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NDB-Artikel

<< Geitel, Hans     Geit ner, Valentin >>

Geitner, Ernst August

Chemiker, Erfinder, Fabrikant, * 12.6.1783 Gera, 24.10.1852 Schneeberg (Erzgebirge). (evangelisch)


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Joh. Gottfried (1742–1810), Subrektor am Gymnasium in G., S d. Zeugmachers Joh. Chrstn. in G. u. d. Sybilla Dor. Drechsler; M Joh. Friederike Sophia (1744–91), T d. Frdr. Dreher, Reg.- u. Konsistorialsekr. in G., u. d. Susanne Ilsberger| ⚭ Lößnitz 1810 Charlotte (1790–1868), T d. Ludw. Gottlieb Frdr. Oppe, aus angesehener Kauf- u. Handelsherrnfam. in Lößnitz, u. d. Christiane Charl. König; 3 S , 1 T Ernst Hermann (1810–78), Chemiker, Inh. d. Farbenfabr. „Geitner u. Comp., Feingeriebene Schmelzfarben“ in Sch., Alfred ( 1855), Leiter d. Argentanwerks in Auerhammer, Gustav ( 1866), übernimmt d. „Planitzer Treibegärtnerei“ (s. W), Agnes (⚭ Franz Adolf Lange, 1815–98, der seit 1855 d. Argentanwerk in Auerhammer leitete); E (S d. Ernst Hermann) Curt (1840–1903), Dr. phil., KR, Chemiker, Inh. d. Farbenfabr. „Geitner u. Comp.“; Ur-E Felix (1869–1926) u. Hans (* 1874, 1918), Teilh. d. Farbenfabr., Curt Rr. v. G. (bayer. Personaladel 1915, * 1884), Betriebschemiker u. Teilh. d. Farbenfabr. „Geitner u. Comp.“ (enteignet 1946), Gen.-Major d. Res.; Urur-E Werner Lange (* 1913), Prof. f. Metallhüttenkde.

Leben  
Das 1801 in Leipzig begonnene Theologiestudium gab Geitner bald zugunsten der Medizin und Naturwissenschaften auf. Bereits in jungen Jahren verfaßte, vor allem als Jugendlektüre zugeschnittene Lehrbücher der Chemie verraten eine Vorliebe für dieses Fach und seine Anwendungen. Praktische Erfahrungen erwarb Geitner (um 1807/08) auf dem Eisenhüttenwerk Lauchhammer von D. K. Graf Einsiedel. Nach Ausstellung des medizinischen Doktordiploms (1809) ließ er sich als Arzt in Lößnitz im Erzgebirge nieder. Hier gründete er 1810 eine Fabrik für chemische Produkte, vor allem Metallbeizen, „holzsaure Verbindungen“ der Tonerde, des Eisens, Kupfers, Zinns und so weiter, bestimmt für die Zeugfärberei in der durch die Kontinentalsperre begünstigten sächsischen Webwarenindustrie. Dabei nutzte er die Nähe der umliegenden Hüttenwerke wie auch der im Waldgebiet verbreiteten Köhlereien, die Holzessig als Nebenprodukt erzeugten, aus. Nach den napoleonischen Kriegen siedelte die Fabrik nach Schneeberg über. Dort gelang Geitner 1819 die Erzeugung gelber, für Baumwoll-, Leinen- und Wollgewebe anwendbarer Farbtöne aus Bleizucker und chromsaurem Kali, die einige Jahre später auch in Frankreich entwickelt wurden. Gemeinsam mit H. W. Kurrer stellte er grüne Kupferfarben her.
Geitners berühmteste Tat wurde die Nacherfindung und erste technische Erzeugung des chinesischen Packfong, einer Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, von Geitner „Argentan", von anderen „Neusilber“ oder „Alpaka“ genannt. Begünstigender Umstand war auch hier die greifbare Nähe nickelhaltiger Schlacken auf den Schutthalden benachbarter, Kobalterze verarbeitender Blaufarbenwerke. Ein von Geitner ersonnenes Verfahren zur Darstellung von reinem Nickel im großen ermöglichte erst die fabrikmäßige Herstellung der Legierung, die bereits 1823 im Gange war. Daß die Nachfrage nach einem preiswerten silberfarbigen, nichtrostenden, zu Speisegeräten verwendbaren Material damals allgemein war, erweist eine Preisaussetzung des „Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen“ vom Jahre 1823 auf die Erfindung einer derartigen Legierung und die Errichtung einer Fabrik innerhalb Preußens. Den Preis - er wurde offenbar nie vergeben - erhielt Geitner jedoch nicht, da er die Verarbeitungsrechte inzwischen an die sächsische Firma J. Chr. Hochheim in Leipzig übertragen hatte. Doch hatte er Prioritätsrechte gegenüber der Firma Gebrüder Henninger und Compagnie in Berlin zu verteidigen, die zunächst (1824) die Legierung von ihm bezogen hatte, in der Fabrikation aber schneller voran kam, da in Sachsen das Privileg für Speisegeschirre aus Furcht vor einem Arsengehalt nur zögernd (1826 und mit Einschränkungen) erteilt wurde. Inzwischen betrieb auch der Montanist R. Gersdorff in Österreich eine Neusilberfabrikation. - Mit der Erfindung des Argentan legte Geitner den Grund für die Nickelhütten und die bedeutende Besteckindustrie im Erzgebirge. 1829 war der Betrieb in die stillgelegte Eisenhütte Auerhammer verlegt worden, wo vorhandene Wasserkräfte die Anlage von Walz- und Streckwerken ermöglichten. Geitner selbst, mehr Forscher und Gelehrter als Geschäftsmann, hielt ihn in kleinem Rahmen (15-20 Arbeiter). Das seit 1855 von Geitners Schwiegersohn F. A. Lange geführte Werk wurde später zu einer großen Fabrik (F. A. Lange Metallwerke Aktiengesellschaft, seit 1947 Volkseigener Betrieb). Ebenso entwickelte sich der von Geitners ehemaligem Arbeiter Christian Wellner gegründete Betrieb für Bestecke und Hotelgeräte in Aue zu einem bedeutenden Unternehmen. - Geitner betätigte sich auch als Botaniker und Pomologe. 1837 begann er in Planitz bei Zwickau auf einem durch unterirdisch brennende Kohlenflöze beheizten Gelände mit der Anlage von Frühbeeten und Treibhäusern. In der seit 1846 vom Sohn Gustav geleiteten „Treibegärtnerei und Baumschule Planitz“ sahen Besucher aus ganz Europa Orchideen, Victoria regia, Kaffeebäume, Bananenbäume mit Früchten und anderes mehr. – 1837 beteiligte sich Geitner an der Gründung der Aktiengesellschaft Mechanische Weberei Auerhammer. Die Schneeberger Werke für „Feingeriebene Schmelzfarben“, die auch Farben für die Porzellan- und Keramikindustrie herstellten, gingen nach Geitners Tode an den Sohn Ernst Hermann und später an dessen Nachkommen über.

