<< Kütner, Karl August
Kufferath, Johann Hermann >>
Küttner, Hermann
Chirurg,
* 10.10.1870 Berlin,
† 10.10.1932 München.
Genealogie
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Genealogie ↑
V Otto (
* 1837), Gutsverwalter in Saratow (Rußland), dann Rittergutsbes. in Soldin,
S d.
Kaufm. Sebastian in
St. Petersburg u. d. Eleonora Strauch;
M Hedwig (1845–1909),
T d. Hermann Gerson (1814–61),
KR, Hoflieferant u.
Großkaufm. in
B., u. d. Ernestine Cohn;
⚭ Berlin 1902 Johanna,
T d.
Großkaufm. Leopold Bernhard (1836–1907) in
B. u. d. Klara Magdalena Damcke; 3
S, 1
T .
Leben ↑
K. studierte in Tübingen, Erlangen und Kiel Medizin und promovierte 1894 in Tübingen, wo er – nach anatomischer Vorbereitung bei
v. Waldeyer – Schüler des Chirurgen P.
v. Bruns wurde. 1897 zum Privatdozenten und 1900 zum
ao. Professor der Chirurgie ernannt, wechselte er 1904 nach Marburg über und wurde hier zwei Jahre später Ordinarius. 1907 nahm er den Ruf auf den chirurgischen Lehrstuhl in Breslau an, den er bis zu seinem Lebensende innehatte.
K. besaß operativen Einfallsreichtum und eine geschickte Hand, die ihn zu einem glänzenden Operateur machte. So konnte er in dieser stürmischen Entwicklungsepoche seines Faches der praktischen Chirurgie auf allen Teilgebieten neue Wege öffnen und zugleich den Ausbau ihrer wissenschaftlichen Grundlagen fördern. – Die nach ihm benannten Operationsverfahren zeigen seinen Einfluß auf die Entwicklung neuer chirurgischer Eingriffe: 1. sacrale Vorlagerung des Mastdarms zur Enddarmamputation; 2. Gefäßplastik bei Halsaneurysmen; 3. Defektdeckung am Schädeldach durch frei transplantierten, mit der Knochenhaut nach innen eingesetzten Knochenspan aus der näheren oder weiteren Umgebung; 4. neuer operativer Zugang zum Angehen einer Halsphlegmone oder zur Darstellung der Halsgefäße; 5. Schleimhautplastik bei Speichelfisteln; 6. neue Methode zur Freilegung des Aortenbogens. Vorzüglich die plastische Chirurgie verdankt ihm Anregungen von bleibendem Wert. Die neu aufstrebende orthopädische Chirurgie, die unter seinem berühmten Vorgänger
Johs. v. Mikulicz-Radecki besonders gefördert worden war, wurde auch unter seiner Leitung an der Breslauer Klinik weiter gepflegt, und die Traumatologie verdankt ihm die Beschreibung des „Granuloma teleangiectodes“ bei vernachlässigten Handinnen- und Fingerverletzungen. Als Delegierter des Deutschen Roten Kreuzes im
griech.-türkischen und im Burenkrieg gelang es ihm, ebenso wie beim Boxeraufstand, die Kriegschirurgie grundlegend zu verbessern und ihr die neue Röntgendiagnostik nutzbar zu machen.
Sein wissenschaftlicher Ruf wurde durch seine Arbeiten über chirurgische Erkran
|kungen im Bereich des Hirn- und Gesichtsschädels sowie des Halses begründet. Hier sind ihm zugleich anatomische und pathologische Beschreibungen zu danken, von denen einige auch heute noch seinen Namen tragen. Schließlich entwickelte er in Zusammenarbeit mit dem Neurologen Otfried Foerster die operative Behandlung der gastrischen Krisen bei der Tabes dorsalis. Auch ermöglichte er Foerster die Einführung in die chirurgische Praxis zur Entwicklung seiner weiteren neurochirurgischen Operationen und leistete damit – seiner Zeit voraus – Hilfestellung bei der Begründung der Neurochirurgie.
Werke ↑
u. a.
Die Bedeutung d. Röntgenstrahlen f. d. Kriegschirurgie, 1897;
Kriegschirurg. Erfahrungen im
Südafrikan. Kriege, 1900;
Unter d. Roten Kreuz im
Südafrikan. Kriege, 1900;
Chirurgie d. Kopfes, in:
Hdb. d.
prakt. Chirurgie I,
hrsg. v. E.
v. Bergmann, 1900;
Die Chirurgie d. quergestreiften Muskulatur, 2
Bde., 1913 (mit F. Landois);
Die Hieb- u. Stichwunden d. Gehirns, 1920 (mit
K. Wrobel). -
Hrsg.: Dt. Chirurgie;
Neue
Dt. Chirurgie;
Bruns'
Btrr. z. klin. Chirurgie;
Hdb. d.
prakt. Chirurgie, 6
Bde.,
51921-24 (mit C. Garrè u. E. Lexer);
Lehrb. d.
prakt. Chirurgie,
81923,
91931 (mit L. Wullstein).
Literatur ↑
E. Payr, in: Münchener
Med. Wschr. 79, 1932, S. 2087-89
(P);
W.
v. Brunn
d. Ä., Geschichtl. Einführung in d. Chirurgie, in: M. Kirschner u. O. Nordmann, Die Chirurgie I, 1926, S. 21;
ders., Kurze
Gesch. d. Chirurgie, 1928, S. 290;
Rhdb. (P);
Fischer;
Kürschner, Gel.-Kal. 1931
(W).
Autor ↑
Markwart MichlerEmpfohlene Zitierweise ↑
Michler, Markwart, „Küttner, Hermann“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
241-242
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd117553859.html