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<< Kossel.     Kossel, Walther >>

Kossel, Albrecht

Physiologischer Chemiker, * 16.9.1853 Rostock, 5.7.1927 Heidelberg.


GenealogieLebenAuszeichnungenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Albrecht (1827–1919), Bankdir., Schiffsreeder u. preuß. Konsul in R., S d. Ludwig (1795–1866), meckl. Hofrat, aus Rittergutsbes. u. Beamtenfam., u. d. Louise Helene Frieder. Rehberg; M Klara (1830–1911), T d. Karl Frdr. Wilh. Jeppe (1792–1856), meckl. Ökonomierat, Großkaufm. in R., u. d. Karoline Westphal; B Hermann (1864–1925), Prof. d. Med. in H. (s. Fischer); - Heidelberg 1886 Luise (1864–1913), T d. Adolf Holtzmann (1810–70), Prof. d. Germanistik u. Indol. in H. (s. ADB 13), u. d. Therese Hilgard; Vt d. Ehefrau Adolf Holtzmann ( 1914), Sanskritforscher (s. NDB IX); S Walther (s. 2).

Leben  
Kossel studierte 1872-77 Medizin und Naturwissenschaften in Rostock und Straßburg. 1877 legte er das medizinische Staatsexamen in Rostock ab und wurde dort 1878 zum doctor medicinae pro|moviert. Er hatte in Straßburg F. Hoppe-Seyler als Lehrer kennengelernt und trat 1877 als sein Assistent – zugleich als Nachfolger E. Baumanns – in das Physiologischchemische Institut ein, wo er sich 1881 habilitierte. 1883 wurde er von E. Du Bois-Reymond als Leiter der chemischen Abteilung an das Physiologische Institut der Universität Berlin geholt (außerordentlicher Professor 1887). 1895 folgte Kossel der Berufung nach Marburg als Hygieniker und – nach E. Külz' Tod – Ordinarius für Physiologie (Direktor des Physiologischen Instituts 1901). 1901 ging Kossel nach Heidelberg, übernahm als W. Kühnes Nachfolger den Lehrstuhl für Physiologie, wurde Direktor des Physiologischen Instituts und wirkte dort bis zu seiner Emeritierung (1924). Danach arbeitete er als Leiter des Heidelberger Instituts für Eiweißforschung, einer Schenkung des Fabrikanten Fritz Behringer, weiter. Nach Kossels Tod ging das Institut im Laboratorium der von L. von Krehl geleiteten Medizinischen Universitätsklinik auf.
Kossel war einer der großen Naturforscher, die das medizinische Wissen mit der im 19. Jahrhundert aufstrebenden Chemie und Physiologie der Naturstoffe verknüpften und das neue Fach Physiologische Chemie und Biochemie mitgestalteten. Seine wissenschaftlichen Leistungen, die er in Fortsetzung der Arbeiten von Miescher und Hoppe-Seyler bei der chemischen Erforschung des Zellkerns erzielte, wurden 1910 mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet. Kossel weilte 1911 an der Johns Hopkins University in Baltimore (USA). Zusammen mit seinen Mitarbeitern, darunter die später namhaften D. Ackermann, K. Felix, E. Schenk, H. Steudel, H. Thierfelder, J. Weiß und andere mehr, entdeckte und klassifizierte er die Histone und Protamine als neue Stoffklassen. Er isolierte das Histidin und weitere Aminosäuren und Eiweißkomponenten, erkannte und beschrieb als erster das Enzym Arginase und klärte bei seiner Nukleinsäurenerforschung wichtige Bestandteile auf, wie zum Beispiel die „Nukleinbasen“ Adenin, Guanin, Xanthin und Hypoxanthin. Zusammen mit F. Kutscher schuf Kossel ein analytisch wertvolles Nachweisverfahren für die „Hexonbasen“ Arginin, Histidin, Lysin, das sogenannte Kossel-Kutscher- oder Silber-Baryt-Verfahren. Dieses wurde später mit R. E. Groß und W. Staudt, Kossels letztem Assistenten, weiter vervollkommnet durch die Flavianat-Methode. Besondere Aufmerksamkeit widmete Kossel der Aminosäurenbindung im Eiweiß, vor allem der von Arginin, Histidin und Lysin, aus der er Zusammenhänge mit der biologischen Reaktionsbereitschaft ableitete. Diese tieferen Zusammenhänge zwischen chemischer Konstitution und biologischem Sinn waren der Leitstern seines ganzen Lebens (S. Edlbacher). Kossel legte mit seinen Befunden über die chemische Natur des Zellkerns wesentliche Teile des Fundaments der modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse über Genetik und Molekularbiochemie.|

