<< Aepinus, Franz Ulrich Theodosius
Aereboe, Friedrich >>
Aepinus, Johannes
evangelischer Theologe,
* 1499 Ziesar (Provinz Sachsen),
† 13.5.1553 Hamburg.
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Hans Hoeck, Ratsherr; über Nachfahren siehe
Ersch-Gruber II, S. 59;
Nachkomme Franz Ulrich Theodosius Aepinus (s. 1).
Leben ↑
Aepinus wurde während seiner Studienzeit in Wittenberg für die Reformation gewonnen, dann aber wegen seines Glaubens von seiner Lehrerstelle in der Mark Brandenburg vertrieben. Er ging nach Pommern; in Stralsund wirkte er als Rektor einer Schule und wurde vom Rat der Stadt mit der Ausarbeitung einer Kirchenordnung beauftragt. 1529 folgte er einem Ruf an
St. Petri nach Hamburg und wurde hier 1532 erster Superintendent. 1533 wurde er gleichzeitig mit Bugenhagen, als dessen Schüler er gelten darf, und Caspar Cruciger in Wittenberg zum Doktor promoviert; 1534 wirkte er in England für die Reformation und erstattete für Heinrich VIII. ein Gutachten in dessen Ehescheidungssache. Der Rat der Stadt Hamburg beauftragte ihn 1539 mit der Neubearbeitung der Bugenhagenschen Kirchenordnung; jedoch setzte sich sein Entwurf bis 1556 nicht durch. Der Streit über seine Lehrmeinung von der Höllenfahrt Christi, die er als letzte Leidensstation auffaßte, blieb unentschieden.
Werke ↑
u. a. Pinacidion de Romanae ecclesiae imposturis, Hamburg 1530; Bekenntnisse u. Verklaringhe up dat Interim, ebenda 1548; Responsio ad confessionem Andreae Osiandri, 1552 (mit J. Westphal).
Literatur ↑
ADB I;
Das
luth. Hamburg, Aufsätze
z. Gesch. u. Gegenwart d. Luthertums in Hamburg,
hrsg. v. Th. Knolle, 1928
(P);
H. Nirrnheim, Hamburgs Gesandtschaft an
Kg. Heinrich VIII.
v. England im J. 1534, in:
Ztschr. d.
Ver. f. Hamburg.
Gesch. 40, 1949, S. 26 ff.;
PRE;
RGG;
LThK;
K. Schottenloher, Bibliogr. d. Glaubensspaltung I, 1933.
Portraits ↑
Ölgem. v. unbek. Maler (
St. Petri u.
St. Jacobi Hamburg); Holzschnitt
in: N. Reusner, Icones …, Straßburg
21590, S. 186.
Autor ↑
Theodor KnolleEmpfohlene Zitierweise ↑
Knolle, Theodor, „Aepinus, Johannes“,
in: Neue Deutsche Biographie
1
(1953), S.
91
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116296283.html
<< Aepinus, Franz Ulrich Theodosius
Aepli, Johann Melchior >>
Aepinus, Johann
Leben
| Autor
| Literatur
| Zitierweise
Leben ↑
Aepinus: Johann
A.
, lutherischer Theolog, geb. 1499 zu Ziesar in der Mark Brandenburg, † 13. Mai 1553. Sein deutscher Name war
Hoeck oder Hoch, welchen er in αἰπεινός
übersetzte. Nicht gewiß ist, ob er Franciscaner gewesen sei. Durch
Studien in Wittenberg für die Reformation gewonnen hatte er in
Brandenburg unter Kurfürst Joachim dafür zu leiden, fand aber dann
in Pommern ein Unterkommen als Lehrer, zuerst in Greifswald und
1525 als Rector in Stralsund. Von da wurde er 1529 nach Hamburg
berufen und von seinem Lehrer Bugenhagen, der damals die
Einführung der Reformation in Hamburg leitete, zu St. Petri als
Pastor eingeführt; 1532 wurde er dort als erster lutherischer
Superindentent und als Pastor am Dom eingesetzt. In diesen Aemtern
blieb er bis an seinen Tod; 1533 wurde er zusammen mit Bugenhagen
und Caspar Cruziger in Wittenberg unter Luther's Vorsitz und mit
einer Disputation über Thesen Melanchthon's zum Doctor creirt. Im
J. 1534 nach England berufen, konnte er sich nicht entschließen,
die Scheidung König Heinrichs VIII.
gutzuheißen. In seinem Gutachten über das Augsburger Interim, über
Osiander's und Major's Lehre stand er bei den strengeren
Lutheranern, ohne mit Melanchthon darüber zu zerfallen. Im J. 1544
hatte er aber in Erklärungen des
|16. u. 68. Psalms
eine früher auch von Luther vertheidigte Meinung vorgebracht, die
Erlösung Christi wäre nicht vollkommen gewesen, wenn er nicht auch
die Höllenstrafen für die Sünden der Menschen getragen hätte, und
so habe er denn auch, während sein Leib im Grabe gelegen habe, als
letzte Stufe seiner Erniedrigung vor seiner Erhöhung an seiner
Seele in der Hölle Schmerzen des Todes erlitten. Erst im J. 1549
machten ihm einige seiner Collegen in Hamburg dies als Irrlehre
zum Vorwurf, und predigten gegen ihn; und als ein vom Rathe
verlangtes Gutachten Melanchthon's die Streitfrage für schwer
entscheidbar, aber nicht für so wichtig erklärte, daß darüber in
Kirchen und Schulen gelehrt werden müsse, und als hiernach das
fernere Streiten verboten wurde, mußten drei hamburgische
Geistliche, welche sich nicht fügen wollten, abgesetzt werden,
während Aepinus' Anhänger von Auswärtigen als Infernalisten
bezeichnet und getadelt wurden. Dies gab zuletzt Veranlassung, daß
auch der neunte Artikel der Concordienformel eine Erklärung
darüber abgab, aber darin auch die Unbegreiflichkeit des
Gegenstandes anerkannte und von unnützen Streitfragen abmahnte.
Noch nach seinem Tode pries ein Epigramm Melanchthon's Aepinus'
reine Lehre und reinen Wandel. Joh. Magdeburgius verfaßte ein mit
seinem Bildniß versehenes Epitaphium,
Hamburg 1553.
Literatur ↑
Moller's Cimbria litt. T. II. p. 17—25.
Planck, Prot. Lehrb. V. 1. S. 252 ff.
Lappenberg, Hamb. Buchdruckergeschichte S. 34.
Autor ↑
Henke.
Empfohlene Zitierweise ↑
Henke, Ernst, „Aepinus, Johann“,
in: Allgemeine Deutsche Biographie
1
(1875), S.
129-130
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd116296283.html?anchor=adb
Aepinus, Johannes
Name: Aepinus, Johannes
Namensvariante: Hoeck, Johannes
Namensvariante: Huck, Johannes
Namensvariante: Hoch, Johannes
Lebensdaten: 1499 bis 1553
Geburtsort: Ziesar (Provinz Sachsen)
Sterbeort: Hamburg
Beruf/Lebensstellung: lutherischer Theologe
Konfession: katholisch; lutherisch
Autor NDB:
Knolle, TheodorAutor ADB:
Henke, ErnstPND: 116296283