<< Küstner, Otto
Kütner, Karl August >>
Küstner, Friedrich
Astronom,
* 22.8.1856 Görlitz,
† 15.10.1936 Mehlem bei Bonn. (evangelisch)
Genealogie
| Leben
| Auszeichnungen
| Literatur
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Eduard (1823–91), Maurermeister, Architekt,
S d.
Joh. Friedrich, aus Camburg/Saale, Nagelschmied in
G., u. d. Christiane Dorothea Anders aus
G.;
M Amalie (1827–1902),
T d. Karl Friedrich Naumann, Seifensiedermeister u. Partikulier in
G., u. d. Amalie Dorothea Gläser;
⚭ 1887 Else,
T d. Bildhauers Carl Börner in Hamburg; 1
S (
⚔), 2
T ,
u. a. Johanna (
⚭ Hermann Schneider, 1886–1961,
Prof. d. Germanistik in Tübingen).
Leben ↑
K. studierte und promovierte in Berlin und war dann einige Jahre lang Assistent in Berlin und Hamburg. Sein Lehrer F. W. Förster ermöglichte ihm 1882 die Teilnahme an der
sog. „Venusexpedition“ nach Punta Arenas (Magellanstraße) zur Bestimmung der Entfernung Erde–Sonne. Seit 1884 war
K. Observator an der Berliner Sternwarte, wurde 1891 als
o. Professor nach Bonn berufen und blieb dort bis zu seiner Emeritierung 1925.
K. stellte an seine Messungen höchste Anforderungen und bearbeitete sie in eingehender Kritik. Sein Ziel war die Erstellung gesicherter Sternpositionen und -bewegungen, die für die Arbeiten späterer Generationen von Astronomen Unterlagen geben sollten. Seine Beobachtungskunst zeigte sich vor allem an der 1884 erfolgten Entdeckung der „Polhöhenschwankung“, die später zu einem – bis heute fortgeführten – ständigen internationalen Überwachungsdienst geführt hat. Diese Untersuchungen bilden zusammen mit der 1910 erstmalig durchgeführten spektroskopischen Entfernungsbestimmung der Sonne das erste von 5 Hauptarbeitsgebieten
K.s. Ein zweites sind seine teils in Berlin, teils in Bonn durchgeführten, an die 5 000 Messungen umfassenden Meridiankreisarbeiten. Sie wurden 1910 mit dem großen Katalog von 10 600 Sternpositionen gekrönt, der ihm die Goldene Medaille der Royal Astronomical Society in London einbrachte. Ein drittes Arbeitsgebiet waren die zahlreichen und sehr genauen Radialgeschwindigkeitsmessungen an etwa 500 Sternen, die aufgegeben wurden, als der relativ kleine Bonner Refraktor nicht mehr mit den
amerikan. Spiegelteleskopen in Wettbewerb treten konnte. Dafür widmete sich
K. als viertem Gebiet 1900-25 der photographischen Präzisionsvermessung zahlreicher Sternhaufen, einer Arbeit, die erst rund 50 Jahre später durch Wiederholung und Vergleich begann, Früchte zu tragen. Ein letzter Bereich seiner Tätigkeit galt der Organisation internationaler Gemeinschaftsarbeiten, besonders auf dem Gebiet der Meridiankreisastronomie. So beobachtete er gemeinsam mit seinen Observatoren und Assistenten die „Intermediären Sterne" und die „Selected Areas". Vor allem aber war er der „Spiritus rector“ bei der Wiederholung des „Zonenunternehmens der Astronomischen Gesellschaft“, der langjährigen Vorbereitung, der Auswahl der photographischen Anhaltsterne, der Erprobung einer Spezialkamera und dem Aufstellen bindender Richtlinien für die Beobachter. Dabei war er bestrebt, alle erdenklichen systematischen Fehler in den Messungen durch geeignete Vorschriften unwirksam zu machen. Er konnte noch die Vollendung der Beobachtungen für diese Gemeinschaftsarbeit von sieben astronomischen Instituten erleben. –
K. war ein ausgezeichneter Lehrer. Sein Unterricht war ganz auf die Beobachtungspraxis und die Kritik der eigenen Messungen ausgerichtet. Hypothesen stand er abwartend gegenüber. Er wollte nur gesicherte Grundlagen schaffen.
|Auszeichnungen ↑
Goldene Bradley-Medaille d. Berliner
Ak.;
Mitgl. d.
Preuß. Ak. d. Wiss. (1910).
Literatur ↑
J. Hopmann, in:
Vjschr. d. Astronom.
Ges. 72, 1937;
E. Zinner,
Gesch. d.
Sternkde., 1931;
Rhdb. (P);
Pogg. III-VI.
Autor ↑
Josef Hopmann Empfohlene Zitierweise ↑
Hopmann, Josef, „Küstner, Friedrich“,
in: Neue Deutsche Biographie
13
(1982), S.
240
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116592850.html
Küstner, Friedrich
Name: Küstner, Friedrich
Lebensdaten: 1856 bis 1936
Geburtsort: Görlitz
Sterbeort: Mehlem bei Bonn
Beruf/Lebensstellung: Astronom; Professor der Astronomie in Bonn
Konfession: evangelisch
Autor NDB:
Hopmann, JosefPND: 116592850