
Daim, WilfriedPND: 118569635