Auszeichnungen  
Nobelpreis f. Med. u. Physiol. (1910); GR (1914); Dr. h. c. (Cambridge, Dublin, Genf, Greifswald, St. Andrews/Schottland, Edinburgh); Mitgl. d. wiss. Ges. u. Ak. in Göttingen, Heidelberg, Kopenhagen, Leningrad, Turin, Washington, Upsala.

Werke  
Zur Chemie d. Zellkerns, 1882; Das Mikroskop u. d. Methoden d. mikroskop. Unterss., 1889 (mit O. K. Behrens u. Schiefferdecker); Nachruf auf E. F. J. Hoppe-Seyler (mit E. Baumann), in: Zs. f. Physiolog. Chemie 21 I, 1895/96; Die Probleme d. Biochemie, 1908; Über d. chem. Beschaffenheit d. Zellkerns (Nobel-Vortrag), 1910, auch in: Münchener Med. Wschr. 22, 1911; Leitfaden f. med.-chem. Übungen, 81921; Protamine u. Histone (= Bd. 2 „Einzeldarst. aus d. Gebiet d. Biochemie“, hrsg. v. S. Edlbacher), 1929 (engl. v. W. V. Thorpe, 1928); zahlr. Arbb. in Hoppe-Seylers Zs. f. Physiolog. Chemie u. Berr. d. dt. Chem. Ges. - Hrsg.: Hoppe-Seylers Zs. f. Physiolog. Chemie 21-168, 1895-1927.

Literatur  
Prix Nobel en 1910, 1911 (P); C. Neuberg, in: Chem. Berr. 60 IA, 1927, S. 159 f.; O. Riesser, in: Dt. med. Wschr. 53, 1927 (P); v. Schubert, in: SB d. Heidelberger Ak. d. Wiss., Jh. 1927/28; Nachrr. d. Ges. d. Wiss. Göttingen, Mitt. 1927/28; S. Edlbacher, in: Hoppe-Seylers Zs. f. Physiolog. Chemie 117, 1928, S. 1-14; P. Karlson, 100 J. Biochemie im Spiegel v. Hoppe-Seylers Zs. f. Physiolog. Chemie, in: Hoppe-Seylers Zs. f. Physiologische Chemie 358, 1977; H. Lieben, Gesch. d. Physiolog. Chemie, 1935; The Nobel prizewinners and the Nobel foundation 1901-37, 1938, S. 96 (P); F. Lejeune, Dt. Nobelpreisträger, in: Med. Welt 20, 1951, S. 433 (P); F. Kaudewitz, Via triumphalis, 1954, S. 100 f. (P); K. F. Rothschuh, Gesch. d. Physiol., 1953, S. 177 (P); H. Schaefer, in: Ruperto-Carola 6, 1954, Nr. 13/14, S. 125; K. Felix, in: Naturwiss. 42, 1955, S. 473 f. (W); R. Olby, C. Gillispie, Dict. of Scient. Biogr. VII, 1973, S. 446; M. Florkin, A Hist. of Biochemistry, T. 4, 1977 (P); Pogg. IV-VII a; BLÄ, Wi.

Autor  
Heinz Walter
Empfohlene Zitierweise  

Walter, Heinz, „Kossel, Albrecht“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 615 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd116343338.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 12 (1979), S. 615 f.
Erwähnungen: 
NDB 20 (2001), S. 138 in Artikel Pauly, Hermann
NDB 21 (2003), S. 712 in Artikel Roehl, Wilhelm

PND: 116343338
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Index

Kossel, Albrecht

Name: Kossel, Albrecht
Lebensdaten: 1853 bis 1927
Geburtsort: Rostock
Sterbeort: Heidelberg
Beruf/Lebensstellung: Physiologischer Chemiker; Nobelpreisträger für Medizin (1910)
Konfession: evangelisch
Autor NDB: Walter, Heinz
PND: 116343338

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Kossel, Albrecht

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116343338

Normdaten
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