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NDB-Artikel

<< Kienlen, Hans Ludwig II     Kienlen, Johann Adam II >>

Kienlen, Johann Adam I

* 31.8.1628 Ulm, 16.4.1691 Ulm.


GenealogieLebenWerkeLiteraturAutorZitierweise

Genealogie  
V Hans Ludwig I (s. 1); Vt Hans Ludwig (s. 2); - 1) Ulm 24.11.1651 Katharina (1031–55), T d. Handelsmanns Joh. Rietmann in U., 2) Ulm 12.2.1656 Anna Regina (1632–1704), T d. Matthias Gelb, aus U., seit 1627 Goldschmied in Augsburg, u. d. Euphrosyne Danckenmayer aus Augsburg; 1. Ehe kinderlos, K aus 2), u. a. Joh. Adam II (s. 4).

Leben  
Nach der Lehrzeit bei seinem Vater (1641–44) arbeitete Kienlen 4 Jahre in Augsburg, reiste – noch im Kriege – 1648 nach Frankfurt, arbeitete dann 9 Monate in Leipzig, über 1 Jahr in Hamburg und 1½ Jahre in Amsterdam. So lernte er die protestantischen Handelszentren kennen. 1651 wurde er Meister in Ulm und bereits 1654 Zwölfmeister der Schmiedezunft. 1657 wurde ihm vom Rat die Gold- und Silberwaage anvertraut. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er dessen beide Lehrlinge und nahm danach meist Lehrlinge von auswärts an. 1663 (-1667) wurde er vom Rat zum Münzmeister bestellt. Dukaten jener Zeit zeigen seine Meistermarke „K“. Dagegen wurden die Ulmer Regimentstaler von 1667 von ihm mit HA-K gezeichnet. Diese Medaillen zeigen – wie schon 1622 – das Bild der wohlbefestigten Stadt sowie 8 Wappen der regierenden Ratsherren. – 1665 wurde Kienlen zum Ratsherrn gewählt sowie zum Bau- und Feuergeschworenen. Seine weiteren Ämter zeigen seine vielseitige Verwendbarkeit: 1666 Almosenpfleger und Pflegherr, 1672 Zeugherr, 1674 Unterrichter, 1676 Bau- und Holzherr, 1683 Proviantherr. Erstaunlich ist, wie viele Werke Kienlen trotz dieser zeitraubenden Ämter geschaffen hat, allein an datierten Werken: 1657 und 1659 Abendmahlskelche und Patenen für die Stadtkirche in Geislingen, 1665 für das Ulmer Münster die große silberne Taufschüssel mit getriebenen Reliefs samt dem Silberbeschlag zum Agendenbuch, eine Stiftung seiner Cousine (mütterlicherseits) Esther, der Tochter des Ulmer Goldschmieds Georg Sandberger. Die zugehörige Deckelkanne zeigt biblische Darstellungen und große Blumen in reicher Ziselierarbeit. Zur 200-Jahrfeier der Universität Tübingen ließ der Rat der Reichsstadt Esslingen von ihm ein „Friedensdenkmal“ fertigen mit drei kommunizierenden Kelchen über umgestürzten Kriegswerkzeugen und oben mit Friedensengeln. Das Tübinger Stift mußte 1679/80 auf herzoglichen Befehl 12 silberne Tischbecher von ihm kaufen. 1679 bestellte Christoph Freiherr von Degenfeld eine silberne Hostienbüchse für die Kirche in Eybach, 1680 E. H. Freiherr vom Stain einen silbervergoldeten Kelch mit getriebener Ölbergszene für die Pfarrkirche in Bächingen/Brenz. 1681 schenkte der Fürstbischof von Konstanz, Franz Johann von Hornstein, dem Rat zu Bischofszell im Thurgau zwei Muschelpokale in der Art von Nautiluspokalen, je mit einer tragenden männlichen und weiblichen Figur (letzterer Pokal jetzt als Leihgabe im Ulmer Museum). Auf beiden Pokalen ist in Email Wappen und Inschrift des Stifters angebracht. Vom selben Stifter erhielt offenbar die Kirche in Meersburg ein Ziborium gleichfalls mit dem Meisterzeichen „K“. Bereits 1657 hatte der Fürstbischof für eine Tochter Kienlens die Patenschaft übernommen, ein ganz ungewöhnliches Zeichen der Wertschätzung für den Meister in einer protestantischen Reichsstadt. Seit 1687 hielt sich Kienlen keinen Lehrling mehr. Sein Sohn Johann Adam II konnte ihn seit 1682 entlasten; er signierte gleichfalls mit „K“. So ist für eine größere Zahl von Werken jener Zeit (1682–91) und für zahlreiche undatierte Werke ohne eingehende Detailuntersuchung nicht zu entscheiden, ob sie vom Vater oder vom Sohn gefertigt wurden.
Für Elfenbeinarbeiten mit meist antikischem Sujet kam Kienlen offensichtlich die Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Johann Ulrich Hurtor zugute. Das schönste Werk aus dieser Zusammenarbeit ist der „Kienlen-Humpen“ des Ulmer Museums sowie ferner ein kleinerer Elfenbein-Deckelhumpen im Kunstgewerbemuseum in Köln, etwas später ein Deckelhumpen mit Puttenfries im Ulmer Museum. In reiner Treib- und Ziselierarbeit ist eine silberne Kanne mit Ranken und Früchten reich verziert, die – um 1680 entstanden – zu den frühesten Kaffeekannen in Deutschland gehört. Diese Werke bilden Höhepunkte der Barockkunst in Ulm, wie sie später nicht mehr erreicht wurden.

