<< Kantorowicz.
Kantorowicz, Hermann >>
Kantorowicz, Ernst Hartwig
Historiker,
* 3.5.1895 Posen,
† 9.9.1963 Princeton (New Jersey, USA). (israelitisch)
Genealogie
| Leben
| Werke
| Literatur
| Portraits
| Autor
| Zitierweise
Genealogie ↑
V Joseph,
Spirituosenfabr.;
M Clara Hepner (
† 1945);
Cousine Gertrud (1876–1945),
Dr. phil., Lyrikerin, Kunsthistorikerin (s.
W, s.
Kürschner, Lit.-Kal.,
Nekr.).
Leben ↑
Nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Posen (1913) studierte Kantorowicz 2 Semester Philosophie an der Universität Berlin. Bei Kriegsausbruch 1914 meldete er sich als Freiwilliger, zunächst in Frankreich, dann beim Deutschen Asienkorps in der Türkei eingesetzt. Nach Kriegsende studierte er 2 Semester Nationalökonomie in München, nahm aber auch an den Kämpfen der Freikorps in Posen, Berlin und München teil. Seit Herbst 1919 studierte er Kameralistik in Heidelberg und wurde dort 1922 mit einer wirtschaftsgeschichtlichen Arbeit (Das Wesen der muslimischen Handwerkerverbände) promoviert. In Heidelberg schloß er sich dem dortigen Stefan-George-Kreis (Gundolf, W. Graf Uxkull-Gyllenband und andere) an und lernte auch den Dichter selbst näher kennen. Unter dem Eindruck dieser Begegnung, vielleicht auch angeregt durch Arbeiten des George-Anhängers Wolfram von den Steinen, schrieb Kantorowicz sein erstes Buch, die Biographie Kaiser Friedrichs II., die ihn rasch berühmt machte. Die ihm nun eröffnete akademische Laufbahn (1930 Honorarprofessor, 1932 ordentlicher Professor für mittelalterliche und neuere Geschichte in Frankfurt) nahm nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus bald ein Ende. Als
|seine Vorlesungen wegen seiner jüdischen Abstammung gestört wurden, ließ sich Kantorowicz zunächst beurlauben, dann emeritieren (1.11.1934) und lebte, von einer Gastprofessur in Oxford 1934 abgesehen, meist in Berlin. Im November 1938 emigrierte er nach Oxford und von dort in die USA. An der kaliforn. Universität Berkeley bekam er 1939 einen Lehrauftrag, 1945 eine Professur, wurde jedoch 1950 wieder entlassen, da er sich aus grundsätzlichen Erwägungen weigerte, den damals geforderten antikommunistischen Loyalitätseid abzulegen. Bald darauf, 1951, berief man ihn nach Princeton, wo er sich für den Rest seines Lebens als Mitglied des Institute for Advanced Study und Gastprofessor der Universität ungestört seinen Forschungen widmen konnte.
Kantorowicz verband eine staunenswerte, weit über die Grenzen seines Faches hinausreichende philologisch-historische Gelehrsamkeit mit fast intuitivem Gespür für geistesgeschichtliche Hintergründe und mit einer faszinierenden Sprachkunst. Ausgehend von der Gestalt Friedrichs II., weitete er seine Forschungen immer mehr aus zu einer Geschichte des mittelalterlichen Herrschertums und seiner theologischen, liturgischen und staatsrechtlichen Grundlagen und Ausdrucksformen. Mit alledem hat Kantorowicz besonders in Nordamerika das Interesse an der mittelalterlichen Geschichte stark belebt und der Mediävistik überhaupt viele neue Erkenntnisse und Anregungen gegeben.
Werke ↑
Weitere W u. a.
Kaiser Friedrich d. Zweite, 1927,
41936,
Nachdr. 1963 (
engl. 1931,
Nachdr. 1057;
Ital. 1939),
dazu Erg.bd. (Qu.nachweise u. Exkurse), 1931,
Nachdr. 1963;
Laudes Regiae, 1946,
Nachdr. 1958;
The King's Two Bodies, 1957;
Ges. Abhh., in: Selected Studies by E. H.
K., 1965
(W-Verz., P). -
Zu Cousine Gertrud: Vom Wesen d. griech Kunst,
hrsg. v. M. Landmann, 1961
(P, Biogr.).
Literatur ↑
J. Fleckenstein, in: E.
K. zum Gedächtnis, 1964, S. 11-27;
E. Salin, in:
HZ 199, 1964, S. 551-57;
Y. Malkiel, in: Romance Philology 18, 1964/65, S. 1-15;
F. Baethgen, in:
DA 21, 1965, S. 1-17 u. 662
(W-Verz.).
Portraits ↑
in
Enc. Judaica X, 1971, S. 745;
Büste (Frankfurt/M.,
Hist. Seminar d.
Univ.).
Autor ↑
Hans Martin SchallerEmpfohlene Zitierweise ↑
Schaller, Hans Martin, „Kantorowicz, Ernst Hartwig“,
in: Neue Deutsche Biographie
11
(1977), S.
126-127
[Onlinefassung]; URL:
http://www.deutsche-biographie.de/pnd118559826.html
Kantorowicz, Ernst
Name: Kantorowicz, Ernst
Namensvariante: Kantorowicz, Ernst Hartwig
Lebensdaten: 1895 bis 1963
Geburtsort: Posen
Sterbeort: Princeton (New Jersey, USA)
Beruf/Lebensstellung: Historiker
Konfession: jüdisch
Autor NDB:
Schaller, Hans MartinPND: 118559826