Werke  
u. a. Fam. West, od. Unterhaltungen üb. d. wichtigsten Gegenstände d. Chemie u. Technol., 2 Bde., 1806; Briefe üb. Chemie, e. unterhaltendes|Lesebuch f. d. Jugend, 2 Bde., 1806; Versuche üb. d. Blaufärben wollener Zeuge ohne Indigo, 1809; Beschreibung e. neuen Apparates, mittels dessen brenzliches kohlensaures Ammonium, aus festen thier. Theilen, am wohlfeilsten gewonnen u. zugleich ohne weitere Kosten rectificiert werden kann, in: Journ. f. Chemie u. Physik 5, hrsg. v. J S. C. Schweigger, 1812, S. 137-52. - Zu S Gustav: Wegweiser durch d. Treibegärtnerei … zu Planitz, o. J.

Literatur  
ADB VIII; E. L. Schubarth, Über d. chines. Weißkupfer u. d. v. Ver. angestellten Versuche, dasselbe darzustellen, in: Verhh. d. Ver. z. Beförderung d. Gewerbefleißes in Preußen 3, 1824, S. 134-42, bes. S. 141; Auszug aus d. Protokollen d. monatl. Versammlungen im März u. April d. laufenden Jahres, ebd., S. 40; Packfong in China, Weißkupfer in Suhl u. Argentan in Schneeberg, in: Elbe-Bl. Polytechn. Inhalts, 1824, S. 123 ff.; B. Neumann, Die Anfänge d. Argentan- (Neusilber-) Industrie u. d. techn. Nickelerzeugung, in: Zs. f. angew. Chemie, 1903, S. 225-32 (L); Jacobi, Festschr. z. 100-J.-Feier d. Fa. Geitner u. Comp., 1810–1910, 1910 (L, P, auch z. Fam.); S. Sieber, in: Sächs. Lb. III, 1941. S. 110-19 (L, P); C. Schiffner, Männer d. Metallhüttenwesens, 1942, S. 47 f.; Pogg. I. - Zur Gesamtfam.: C. Schiffner, Aus d. Leben alter Freiberger Bergstudenten, 1935, S. 315-18 (P).

Autor  
Siegfried Sieber
Empfohlene Zitierweise  

Sieber, Siegfried, „Geitner, Ernst August“, in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 164-166 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117535796.html

ADB-Artikel

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Geitner, Ernst August

 LebenAutorLiteraturZitierweise

Leben  
Geitner: Ernst August G., geb. 1783 zu Gera, Dr. med. Anfangs praktischer Arzt zu Lößnitz im Schönburgschen, begründete er eine chemische Fabrik daselbst und später eine zweite in Schneeberg, wo er 1852 starb. G. verdiente sich einen Namen als Chemiker durch die Erfindung des Argentans (Neusilber). Weiter beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Färberei und entdeckte dabei das Färben thierischer und pflanzlicher Stoffe durch chromsaure Salze; dann veröffentlichte er kleinere Schriften, von denen die bedeutendsten über die fabrikmäßige Bereitung des Traubenzuckers und Syrups aus Kartoffelmehl und über Versuche, das Blaufärben wollner Zeuge ohne Indigo betreffend. Er gab heraus zwei Bände: "Briefe über die Chemie" und das ebenfalls zweibändige Werk "Die Familie West oder Unterhaltungen über Chemie und Technologie". Allgemeiner bekannt ist G. durch das Anlegen von Treibgärten über den unterirdischen Kohlenbränden zu Planitz bei Zwickau.

Literatur  
Poggendorff, Biogr.-litter. Handwörterbuch.

Autor  
Ladenburg.
Empfohlene Zitierweise  

Ladenburg, Albert, „Geitner, Ernst August“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 529 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd117535796.html?anchor=adb

Quelle/Vorlage: 
NDB 6 (1964), S. 164-166
ADB 8 (1878), S. 529
Erwähnungen: 
NDB 13 (1982), S. 553*

PND: 117535796
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Index

Geitner, Ernst August

Name: Geitner, Ernst August
Lebensdaten: 1783 bis 1852
Geburtsort: Gera
Sterbeort: Schneeberg (Erzgebirge)
Beruf/Lebensstellung: Chemiker; Erfinder; Fabrikant in Schneeberg; Arzt
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Sieber, Siegfried
Autor ADB: Ladenburg, Albert
PND: 117535796

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Geitner, Ernst August

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117535796

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