Werke  
Weitere W mit Meisterzeichen K, Joh. Adam I (s. 3) zuzuschreiben: teilvergoldete Deckelkanne, mit gr. Blumen getrieben (1892 in Köln); Versehgerät f. d. Letzte Ölung (Ulm, Mus.); mit Symbolen gravierter Hostienbehälter (ebd.); Muschelpokal in Form e. Nautiluspokals (mit späterer Inschr. „D. Aug. Frid. Heuchelin“; ebd.); Nautiluspokal (ebd.); Kaffeekanne (ebd.); Trinkgefäß in Gestalt e. Schiffes auf e. Hirschgeweih mit Inschr. v. 1754 (Kassel, Mus); teilvergoldetes Henkelschälchen mit getriebenen Früchten (früher in Neustadt/Ob.schlesien). - 1682-91 datierte Werke u. undatierte Werke, fragl. ob v. Joh. Adam I od. Joh. Adam II, s. 4).

Literatur  
s. L z. Gesamtfam. ; Die Kunst- u. Altertumsdenkmale v. Württemberg, Oberamt Geislingen, 1914, S. 48; Häberle, 1926, S. 24 ff., Abb. 4-6, 10 f.; ders., 1937, S. 115, Tafel 15, Abb. 60; W. Fleischhauer, Barock im Hzgt. Württemberg, 1958, S. 95 f.; Schweizer Kunstdenkmale, Kt. Thurgau III, 1962, S. 275 f.; Schädler, Anm. 44; Die Kunstdenkmäler v. Bayern, Landkr. Dillingen, 1972, S. 129.

Autor  
Albrecht Rieber
Empfohlene Zitierweise  

Rieber, Albrecht, „Kienlen, Johann Adam I“, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 585 f. [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd137738196.html

Quelle/Vorlage: 
NDB 11 (1977), S. 585 f.

PND: 137738196
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Index

Kienlen, Johann Adam (I)

Name: Kienlen, Johann Adam (I)
Namensvariante: Kienlen, Johann Adam
Lebensdaten: 1628 bis 1691
Geburtsort: Ulm
Sterbeort: Ulm
Beruf/Lebensstellung: Goldschmied in Ulm
Konfession: lutherische Familie
Autor NDB: Rieber, Albrecht
PND: 137738196

Weitere Informationen

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Kienlen, Johann Adam (I)

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137738196

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